Wenn man sich fragt, weshalb der Ton der Etablierten im aktuellen Wahlkampf stetig schriller, unfaierer und aggressiver dem politischen Gegner – sprich der AfD-  entgegenschallt, dürfte eine Antwort lauten: Fast 30 Prozent der Berufspolitiker von CDU und SPD werden ihren Job verlieren.

Viele Berufspolitiker müssen sich demnächst einen anderen Treffpunkt suchen (Bild: Jörg Kantel; Hartz-IV-Treff; Rechte: CC BY NC ND 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)
Viele Berufspolitiker müssen sich demnächst einen anderen Treffpunkt suchen (Bild: Jörg Kantel; Hartz-IV-Treff; Rechte: CC BY NC ND 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

In Anbetracht der Tatsache, dass viele unserer Berufspolitiker auf keine abgeschlossene Berufsausbildung zurückgreifen können, wird der zunehmend hysterische und aggressive Wahlkampfstil vieler Volksvertreter verständlicher. Wolfgang Prabel vom Internetblog Die Freie Welt macht die Rechnung auf und zeigt, dass fast 30 Prozent der Politiker aus CDU und SPD nach dem zu erwartenden Wahldesaster ihren Job verlieren werden.

Die Sitzverteilung im Bundestag sieht aktuell wie folgt aus: CDU/CSU 310, SPD 193, Linke 64, Grüne 63 Sitze. Nimmt man die den Durchschnitt der letzten Umfragewerte von Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap imd INSA ergibt sich folgendes Wahlergebnis: CDU/CSU 34,9 Prozent, SPD 23,8 Prozent, Linke 9,6 Prozent, Grüne 10,1 Prozent, FDP 5,6 Prozent, AfD 11,0 Prozent.

Daraus würde sich laut Prable ohne Überhangmandate folgende Sitzverteilung ergeben: Die CDU/CSU 220 (-90), SPD 150 (-43), Linke 60 (-4), Grüne 64 (+1), FDP 35 (+35), AfD 69 (+69).

Kahlschlag bei CDU und SPD

Besonders im baden-württembergischen Landtag könnte es zu einem Kahlschlag bei der CDU und SPD kommen. Nach der letzten Umfrage gäbe es ohne Überhangmandate folgende Veränderung bei den Sitzen:  CDU 38 (-22), SPD 18 (-17), Grüne 38 (+2), FDP 10 (+3), AfD 16 (+16).

In Rheinland –Pfalz fallen nicht ganz so viele, bislang als sicher geglaubte Erwerbsquellen für CDU und SPDler weg. Massiv treffen wird es die meist minderqualifizierten grünen Abgeordneten: CDU 35 (-6), SPD 33 (-9), Grüne 9 (-9), FDP 7 (+7), AfD 10 (+10).

Die Politiker in Sachsen-Anhalt mit erhofftem Rund-um-Sorglospaket müssten sich mit folgendem Ergebnis arrangieren (ohne Überhangmandate): CDU 32 (-10), SPD 16 (-10), Grüne 5 (-2), Linke 21 (-7), AfD 17 (+17).

Die Freie Welt vermutet, dass wegen des großen Vorsprungs der CDU im Bund und in Sachsen-Anhalt wieder mit einigen Überhangmandaten gerechnet werden muss, wodurch die Parlamente sich noch einmal vergrößern werden.

30 Prozent der CDUler und SPDler gehen stempeln

Addiert man Gewinne und Verluste der drei Landtagswahlen, so werden bei der CDU 33 Abgeordnete arbeitslos, bei der SPD 34, bei den Grünen 6 und bei den Linken 7. Die FDP gewinnt 10 Abgeordnete hinzu und die AfD 43. Zählt man die Bundestagswahl 2017 hinzu, so verlieren 123 Christdemokraten, 77 Sozialdemokraten, 5 Grüne Genossen und 11 Sozialisten der Linken den Arbeitsplatz. Mit eingerechnet werden müssen für jeden Abgeordneten noch zwei bis drei in Lohn und Brot stehende Gefolgsmänner, die nach verlorenen Wahlen allerdings oft, wie die Freie Welt bemerkt, „die Fahne wegschmeißen und zur neuen Obrigkeit überlaufen“. Die FDP verbessert sich nach den derzeitigen Prognosen um 45 Mandate und die AfD um 112.

Das Mitleid für die betroffenen Politiker dürfte sich bei den meisten Lesern in engen Grenzen bewegen. Dennoch wird der Blick ob der zu erwartenden Arbeitsplatzverluste bei unseren Berufspolitikern dafür geöffnet, weshalb bei manchen von ihnen die Nerven absolut blank liegen. (BS)