Die »Gemeinsame Wirtschaftsdelegation« für den Iran der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zeigen ein besonderes Lehrstück zum Thema »Unterwürfigkeit«. Die Damen der Delegation werden den iranischen Gastgebern in der zweisprachigen Broschüre züchtig in Kopftuch oder mit dem islamkonformen Tschador gewandet präsentiert. Ein weiterer Grund zum Fremdschämen, wenn die norddeutsche Wirtschaft durch solche »AppeaserInnen« repräsentiert wird.

(Bild: Screenshot Delegationsreise Sachsen)
(Bild: Screenshot Delegationsreise Sachsen)

Als vorauseilenden Gehorsam wird die freiwillige Vorwegnahme vermuteten erwünschten Verhaltens im Rahmen gruppendynamischer Prozesse bezeichnet. Berufene benennen als Ursache für diese Form des Gehorsams – manche nennen dieses Verhalten auch »Unterwürfigkeit« – diffuse Ängste oder mangelndes Selbstwertgefühl.

Claudia Roth – eine »würdige» Vertreterin 

Diese Grenz- wie Maßlosigkeit der Anpassung konnte Anfang 2015 bei der deutschen Vizepräsidentin des Bundestages, der Grünen-Politikerin Claudia Roth ein weiteres Mal beobachtet werden, als diese zusammen mit einer Delegation des Bundestages, darunter ebenfalls vertreten Dagmar Wöhrl (CDU) und  und Stefan Rebmann (SPD),  zu einem offiziellen Besuch im Iran weilte.

Die Damen der steuerfinanzierten Reisegruppe trugen artig und wie den entrechteten Frauen der islamischen Republik Iran vorgeschrieben ein Kopftuch. Das beschämende an der peinlichen Veranstaltung: Sie taten dies ohne Zwang, da diese islamische Entwertung für westliche Politikerinnen nicht vorgeschrieben ist. Sie taten dies wohl aus »Vorauseilenden Gehorsam« und im Falle von Claudia Roth aus besonderer Sympathie für die Politideologie namens Islam.

Züchtig und islamkonform mit Kopftuch und Tschador

Ein nicht minder großartiges Lehrstück zum Thema Unterwürfigkeit kann man in einer Broschüre der »Gemeinsamen Wirtschaftsdelegation« für den Iran der Bundsländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt bewundern. Dort wird die überwältigenden Mehrheit der weiblichen Delegationsmitglieder in einer von den jeweiligen Landesministern angeführten Wirtschaftsdelegation vor ihrer Reise in den Iran den islamischen Gastgebern in einer Broschüre präsentiert:  züchtig und islamkonform mit Kopftuch.

Solch devotes Verhalten wurde immer wieder von mutigen, durch den Islam geknechteten Frauen, so auch aus dem Iran, scharf kritisiert. Besonders vehement und aktuell dann, wenn Politikerinnen ohne Not lächelnd neben Tschador-verhüllten Frauen posierten, wie Claudia Roth und Dagmar Wöhrl. Für diese westlichen Politikerinnen ein einmaliger Ausflug – für die Iranerinnen eine Frage auf Leben und Tod.

In Grund und Boden schämen

70 Peitschenhiebe und 60 Tage Gefängnis. Das ist im Iran die Strafe für Frauen, die ohne Schleier vor die Türe gehen. Das einst so hochstehende Kulturvolk der Iraner wurde durch den Islam zu einer rückständigen Gesellschaft, das sich auf Verbote aus dem siebten Jahrhundert beruft und seine Frauen knechtet und entrechtet. 2014 wollten sich viele junge Iranerinnen diese Entrechtung nicht mehr gefallen lassen. So hoben sie zu Hunderten ihren muslimischen Schleier und posteten Fotos unter der Aktion »Heimliche Freiheit« auf Facebook (metropolico berichtete). An »Fatima« Roth stellten empörte Iranerin die Frage, weshalb sie sich der Zwangsverschleierung kritiklos und freiwillig unterwirft.

Den Damen der reiselustigen »Gemeinsamen Wirtschaftsdelegation« sind ganz offensichtlich die Signale, die Sie durch ihren »vorauseilendem Gehorsam« senden, nicht bewusst. Vielleicht aber ist es ihnen auch schlicht egal. In beiden Fällen ein Grund sich zu schämen, dass die norddeutsche Wirtschaft durch solche »AppeaserInnen« repräsentiert wird. (BS)

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(Bild: Screenshot Delegationsreise Sachsen)

Aktualisierung (08.06.2016): Der Sächsischen Landtags nimmt zur Broschüre wie folgt Stellung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

da es im Nachgang zur gemeinsamen Delegationsreise von Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt in den Iran offensichtlich zu Irritationen um die Delegationsbroschüre der Außenhandelskammer Iran (AHK) kam, stellen wir fest:

Zwischen dem 28. Mai und dem 2. Juni 2016 befand sich eine Wirtschaftsdelegation der drei vorgenannten Bundesländer zu einer Markterkundungsreise im Iran, mit Stationen in Teheran und Isfahan. Die Reise wurde vor Ort durch die AHK und die Deutsche Botschaft organisiert und betreut. Für die Treffen mit iranischen Unternehmen (Kooperationsbörsen) wurde durch die AHK eine Delegationsbroschüre erstellt, die zur Erleichterung des Dialogs die Namen, Positionen und Fotos aller Delegationsteilnehmerinnen und -teilnehmer enthält.

Einige Teilnehmerinnen tragen auf den abgebildeten Fotos ein Kopftuch. Diese Teilnehmerinnen verwendeten für die Broschüre Fotos, die ebenso für die Beantragung ihrer Visa bei der iranischen Botschaft verwendet wurden. Im Iran ist das Unterlassen des Kopftuchtragens für alle Frauen und Mädchen, auch Ausländerinnen, in der Öffentlichkeit strafrechtlich untersagt.
Die AHK beabsichtigte in ihrer Broschüre generell die für Visaerteilung angefertigten Fotografien mit Kopftuch zu verwenden. Durch eine technische Panne der AHK in Teheran kam es bei einigen Teilnehmerinnen zu einer Verwendung alter Passbilder.

Hinweis:

Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr ist sich des hohen Stellenwerts der Presse- und Meinungsfreiheit bewusst. Die Verfassung schützt die kritische Meinungsäußerung, insbesondere auch der Medien, unabhängig von der Berechtigung der Kritik.

Andererseits sind die Medien verpflichtet, bei ihrer Berichterstattung das Persönlichkeitsrecht zu respektieren. Bei einer -ggf. auszugsweisen- Veröffentlichung der Broschüre sind die Gesichtszüge der Mitarbeiterinnen des Ministeriums unkenntlich zu machen.

Hintergrund:

Strafrechtliche Vorschriften im Iran:
Das Kopftuchtragen ist für Frauen und Mädchen im Iran strafrechtlich vorgeschrieben in der Öffentlichkeit. Dies wussten alle mitreisenden Frauen der Delegation und haben sich an diese Vorschrift selbstverständlich gehalten.