Der vor drei Tagen unter Terrorverdacht festgenommenen Syrers Dschaber al-Bakr wurde erhängt in seiner Zelle gefunden. Pflichtverteidiger spricht von Justizskandal – Politiker zeigen sich »fassungslos«.

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Mutmaßlicher Dschihadist erhängt in Zelle aufgefunden (Bild: metropolico.org)

Der anerkannte syrische 22-jährige »Flüchtling« Dschaber al-Bakr, der mutmaßlich einen schweren Terroranschlag mit Sprengstoff plante, wurde am Mittwochabend erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig aufgefunden.

Der Schutzsuchende soll sich an seinem T-Shirt erhängt haben. Am Samstag war ein erster Versuch der Polizei, den Syrer in Chemnitz festzunehmen, gescheitert. In der Wohnung fand die Polizei 1,5 Kilogramm des hochgefährlichen Sprengstoffs TATP, so die übereinstimmenden Medienberichte.

Bundesverdienstkreuz an mögliche Mittäter?

In der Montagnacht wurde al-Bakr von drei Landsleuten, bei denen er mutmaßlich übernachten wollte, überwältigt und gefesselt. Danach verständigten die drei Männer die Leipziger Polizei. Aus SPD- und CDU Kreisen wurde von einigen Politikern gefordert, den jungen Männern das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs (SPD) argumentierte gegenüber der Bildzeitung: »Was sie getan haben, zeugt von tiefem Respekt gegenüber ihren deutschen Gastgebern. Mehr Ankommen, mehr Integration ist kaum vorstellbar. Das ist vorbildlich.« CDU-Außenpolitiker Jürgen Klimke wolle sich persönlich für die Verleihung einsetzen und erklärte sein Engagement mit den Worten: Eine solche Ehrung sei ein »starkes Signal in beide Richtungen – in die deutsche Bevölkerung und gegenüber anderen Flüchtlingen: Anerkennung, Dank und ‚Mut lohnt sich«.

Der terrorverdächtige al-Bakr soll indes bei der polizeilichen Vernehmung ausgesagt haben, dass seine vermeintlichen drei Häscher »in der Geschichte mit drin stecken« würden. Dies berichtete der MDR. Inwieweit diese Aussage von den Ermittlern als glaubhaft eingestuft werde, ist bislang unklar. Laut dpa-Informationen habe die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, die Berichte nicht bestätigen wollen.

Volker Beck (Grüne) wieder einmal »fassungslos«

Alexander Hübner, Pflichtverteidiger des anerkannten »Flüchtlings« al-Bakr, sprach gegenüber dem MDR von einem »Justizskandal«, da das Suizid-Risiko seines Mandanten bekannt gewesen sei. Er sei »fassungslos«, da er davon ausgegangen sei, dass sein Mandant als einer der bestbewachten Gefangenen in Deutschland gelten konnte.

Ganz ähnlich »fassungslos« reagierte Grünen-Politiker Volker Beck: »Wie konnte das geschehen?«, so Becks Frage auf Twitter. SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs, der sich noch vor Tagen für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die eventuell nun unter Verdacht der Mittäterschaft stehenden Überwältigter von al-Bakr stark machte, schrieb: »Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre.« Der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner zwitscherte ebenfalls »fassungslos« hinterher: »Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?«

Weniger »fassungslos« äußerten sich genannte und andere politisch Verantwortliche zu dem Umstand, dass al-Bakr im vergangenen Jahr von den deutschen Sicherheitsbehörden ohne Treffer überprüft worden ist. Dennoch konnte der mutmaßliche Dschihadist im Herbst 2015 laut MDR Recherchen mehrere Male in die Türkei reisen. Zudem soll er sich einige Zeit in seinem Heimatland Syrien aufgehalten haben. (BS)