Leitartikel: SPD-Bundesvize Ralf Stegner befindet sich mitten im US-amerikansischen Wahlkampf. Der SPD-Linksaußen will dort für Hillary Clinton alles in trockene Tüchern packen. So zu sagen an vorderster Front – Face to Face – kämpft er sich mutig von einer Ami- Haustür zu nächsten. Hüben, aber mehr hier drüben fragt man sich, ob die ganze Klinkenputzerei Stegners ähnlich wirkungsvoll sein könnte, wie Madonnas Blowjob-Angebot. Und wer den ganzen Reisespaß eigentlich bezahlt.

Ralf Stegner will keine "konservativen Reflexe bedienen". (Bild: metropolico.org)
Ralf Stegner (SPD) im Reisefieber (Bild: metropolico.org)

Ralf Stegner gewährt uns Teilhabe. Gestern Grüße aus Cleveland, heute ein sozialistisches »Hallo« aus Columbus (Ohio) . Hoch beschäftigt tingelt der Bundesvize der bundesdeutschen SPD seit fast einer Woche mit sozialistisch geballter Faust in der Hosentasche als »Wahlkampfbeobachter« in Hillary Clintons »Battelground Tour 2016« von einer fulminanten Wahlkampfveranstaltung zu nächsten mit.

Am Mittwoch letzter Woche noch über die Frankfurter Buchmesse geschlendert, ging es dann am Folgetag über den Ozean zum kapitalistischen Klassenfeind. Von Hamburg via Newark (New Jersey) über Cleveland (Ohio) nach Rochester (New York)! Denn, so die frohe Botschaft auf Facebook: »Nach der letzten TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump will ich das Ende des Präsidentschaftswahlkampfs aus der Nähe beobachten« und freut sich wie irre auf die »spannenden Gespräche und Termine in den nächsten Tagen«.

Wer bezahlt den ganzen Heidenspaß, Herr Stegner?

Soviel Reisefreudigkeit und auswärtiges Engagement wirft dann doch die eine oder andere Frage beim zurück gelassenen Eventualwahlvolk auf. So wollen Facebook-Kommentatoren beharrlich wissen, welcher Art Stegners »Lustreise« zuzuordnen ist: »a) eine private Reise, die Sie aus ihrem versteuerten Einkommen bezahlen oder b) bezahlt die SPD oder c) der Steuerzahler in Schleswig-Holstein? Im Falle b) oder c), wäre die Angabe noch genehm, ob Sie Linienflüge benutzt haben und falls ja welche Klasse haben Sie gebucht?«

Ein weiterer Fragesteller rät dem -durch gänzlich fehlende privatwirtschaftliche Berufserfahrung glänzenden Stegner – zur Abwechslung jeden Tag acht Stunden zu arbeiten – am besten körperlich und ist sich sicher: »Dann wissen Sie wenigstens was die Klientel täglich leistet, die Sie vorgeben zu vertreten!«

Für andere wiederum will sich der Sinn und Mehrwert von Stegners Reise einfach nicht erschließen, zeigen sich aber dennoch überzeugt davon, dass die US-Amerikaner und nicht Herr Stegner die Wahl entscheiden werden.

Sollte Stegner nach dem stressigen Wahlkampf den Rückweg nach »Good old Germany« finden – und auch hier werden verschiedene Wünsche und Hoffnungen artikuliert – ist der eine oder andere schon in freudiger Erwartung, dass Stegner sich genug »Inspiration» – für was auch immer- in den Staaten geholt hat um sich »dann auch mal den Problemen in der Bundesrepublik widmen« zu können. Die Erwartungen scheinen hoch.

Stegners Unterstützung für Hillary ist so wirkungsvoll, wie Madonnas Blowjob-Angebot

Aus den Reihen jener politischen Konkurrenz, dessen »Positionen und Personal» es laut Stegner zu »attackieren« gilt und die von »anständigen Deutschen nicht gewählt werden«, hagelt es bestenfalls Häme ob dem Aktionismus des 57-jährigen Linksaußen der ehemaligen Volkspartei SPD. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell, twittert dann schon mal: »Trump hat so gut wie gewonnen. Gute Nacht Freunde, ich kann jetzt gut schlafen« und vervollständigte sein Gezwitscher mit der Bemerkung: »Das ist ähnlich wirkungsvoll, wie wenn Madonna Blowjobs androht.«

Die ältliche Pop-Ikone hatte in der vergangenen Woche während einer Stand-up-Comedian- Show – Pretzell mutmaßt, dass dies ähnlich wirkungsvoll wie Stegner Wahlkampfunterstützung für Clinton sei – verkündete: »Wenn ihr Hillary Clinton wählt, gebe ich euch einen Blowjob – und ich bin gut! Ich nehme mir Zeit, habe viel Augenkontakt und ich schlucke.« Tja, nun ist Ralf gefordert, die Offerte von Lady Madonna zu toppen. (BS)