Schlaglicht: Wenn in arabischen Ländern einer klaut, heißt das laut Traditionalisten-Verse ihrer Ḥadīṯ-Bücher: Es wird geschnitten und gesäbelt. Zwar sind sich die Gelehrten nicht immer einig, ob Ober- oder Unterarm, obwohl wortwörtlich „Hände“ heißt. Aber irgendwie ist das bei manchen Menschen auch gar nicht so wichtig.

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Tunesiens Ex-Diktator Ben Al (Bild: thierry ehrmann; Ben Ali painted portrait _DDC2663; Rechte: CC BY 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Die Rede ist vom Flüchtling Nr 1 des arabischen Frühlings, dem tunesischen Diktator Zine el-Abidine Ben Ali. Dem gelang es mit 1,5 Tonnen Gold nach Saudi-Arabien zu flüchten. Einer der wenigen, der von den Wahhabiten gerne und mit Kusshand aufgenommen wurde. Warum hat er die eigentlich noch?

Der benachbarte Libyer Muamar al Ghadaffy, ebenfalls berühmt für seine westliche Lebensart, wurde auf einem Panzer öffentlich mit dem Besenstil missbraucht und auf der Straße erschossen. Dank seines Volkes dafür, dass er 1965 Englisch als Amtssprache einführte und den Schleier verbannte. Auch der ehemalige ägyptische Regent sitzt derzeit bei Brot und Wasser in Haft.
Der syrische Despot Assad noch in St. Moritz beim Apres-Ski.

Aber bleiben wir beim Säbeln. Während Hunderttausende aus den arabischen Staaten nach Europa „flüchten“, weil sie die Demokratie zuhause fürchten, residiert Ex-Herrscher Ben Ali samt mit Gattin und Familie in einer Luxussiedlung in der Hafenstadt Dschidda. Eine Art Kirchenasyl für Diktatoren. Einst weilte dort der ehemalige ugandische Diktator Idi Amin 24 Jahre lang unbehelligt. Das war der, der seine Gegner gerne lebend verspeiste. Aber erst zum Nachtisch.

Bei diesen Saudis, lupenreinen Demokraten, Amerikas besten Verbündeten im Nahen Osten, handelt es sich um Steinzeit-Muslime. Ein Land, in dem mehr ausgepeitscht und hingerichtet wird, als in China zur Hochsaison der Drogenrazzien. Gegen andere ihrer Art, die Taliban etwa, erklärte der Westen eine Art Heiligen Krieg, bombardierte Afghanistan, besetzten es, stopfte mit Bundeswehrhilfe 2 Billionen rein, verachthundertfachte den Heroinhandel und wunderte sich, dass nach fast zwei Jahrzehnten eine handvoll Taliben Kundus erobern, Mädchenschulen schließen, Frauen vergewaltigen, Männer köpfen. Alles auf null. Fragt man sich bei soviel gefühlter Ungerechtigkeit und galoppierendem Wahnsinn: Warum müssen wir uns in alles einmischen?

Lassen wir die Diktatoren doch im Ruhestand. Schließen wir die Augen und Grenzen. Und gönnen wirt uns doch auch mal ein wenig von unserem Luxus. Und haben wir ein reines Gewissen. Halten wir unseren Stall sauber. Und nicht immer woanders einmischen. Aber irgendwie lässt das den zappeligen Deutschen keine Ruhe. Erst folgten sie dem Kayser noch vor Weihnachten nach Paris. Na ja, bis zur Somme. Dann dem Gröfaz gegen „bolschewistische Untermenschen“ nach Moskau. Dann den 68gern hinter „Onkel Ho,“ einem besonderen kommunistischen Menschenfreund nach Vietnam, ohne zu wissen, wo das eigentlich liegt. Dann wollten sie in den 80gern fanatisch den Wald retten. Ein Drittel Deutschlands ist heute immer noch bewaldet. Dann folgte Vereinigungseuphorie und Europahausbau. Mrd verschwanden. Und jetzt die Flüchtlingswelle. Jeder will einen haben, einem helfen. Dabeisein ist alles. Welt retten. Deutsche können einfach nicht still sitzen.

Nehmen wir uns doch einfach ein Beispiel an Ben Ali. Denn er ist still. Dem geht es prächtig. Samt Kusshand. Hat Geld, kauft sich seine Freunde. Wie wir. Nur haben wir bald kein Geld mehr. Und dann werden auch die Freunde knapp. Vielleicht werden wir dann auch bald wieder zu Flüchtlingen. Nur wer nimmt uns dann noch?