Schlaglicht: Das Wort Rechtspopulist wird in den letzten Monaten eifrig überstrapaziert in den Medien, besonders in den staatlichen. Linkspopulisten dagegen scheint es keine zu geben.

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Im Zweifel rechts ( Bild: metropolico.org)

Sagt ein älterer Herr aus einer behüteten Gegend in Potsdam, in der auch Springer-Chef Matthias Döpfner gelegentlich mit Maschendrahtzäunen für Sicherheit sorgen will, dass er »keinen Jerome Boateng als Nachbarn« haben will, so ist das rassistisch, herabwürdigend und natürlich auch wieder einmal rechtspopulistisch. Dabei hat der alte Mann gar nicht gesagt, warum er das nicht will. Egal. Bis hinauf zum Justizminister wird Gift und Galle über den Mann gegossen und getwittert. Es wird hineininterpretiert und heraus gelesen, was nur gerade so geht. Ein jeder fühlt sich berufen, auf dem alten Mann herumzutreten. Das ist gerade »in« und hat offensichtlich mit Populismus nichts zu tun.

Vielleicht ist der ältere Herr einfach nur kein FC-Bayern Fan? Soll es in Potsdam ja geben. Aber egal. Populistischer als die Reaktionen auf die paar Worte des – ganz nebenbei – Vize-Bundesvorsitzenden der AfD, Dr. Alexander Gauland, geht es kaum.

Was aber ist eigentlich mit den Linkspopulisten? Wenn man zur selben Zeit nach Magdeburg zur Konkurrenzpartei  »Die Linke« guckt, kann man sich wundern. Hier auf dem Bundesparteitag wird die nicht unattraktive Fraktionschefin Sahra Wagenknecht mit einer braunen Cremetorte beworfen und natürlich sofort gegen neugierige Blicke mit Jacken und Decken beschützt. Der Täter von irgendeiner Antifaschistischen Initiative wollte die Dame für ihre ausländerfeindlichen Äußerungen strafen. Sie sprach von Kapazitätsgrenzen bei der Aufnahmebereitschaft. Das reichte dem Aktivisten schon für ne Torte.

Unabhängig davon, dass der gesamte Parteitag eine einzige Floskulatur von selbsternannten Antifaschisten, Feinden des Neoliberalismus und teils sehr gut bezahlten Antikapitalisten war, die sich natürlich auch gegen Rechtspopulismus formierten, erklärten die Spitzen den Tortenwurf auf Sahra nicht zu linken Intoleranztat. Nicht links, nicht antifaschistisch, auch nicht linkspopulistisch sein dieser. Wobei gerade dieser Akt des Populismus ungemein viel mediale Aufmerksamkeit auf den ansonsten drögen Parteitag zauberte. Linke Intoleranz am linken Rand ist nach linkem Dafürhalten asozial. Aha! So verkünden es Populisten der Linken per Dekret.

Was aber passiert, wenn man jetzt offen sagt, dass man neben einem solchen Tortenwerfer nicht wohnen will? Welcher Art Populist ist man denn dann nach moderner Diktion?

Vermutlich Rechtspopulist, denn die anderen gibt`s ja amtlich gar nicht.