Die Wahlkampagne Donald Trumps für die US-Präsidentenwahl im November 2016 wird von Tag zu Tag potentiell immer erfolgreicher bewertet. Dies zumeist in den europäischen Gazetten, jedoch auch in den US-amerikanischen Magazinen und TV-Sendungen. Die deutschen Medien sind da deutlich – vorurteilsbeladen? – skeptischer. Ein Kommentar von Martin Renner (AfD), Gründungsmitglied und im Gründungsvorstand, sowie Sprecher der Alternative für Deutschland NRW.

Trump (Bild. metropolico.org)
Trump – ein Epochenwechsler?  (Bild. metropolico.org)

Auch ich habe in meinen Vorträgen vor AfD-Mitgliedern und AfD-Interessierten schon das eine oder andere Mal das Trump-Team als die „AfD“ Amerikas bezeichnet. Nun ja, natürlich, die meisten Vergleiche hinken und dieser Vergleich hinkt vielleicht sogar mit beiden Beinen. Dennoch bringe ich diesen Vergleich immer wieder. Weil auch Vieles dafür spricht.

Sicherlich ist dieser Donald Trump ein merkwürdiger Geselle, mit befremdlichen Verhaltensmustern, die manch einer als ein zu kauziges Benehmen abzulehnen beliebt. Ich bin also weit weg von irgendeiner Heldenverehrung dieses „Donalds“.

Wiewohl meine persönlich letzte Heldenkür schon an die 50 Jahre zurückliegt und meinem damaligen italienischen katholischen Vikar, einem Jesuiten, galt, mit dem ich – als Ministrant – drei Jahre annähernd jeden Tag mehrere Stunden zusammen verbrachte und wir die Krankenkommunion austeilten, die „Sterbesakramente“ spendeten und Beerdigungen absolvierten. Er brachte mir die eristische und jesuitische Dialektik bei und übte diese mit mir ein, die mir seither sehr nützlich geworden ist. Doch ich schweife ab – auch deshalb, weil dieser, mir liebe Mensch, heute Geburtstag hätte, wenn er noch leben würde.

Zurück zu Donald Trump, dem „AfD-Pendant“ in den USA. Wenn Trump siegt, könnte dieser Sieg das Herankommen an eine veritable Epochenschwelle und vielleicht sogar der Beginn eines Epochenwechsels des global Politischen sein. Trump verkörpert im gleichen Maße das „Antithetische“ im politischen Raum und im gesellschaftlichen System, wie das die AfD hier in Deutschland – in bester Absicht und in idealistischer Weise – zu leben und zu organisieren versucht. Auch Trump thematisiert die immensen Verwüstungen des Gesellschaftlichen. Er moniert die politische Entmächtigung der werteschaffenden Milieus und prangert die stetige Transformation des souveränen Bürgers zum Systemsklaven des – sich selbst erhobenen Politadels, der mit der internationalen Finanzindustrie und den Großkonzernen in reiner Beutegier, die neue „Quasi-Feudalistenkaste“ bildet.

Auch in den USA fürchtet sich die Mittelstandsgesellschaft – vulgo Bürgerschicht – am unteren Ende vor einem kaum aufzuhaltenden Absturz in die Prekariatsliga, der selbst dann oft nicht aufzuhalten ist, auch wenn ein Zweit- und manchmal sogar ein Drittjob abgeschuftet werden muss. Der Sprung, der Aufstieg in die „Oberste Liga“, gelingt auch den sich redlich Bemühenden zunehmend seltener. Zu hoch sind die aufgerichteten Barrieren der „schon Etablierten und des sich die neue Konkurrenz vom Leibe halten wollenden alten Establishments“.

Trump kämpft den gleichen Kampf, wie wir hier als AfD. Gegen die Verseuchungen der „politisch korrekten“ Diskursraumverengung in allen Sparten des gesellschaftlichen Lebens, in den Schulen und Hochschulen, in den Medien, in den Großunternehmen, in den Kirchen, in den öffentlichen Einrichtungen. Auch in den USA herrscht das Diktat des Belanglosen, der Primat der Moralisierung, nein, der Hypermoralisierung des Politischen, die schon Oswald Spengler als eine Degenerationserscheinung der zukunftsermüdeten und zukunftvergessenen Gesellschaften diagnostizierte.

