Am Donnerstag sprach der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vor dem EU-Parlament und erhielt für antisemitische Aussagen Applaus und Zuspruch von EU-Abgeordneten, die daran ganz offensichtlich Gefallen fanden. Deutsche Medien berichten konsequent nicht über die judenfeindliche Hetze.

Martin Schulz (SPD) zwitscher seinen Dank für Abbas antisemitische Hetze (Bild: Screenshot Twitter)
EU-Präsident Martin Schulz (SPD) zwitschert seinen Dank für Abbas antisemitische Hetze (Bild: Screenshot Twitter)

Es sei Zeit für sein Volk, in Freiheit und ohne Mauern und Sicherheitskontrollen zu leben. Das sagte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas , in seiner Rede am Donnerstag im EU-Parlament. Laut Pressemitteilung der Einrichtung übermittelte er den Abgeordneten den Dank seines Volkes für die Anerkennung eines Staates Palästina.

»Israelische Rabbis wollen palästinensische Brunnen vergiften«

»Israel hat unser Land in ein offenes Gefängnis verwandelt«, führte Abbas aus. Zwar verurteile er die Anwendung von Gewalt und Terroranschlägen als politisches Mittel. Der Terrorismus in der Region könne jedoch nur verbannt werden, wenn Israel die »Besetzung« der palästinensischen Gebiete aufgebe: »Dann hört der Terrorismus nicht nur im Nahen Osten, sondern auch überall auf der Welt auf. «

Abbas bezichtigte außerdem israelische Rabbis, palästinensische Brunnen zu vergiften zu wollen. »Was ist das denn, wenn nicht eine Gewaltverherrlichung und ein Aufruf zu Verbrechen und einem Genozid? «, fragte er die Parlamentarier. Der Leiter der Anti-Diffamierungs-Liga, Jonathan Greenblatt, verurteilte Abbas deswegen scharf: »Seine Anschuldigungen erinnern an jahrhundertealte antisemitische Stereotype. « Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters stritt Abbas‘ Büro ab, diese Aussage getätigt zu haben; jedoch ist auf der Webseite des EU-Parlaments diese Aussage jedoch nachzuhören.

Applaus und Dank aus dem EU-Parlament für antisemitische Hetze

Wer nun glaubt, derart widerwärtige antisemitische Lügen würden in den politischen Kreisen im Europa des Jahres 2016 auf starken Gegenwind stoßen, wurde gestern eines Besseren belehrt. Kein EU-Parlamentarier widersprach Abbas, niemand verließ unter Protest den Raum. Ganz im Gegenteil: Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), bedankte sich via Twitter für die »inspirierende Ansprache.

Schulz hatte 2014 bei seinem Besuch in Israel wahrheitswidrig behauptet, dass den Palästinensern weniger Wasser zur Verfügung stehe als den Israelis und provozierte somit einen Eklat in der Knesset (metropolico berichtete). Zudem bezeichnete Schulz in seiner Rede die israelischen Siedlungen im Westjordanland als »Hindernis für den Frieden«. Die Abgeordneten der Siedlerpartei »Jüdisches Heim« waren von Schulz verbalen Angriffen so erbost, dass sie die letzten Minuten der Ansprache boykottierten und den Saal verließen. Premier Benjamin Netanjahu verweigert Schulz den Applaus.

Der sozialdemokratische, österreichische EU-Abgeordnete Eugen Freund widmete der Ansprache eine Serie von Tweets, die mit der Meldung endete: »Applaus für Abbas´Frage: Ist es nicht höchste Zeit, die Besatzung Palästinas durch Israel endlich zu beenden? « Freund erwähnte jedoch geflissentlich nicht die judenfeindlichen Angriffe durch Abbas. Das dieser den Applaus als Zustimmung für seine antisemitischen Anfeindungen verstanden haben muss, war für den EU-Mann offensichtlich unerheblich.

Beharrliches Schweigen der deutschen Mainstream-Medien

International Medien berichteten durchaus über die Hetze von Abbas. So sprach die New York Times von »substanzlosen Behauptungen« sowie vom »Echo der antisemitischen Behauptungen, die im Mittelalter zum Massenmord an Juden geführt haben».

Im deutschen Mainstream indes wurde über den offenen Antisemitismus von Abbas geschwiegen. (BS)