Die Nerven in der Union liegen blank. Nun fordert der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz gar ein Vorgehen der CSU Spitze gegen den »Konservativen Aufbruch!« (KA), der Basisbewegung der Bayerischen Union. Grund: Die Basis war gegenüber Angela Merkel zu aufmüpfig. Nach Polenz Einschätzung hat der KA damit »gehetzt«. Die CSU-Parteizentrale will zu dem Vorgang keinen Kommentar abgeben.

Debatte wie sich die Bezahlpolitiker der Union das vorstellen: Die eigene Basis mundtot machen (Bidl: Screenshot Facebook/ Rupprecht Polenz)
Debatte wie sich die Bezahlpolitiker der Union das vorstellen: Die eigene Basis mundtot machen (Bidl: Screenshot Facebook/ Rupprecht Polenz)

»Merkel hat Deutschland und Europa vorsätzlich in ein erpresserisches Abhängigkeitsverhältnis zu einem radikal-islamistischen Despoten geführt. Aus diesem Grund kriecht die deutsche Bundeskanzlerin nunmehr vor Erdogan.« Mit dieser Aussage reagierte der stellvertretende Sprecher des KA, David Bendels, sowohl auf die merkwürdige Grenzsicherungspolitik der Kanzlerin, als auch auf die damit verbundene Migrationspolitik.

In Merkels Gedankenwelt kann Deutschland, kann die EU die eigenen Grenzen nicht sichern. Daher muss dies von der Türkei besorgt werden. Dazu gab es seitens der Türkei viele Forderungen, wobei sechs Milliarden Euro und Visafreiheit für alle Türken nur einen Teil darstellen. Das Abkommen wurde dennoch geschlossen.

CSU soll die eigene Basis disziplinieren

Seither, so Bendels Einschätzung, kann Deutschland nicht mehr frei agieren. Die klare Sicht auf die Dinge und die nicht weniger klare Sprache des KA wollte nun der CDU Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz, ein glühender Fürsprecher für die Türkei in der deutschen Politik, nicht länger hinnehmen. Polenz entschloss sich daher, die CSU-Spitze zur Disziplinierung der eigenen Basis aufzufordern.

»Wie lange wollen Seehofer und Scheuer eigentlich noch zulassen, dass der `Konservative Aufbruch. CSU-Basisbewegung für Werte und Freiheit` im Stil von AfD und Pegida – und als CSU-Gruppierung (!!) – gegen die Bundeskanzlerin hetzt? Es ist überfällig, dass die CSU-Parteiführung etwas dagegen unternimmt«, stellt Polenz via Facebook fest, ohne überhaupt nur ein Fragezeichen zu setzen.

Ins Schwarze oder doch ins Grüne getroffen?

Gegenüber metropolico erklärte Polenz auf Nachfrage nicht, welche Maßnahmen der CSU-Spitze gegen den KA er sich denn vorstellt. Die Parteizentrale der CSU war da deutlich auskunftsfreudiger, wenn auch nicht in der Sache. »Ich kann Ihnen dazu mitteilen, dass wir zu dieser Wortmeldung keinen Kommentar abgeben«, teilte Pressesprecher Jürgen Fischer metropolico mit.

Bendels zeigt sich, ebenfalls via Facebook, indes von Polenz Wortmeldung und seiner geforderten Strafaktion bestärkt: »Wenn der links-grüne ehemalige CDU-Generalsekretär und Erdogan-Apologet Ruprecht Polenz derart dünnhäutig und debil auf meine Kritik an Bundeskanzlerin Merkel reagiert, dann habe ich mit meinem Klartext wohl voll ins Schwarze (oder in diesem Fall eben ins Grüne getroffen!) «. Der von Bendels hinterher geschobene Smiley wird es für Polenz wohl kaum besser gemacht haben. (CJ)