Der Bundessprecher der AfD hat Kante gegen glasklaren Antisemitismus gezeigt. Die von Frauke Petry und Marcus Pretzell abgeschossen Querschüsse zeigen: Die Häutung der Partei von ihrem Spitzenpersonal ist nach Abwahl von Bernd Lucke noch nicht beendet. Petry könnte ihm folgen. Ein Kommentar von Christian Jung.

Jörg Meuthen (Bild: metropolico.org)
Jörg Meuthen (Bild: metropolico.org)

Schon vor der ersten Abstimmung liefen die Telefone der AfD-Abgeordneten in Stuttgart heiß. Während die einen Anrufer den Antisemiten Gedeon loswerden wollten, hatten es die anderen auf Jörg Meuthen abgesehen. Es ging schon lange nicht mehr um Antisemitismus.

Das Spiel ist durchsichtig. Nur für die Feststellung, Gedeon ist ein Antisemit, ist ein Gutachter noch überflüssiger: Petry hat versucht, Meuthen zu schwächen. Der hat nun heute endgültig mit zwölf anderen die Fraktion verlassen.

Es ist in jeder Partei normal, in harter Konkurrenz zu einander zu stehen. Aber der – wohl vergebliche Versuch – Meuthen anzuzählen, verrät über Petry und ihrem untrennbaren Kompagnon Marcus Pretzell mehr als über ihr anvisiertes Opfer. Denn das tatsächliche Opfer, die AfD, riskieren beide mit Freude, wenn es denn ihren eigenen parteiinternen Interessen zu nutzen scheint. Eine Stärkung und Unterstützung, wie sie Meuthen erwarten durfte, hat es seitens Petry und Pretzell nicht gegeben.

Dies ist angesichts des Gewichts des Themas schon verwerflich. Es ging hier nicht um eine Dorfumfahrung, oder den Mehrwertsteuersatz. Es ging und geht um Antisemitismus. Da verbietet es sich, wie zwei wildgewordene Pistoleros auf Drogen wild um sich schießend einen Konkurrenten aus dem Hinterhalt niederstrecken zu wollen.

Das Bonny und Clyde Pärchen der AfD sollte daran denken, wie den beiden Originalen das Handwerk gelegt wurde. Sie kamen durch das um, was sie selbst zuvor so freizügig versprüht hatten: Kugeln aus dem Hinterhalt. Auch um die beiden war es am Ende sehr einsam geworden.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde behauptet, Marcus Pretzell hätte in Telefonaten mit AfD-Abgeordneten gegen den Ausschluss Gedeons gearbeitet. Diese Behauptung ist nicht richtig.