Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen weisen Redakteure ihre Gesprächspartner in einem Vorgespräch vor der Sendung an, im Zusammenhang mit den Ereignissen in Köln nicht über „Flüchtlinge“ zu reden. Diesen neuen Tiefpunkt in den Öffentlich-Rechtlichen benannte Kriminologe Christian Pfeiffer. Mit Video.

Christian Pfeiffer (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung; Christian Pfeiffer, Rechte: CC BY SA 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)
Christian Pfeiffer (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung; Christian Pfeiffer, Rechte: CC BY SA 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Interviewpartner des öffentlich-rechtlichen Fernsehens seien durch Fernsehredakteure in einem Vorgespräch angewiesen worden, im Zusammenhang mit den Ereignissen in Köln nicht über Flüchtlinge zu reden. So etwas sei an ihn in den letzten Tagen herangetragen worden, sagte der Kriminologe Christian Pfeiffer am Donnerstagabend in der Phoenix-Runde, ein öffentlich-rechtlicher Sender, der in Kooperation von ARD und ZDF betrieben wird. Wörtlich sagte Pfeiffer am 07. Januar in der Sendung (siehe Video am Ende des Artikels am 25:20):

„Die ersten beiden Interviews, die ich im Fernsehen über Köln geben durfte, da fragten mich die Journalisten: Bitte reden Sie nicht über Flüchtlinge! Dann habe ich gesagt: Dann brauche ich gar nicht anfangen, dann ist das Ende des Interviews. Dann haben sie sich besonnen und das wieder aufgelöst. Wo kommen wir hin, wenn wir die Wahrheit nicht mehr benennen, die sich andeutete?“, so der ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Von 2000 bis 2003 war Pfeiffer für die SPD niedersächsischer Justizminister.

Ein Medienskandal mehr im Öffentich-Rechtlichen

Nach der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten, in der zahllose Frauen von arabischen und afrikanischen Männern massiv sexuell belästigt und ausgeraubt wurden, zeigt diese Aussage von Pfeiffer auf, dass die Medien in gewohnter Art und Weise weiter verfahren.

Hier offenbart sich eine Mentalität, die journalistischen Prinzipien widerspricht: Es wird nicht um Sachverhalte gestritten, sondern um politische Deutungshoheit. Auch wenn man dabei zu elementaren Fakten in Widerspruch gerate, so die FAZ. Die Zeitung resümiert weiter, dass augenscheinlich die Situation in Köln hätte verhindert werden können, wenn der Polizeieinsatz in massiver Weise der Sachlage entsprechend durchgeführt worden wäre. Dann jedoch hätte es Bilder aus Köln gegeben, die Polizisten gezeigt hätten, die mit Schlagstöcken vorgehen. Der WDR hätte keine Stunde gebraucht, um darauf in seiner Berichterstattung zu reagieren. Hätte sich aber der Einsatzleiter der Polizei in Köln auf den Rückhalt der Politik verlassen können? Es hätte die Übernahme von Verantwortung bedeutet, verbunden mit dem Risiko eines späteren Rücktritts, so die FAZ.

Der Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde bereits durch die Verantwortlichen als Bauernopfer geliefert um vom eigenen, wiederholten Versagen abzulenken. Vermeidlich waren die Vertuschungsversuche des Systemling politisch nicht ausreichend genug. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) versetzte ihn in den vorzeitigen Ruhestand, gedeckt durch seine Genossin, die NRW-Landeschefin Hannelore Kraft (SPD). Ob Jäger für sein fulminantes eigenes Versagen dieses Mal wird gerade stehen müssen, darf bezweifelt werden (metropolico berichtete).

Nichts Neues

Außer dem entnervten Ausspruch des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, der in der Phönixrunde bemerkte, er könne die „ewigen Warnungen vor Pauschalisierungen nicht mehr hören“, verlief auch dieses öffentlich-rechtliche Geplänkel in den gewohnten, verharmlosenden Bahnen. Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), ebenfalls Diskussionsteilnehmerin, wurde wieder einmal nicht müde, die von Malchow beanstandete Floskel zu wiederholen und anzuregen, das sauer verdiente Geld der Bundesbürger in Integrationsmaßnahmen zu stecken. Welt-Journalistin Hannah Lühmann zeigte sich abschließend erschrocken und entrüstet über die immer wütender werdenden Kommentare, die ihre Redaktion erhalten habe. (BS)