Schlaglicht: Kaum ein Tag in der Geschichte hat es klarer gezeigt, dass Deutschland nicht mehr mit einem Ost-West-Problem zu tun hat, sondern mit einem Oben-Unten-Problem. Es ist geteilt: Die oben auf der Bühne. Und der doofe Rest. 

Vorbei mit der Einheit (Bild: metropolico.org)
Vorbei mit der Einheit (Bild: metropolico.org)

Die Generation vor dem Pillenknick hat jahrelang in eine Rentenkasse eingezahlt, aus der sie demnächst kaum was rauskriegt und verarmt. Ihre Sparguthaben sind durch Nierdigzins verdampft. Energie wird immer teurer, weil eine Wende weg von der Kernkraft nicht durchdacht und hauptsächlich von den Verbrauchern bezahlt wird, nicht von der Industrie. Schulbildung, ist, wenn sie nicht ganz ausfällt, Glücks- und Geldsache, wie bezahlbarer Wohnraum. Mietpreisbremsen greifen nicht, die kalte Progression macht den Mittelstand immer ärmer, obwohl Monopolisten wie IKEA, Amazon und Co unsere Märkte abräumen und kaum Steuern zahlen.

Uraltes Erbrecht, undefinierte Flüchtlingswellen, Griechenkrise, Deutsche-Bank-Rettung und ein sich immer weiter aufblähender Bundestag, den Norbert Lammert erfolglos auf 630 Abgeordnete deckeln will- all diese Endlosbaustellen a la BER sind auf das Versagen zweier großer Volksparteien zurückzuführen: SPD und Union. Und dafür soll man ihre Vertreter feiern? „Mob“ nennen die Linkspopulisten von Spiegelonline jene Menschen in Dresden, die darauf aufmerksam machen. „Pack“ nannte sie der dicke Sigmar Gabriel, der gerade mit seinem Ja  zum Handelabkommen CETA seinen alten Parteigängern das letzte bisschen Ehrfurcht von Herbert Wehners und Willy Brandts SPD nahm. 2600 Sicherheitskräfte schützten Kanzlerin Angela Merkel, die mit schiefen Leffzen neben ihrem Pfarrer und Bundespräsidenten  Joachim Gauck den Pfeifkonzerten des zentralen Festaktes zu Dresden lauschte. Einem „Schwarm gereitzer Hetzer“ ausgesetzt – der völkische Beobachter hätte es nicht eleganter formuliert – so phrasiologisiert es Spiegelonline. Weitere Kommentare erübrigen sich hier.

Und während sich AfD-Frauke Petry und Cheflinke Sarah Wagenknecht im TV über Euroaustritt und Bankenversagen nahezu einig sind,  wünscht ein Polizist den Pegida-Demonstranten einen erfolgreichen Tag. Er wird sofort aus dem Dienst entfernt  und die Aussage „einer Prüfung unterzogen.“ Es ist wieder Meinungspolizei in Deutschland unterwegs. Soll man das heute feiern?

Im Zeitalter der Spaltung der Gesellschaft, in dem immer weniger immer mehr besitzen und immer mehr immer weniger, schlägt die Stunde der Linkspopulisten. Es darf einfach nicht sein, was nicht sein soll. So war es immer in Deutschland, kurz bevor sich etwas Markantes änderte. In Zeiten, in denen sich angeblich unabhängige, private Medien mit staatlichen in „Redaktionsnetzwerken“ gemein machen und ihre letzten Leser verlieren, ist es Mutti Merkels Gesicht anzusehen, dass sie den Stimmungswechsel begriffen hat. Sie fürchtet ihn.

Bleibt zu wünschen, dass sie aus Angst um ihre Macht nicht auch wie ein berühmter Vorgänger das Volk bei ihrem nächsten Schachzug vergisst. Eier wurden noch keine geworfen. Immerhin. Was würde die linkspopulistische Presse dann wohl schreiben? „Hetzer, Pöbel, Pack, Nazis, Eierwerfer, Defätisten, Volksschädlinge?“ Macht die Augen auf am Tag der Deutschen Zweiheit. Vielleicht hilft ein wenig Realität. Auch wenn gepfiffen und ausgebuht wird. So ist das eben mit dem Volk, das man verarscht. Es ist geteilt: Die oben auf der Bühne. Und der doofe Rest.