Der Deutsche Presserat hat der Wochenzeitung »Die Junge Freiheit« (JF) eine Missbilligung ausgesprochen, da diese die Herkunft und den Aufenthaltsstatus eines Täters nannte. 

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Presserat missbilligt mal wieder  (Bildausschnitt: Allie_Caulfield; 2009-03-22 03-29 Sizilien 088 Palermo, Duomo, Paulus; Rechte: CC BY 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Der Deutsche Presserat – ein Verein mit der vollständigen Bezeichnung »Trägerverein des Deutschen Presserats e.V. « – stellt sich seit Jahren als Vormund von Journalisten und Medien dar und untermauert diese Stellung durch seinen Presse-Kodex.

So entschied das Gremium des Vereins Mitte des Jahres nochmals, keine Änderung am Kodex vorzunehmen und weiterhin wegen etwaiger Diskriminierungsgefahr es als erwünscht anzusehen, in Berichterstattungen die Herkunft eines Täters zu nennen. Dies erregte sogar den Missmut der neuen Bild-Chefin Tanit Koch , die die Entscheidung des Presserats mit den Worten kommentierte: »Geht es nach dem Presserat, dann sollen Redaktionen in Deutschland ihre Leser letztlich bevormunden, indem sie ihnen relevante Informationen vorenthalten«.

Presserat spricht der JF Missbilligung aus

Die Wochenzeitung »Die Junge Freiheit (JF)« hat nun Post vom Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats bekommen, da dieser einstimmig zu dem Ergebnis gelangt sei, dass eine Veröffentlichung der JF »die presseethischen Grundsätze verletzt« habe und somit eine Missbilligung ausgesprochen werden müsse.

Die JF hatte in einem Artikel über einen polizeibekannten Wiener Asylbewerber, der eine Gefängniswärterin attackierte, berichtet. Der Asylbewerber saß in Untersuchungshaft, da er mit zwei minderjährigen Landsmännern zusammen eine Studentin vergewaltigt haben soll. Das Presserat-Gremium missbilligte die Nennung der Nationalität des Täters, da diese für die Tat nicht relevant sei. Auch sei es nicht gerechtfertigt, seinen Aufenthaltsstatus als Asylbewerber zu erwähnen.

Der Presserat stieß sich des Weiteren daran, dass in der Berichterstattung der JF eine Krankheit des Afghanen erwähnt wurde, deren Behandlung den österreichischen Steuerzahler eine nicht unbedeutende Summe kostet. Dadurch habe die JF den Mann und mutmaßlichen Vergewaltiger »bewusst abwertend als Person zweiter Klasse dargestellt«. Deshalb solle die JF »als Ausdruck fairer Berichterstattung« die Missbilligung des »Trägerverein des Deutschen Presserats e.V. « öffentlich zu machen.

»Ausdruck fairer Berichterstattung«

Die JF kommt dieser Bitte wie im Folgenden zitiert nach:

»Ausdruck fairer Berichterstattung: Der Presserat bittet uns deshalb, „als Ausdruck fairer Berichterstattung“ seine Missbilligung öffentlich zu machen. Dem kommen wir natürlich gern nach. Wir sollen dies allerdings so tun, daß die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen – sprich: des afghanischen Asylsuchenden – durch diese Veröffentlichung nicht erneut verletzt werden. Da wir zu keinem Zeitpunkt den Namen des Tatverdächtigen angegeben haben, dürften wir unserer Ansicht nach auch dieser Bitte nachgekommen sein.

Lediglich dem dritten Wunsch des Presserats können wir nicht entsprechen: Der Beschwerdeausschuß bittet uns, die beanstandete Meldung zu löschen. Da wir aber der Meinung sind, daß der Afghane seine Straftaten nicht ungeschehen machen kann, haben wir uns entschieden, auch unsere Meldung über eben diese nicht verschwinden zu lassen.

Im Übrigen werden wir auch in Zukunft die Nationalität und Herkunft ausländischer Straftäter nennen, wenn wir der Meinung sind, daß unsere Leser ein Anrecht darauf haben, diese zu erfahren. Auch auf die Gefahr hin, daß uns demnächst erneut Post vom Presserat erreicht.« 

metropolico schließt sich an 

Die Redaktion von metropolico schließt sich der Jungen Freiheit an und wird ebenfalls in Zukunft die Nationalität und Herkunft ausländischer Straftäter benennen, da auch wir unsere Leser nicht bevormunden und ihnen relevante Informationen nicht vorenthalten werden.

Wissend, dass sich der Pressekodex bislang auf die Kontrolle von Printmedien und deren Online-Angebote erstreckt, dürfte die Ausdehnung der Gängelung auf alle Onlineangebote von Seiten des Presserats nur noch eine Frage der Zeit sein. Innerhalb des Presserats wird seit längerem bereits über die Schaffung eines sogenannten »Onlinekodex« für die Regulierung von Blogformaten, Videos oder Podcasts nachgedacht.

Diese Aufgabe hat sich jedoch ganz offensichtlich zwischenzeitlich bereits Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und seine durch ihn beauftragte »Internet-Task-Force« an die Brust geheftet. Neuer Verbündeter im Kampf gegen »Hass im Netz« – sprich missliebige Meinungen: Volker Kauder, Vorsitzender der  CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dieser ist mit seiner »Geduld am Ende« und will Facebook und Co. bei zu langsamer Löschung von missliebigen Kommentaren mit Bußgeldern belegen (metropolico berichtete). (BS)