Ab dem neuen Schuljahr findet an Gymnasien in Luxemburg kein Religionsunterricht mehr statt.  Mit der Abschaffung des Religionsunterrichts wird die Trennung von Kirche und Staat weiter vorangetrieben.

Schüler
Aus für den luxemburgischen Religionsunterricht (Bild: metropolico.org)

An den luxemburgischen Gymnasien wird es im neuen Schuljahr keinen Religionsunterricht mehr geben. Das Fach wurde für die rund 40.000 Schüler der Sekundarstufe durch die Fächer Leben und Gesellschaft ersetzt.

Die Ankündigung der Schulreform hatte vor zwei Jahren für Kontroversen gesorgt. Die Bürgerinitiative »Fir de Choix« (Für die Wahl) hatte eine Bevormundung durch den Staat befürchtet und trat für eine Wahlmöglichkeit zwischen Religions- oder Werteunterricht ein. Trotz Widerstand hielt Bildungsminister Claude Meisch (DP – Demokratische Partei) an den Plänen der luxemburgischen Regierungskoalition von Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen unter Ministerpräsident Xavier Bettel (DP) fest. Die Einführung des neuen Werteunterrichtes an Gymnasien sei ein »Meilenstein in der Geschichte von Luxemburgs Schulsystem«, so Bildungsminister Meisch laut lessentiel.lu.

Gegenwehr zwecklos

Der Luxemburgische Erzbischof Jean-Claude Hollerich bezeichnete die Reform als »Missachtung der Demokratie«. Islamwissenschaftler Michael Kiefer monierte gegenüber der Zeit, dass die Präventionsstrategie gegen Islamismus in der Schule stattfinden müsse. Im Religionsunterricht würden die Schüler einen »vernunftbasierten Umgang mit dem Koran erlernen, eine hinterfragende Auseinandersetzung mit den Glaubensinhalten, die auf Mündigkeit zielt«. Die sein eine hervorragende Immunisierung gegen Radikalität, so die Einschätzung des Islamwissenschaftlers.

Der nun eingeschlagene Kurs soll fortgesetzt und ab 2017/2018 auf Grundschulen ausgedehnt werden. Dieser ist an allen öffentlichen Schulen und in den staatlich anerkannten Privatschulen verpflichtend, so eine Sprecherin des luxemburgischen Bildungsministerium gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Private Schulen dürfen einen Religionsunterricht als Wahlfach anbieten, solange dieser zusätzlich und nicht als Ersatz für den Werteunterricht angeboten werde.  (BS)