Er kämpft den gleichen Kampf gegen die Marginalisierung des Hochpolitischen bei gleichzeitiger Priorisierung des politisch Marginalen. Wie zum Beispiel das „Hochjazzen“ von Minderheiteninteressen, die der Mehrheit – ganz ohne gesellschaftliche Debatte – einfach aufgezwungen werden sollen. Auch in den USA spielen Bürgerrechtsvereinigungen, die vornehmlich extrem linksideologisiert sind eine erhebliche Rolle. Man nehme als Beispiel den aus Chicago stammenden Saul D. Alinsky und sein neo-marxistisches, neo-kommunistisches Hauptwerk „Rules for Radicals“ einfach zur Kenntnis, das praktisch die Blaupause für das Agieren der linksterroristischen Antifa-Gruppen hier in Deutschland darstellt.Trump ist dabei, wieder die Rationalität der politischen Entscheidungen zu hinterfragen, nein, an den Anfang der politischen Konzeptionsentwicklung zu setzen und damit als „ultima ratio“ zu fordern. Natürlich spielen für ihn auch und vornehmlich amerikanische Interessen die größte Rolle. Doch das sei ihm zugestanden; das ist doch der „einzige und eigentliche Daseinsgrund“ nationaler politischer Führung – und man wünschte sich, dass dieses genauso für die deutsche Politik endlich gelten sollte.

Aber darauf müssen wir noch solange warten, bis die AfD genügend parlamentarische Kraft und Energie und Konzeptionsvermögen entwickelt hat, um auch für Deutschland eben diese nationalen Interessen zu definieren. Und diese formulierten deutschen Interessen dann in den bisher ausschließlich anglo-amerikanisch dominierten Globalisierungsprozess einzustreuen und diese Internationalisierung dann auch mit deutschen Systemelementen – wie zum Beispiel einer erneuerten Form der sozialen Marktwirtschaft – anzureichern und aufzuwerten.

Vom derzeitigen linksideologisierten deutschen „Altparteienkartell“ wurden und werden solche Definitionen, was deutsche Interessen seien und wie diese dann auch international durchgesetzt werden könnten, niemals zu erwarten sein.

Mir kommt es so vor, als wären wir Deutschen eine Person, die körperlich voll entwickelt und kräftig, jedoch mit dem Geist und dem Verstand eines gerade dem Kindergarten entwachsenen Erstklässlers ausgestattet, der sich nunmehr und nur tastend auch und gerade an der Hand seiner amerikanischen Nanny in die „feindliche und bedrohliche“ Umwelt getraut. Und genau hier wird Trump diese – tradierte und auch sicherlich usurpierte – Nannyrolle der amerikanischen Politik für die deutsche und die europäischen Nationen nachhaltig in Zweifel ziehen, so wie er es in seinen Reden schon mehrfach proklamiert hat.

Könnte ein Sieg Trumps nicht etwas Ähnliches auslösen, wie seinerzeit Gorbatschows Glasnost- und Perestroika-Konzept?

Ich meine ja.

Könnte ein Triumph Trumps etwas Ähnliches in Bewegung setzen, wie den „Frühling der Völker“ im Jahre 1989, der uns die Wiedervereinigung bescherte und die osteuropäischen Satelliten endgültig aus der Abhängigkeit und der Vorherrschaft der ehemaligen UdSSR befreite? Und das Ende des „Kalten Krieges“ und damit den Schlußpunkt der Kraft- und Finanzressourcen raubenden Ost-West-Auseinandersetzung bedeutete.

Auch hier, ich meine ja.

Könnte der Präsidentschaftsgewinner Trump den ursprünglichen „islamischen/arabischen Frühling“, der in Wirklichkeit ganz schnell ein „islamischer/arabischer Winter“ wurde – in dem schon so viele Hunderttausende Menschen erbärmlich erfroren sind – klimatisch so beeinflussen, dass der offensive und agressive und weltweit so viele nationale Gesellschaften bedrohende Islam als eine der wichtigsten geo-politischen und geo-strategischen Herausforderungen und als die eklatante Gefahr für die humanitär und wirtschaftlich hochentwickelten „Erste-Welt-Gesellschaften“ erkannt wird?

Ich meine ja.

Wenn Trump siegt, dann fällt – erwartbar – die Bundeskanzlerin Merkel. Und das „links-grün-schwarz-rot-gelbe Altparteien-Kartell“, vermachtet mit dieser Bundeskanzlerin, wird darob ebenfalls kollektiv ins Trudeln geraten. Da viele Gewissheiten, Überzeugungen und Indoktrinationen, auch in Deutschland, nicht mehr zu halten sein werden und die so vor- und fürsorglich eingerichteten „Schutzräume“ für die Systemlinge immer enger und ungemütlicher werden.

Epochenwende.

So ist das, wenn aus Unwahrheit dann wieder die Wahrheit wird. Und wenn aus dem Unrecht dann wieder das Recht wird.