In den USA zeichnet sich eine politische Zeitenwende ab. Der Milliardär Donald Trump verstößt gegen alle Regeln der Politik und hat Erfolg. Dieser beruht auf einer weit verbreiteten Ablehnung der Eliten in Politik und Medien. Trump ist das Scheidungskind der gescheiterten Ehe zwischen der Elite mit der Bevölkerung. Ein Kommentar von Christian Jung.

Trump hat keine Angst vor den Medien, sondern nutzt sie. (Bild: Gage Skidmore, Original Donald Trump, Lizenz: (CC BY-SA 2.0).
Trump hat keine Angst vor den Medien, sondern nutzt sie. (Bild: Gage Skidmore, Original Donald Trump, Lizenz: (CC BY-SA 2.0).

Niemand bekommt so viel Sendezeit in den amerikanischen Anstalten wie Donald Trump. Sein Prinzip ist einfach: Eine provokante Aussage treffen und die Aufregung darum nutzen, gleich noch einen draufzusetzen, was neue Aufmerksamkeit bringt.

Sich den Medien nicht ergeben

Trump entschuldigt sich nicht, Trump gesteht keine Fehler ein, Trump legt einfach nach. Dabei scheint er furchtlos. Insbesondere gegenüber den Medien zeigt er nur wenig Respekt. Einzige Ausnahme: Der Radio-Talker Rush Limbaugh kann Trump zur Ordnung rufen, wenn dieser seinen republikanischen Mitbewerber Ted Cruz unfair angreift. Limbaugh, der in der Woche bis zu 20 Millionen Zuhörer erreicht und eine Ikone der Konservativen ist, findet ansonsten großen Gefallen an Trump.

Keine Show Limbaughs vergeht, ohne dass er seine Freude darüber Ausdruck verleiht, dass mit Trump endlich eine politische Figur gegen die linksdominierten Medien aufbegehrt – und Erfolg hat. Obwohl oder gerade weil Limbaugh konservativ ist, verzweifelt er an der republikanischen Partei, die nach seinem Geschmack zu sehr nach der Pfeife der linken Medien tanzt.

Hat nichts mit dem Islam zu tun

Da ist Limbaugh nicht alleine. Was in Deutschland das Wort Lügenpresse ist, das ist in den USA der Begriff Mainstream Media. Zwar gilt FoxNews vielen als konservativ, doch nach Ansicht vieler zu sehr auf Seiten der republikanischen Parteiführung. Zugleich ist der Sender allein auf weiter Flur.

Für die Anhänger Trumps macht seine Forderung nach einer Aussetzung der muslimischen Zuwanderung mehr Sinn als die Aussage des amerikanischen Außenministers, John Kerry (Demokraten), die Pariser Attentate rund um das Theater Bataclan haben nichts mit dem Islam zu tun. Diese Aussage, getroffen zu einem Zeitpunkt als man in Paris noch nicht das Blut der Opfer von den Straßen gewischt hatte, wie es Mark Steyn ausdrückte, wurde von den meist linken Medien transportiert.

Das Mutterland der „Political Correctness“

Wie in Deutschland wird auch in den USA jeder als Nazi oder „Hater“ (Hasser) bezeichnet, der eine aus dem Ufer gelaufene Zuwanderung oder auch den Islam kritisiert. Viele Amerikaner haben nicht mehr das Gefühl, von den Medien informiert zu werden, sondern den Eindruck, beständig von diesen belehrt zu werden. Und die Politik, so die Wahrnehmung, wirkt dabei mit. Insbesondere Präsident Obama weigert sich, islamischen Terrorismus anzuprangern, was wiederum Trump kritisiert (siehe Video unten) und ihm deshalb auch nutzt.

Trumps Erfolg beruht im Mutterland von „Political Correctness“, der Unterwerfung unter linken Sprachvorgaben, daher auf der Sehnsucht nach einer Figur von außerhalb des bisherigen Politikbetriebes. Der ihm in den derzeitigen Umfragen nachfolgende Ted Cruz, der ebenfalls Präsidentschaftskandidat für die Republikaner werden will, ist zwar bereits Senator der zweiten Kammer des Kongresses, doch in der Parteiführung verhasst.

Es dreht sich etwas

Unter anderem auch deshalb, weil der konservative Cruz die Parteioberen spüren lässt, dass er diese als nicht kämpferisch genug in der Auseinandersetzung mit der Mainstream-Presse empfindet. Dass Cruz seinen eigenen Fraktionsführer zudem der Lüge bezichtigte, macht ihn in der Parteiführung noch mehr zum Außenseiter und bei den Wählern beliebt.

Trump ist indes noch unangefochtener Spitzenreiter unter denjenigen, die sich einen Politikwechsel herbeiwünschen. Der Bauunternehmer hat das Spiel mit den Medien mittlerweile nahezu perfektioniert. In einer Wahlkampfveranstaltung erklärte er, die Medien hätten die Zuschauermengen in einer vorherigen Veranstaltung (in einer Hochburg der Demokraten) unterschlagen, indem sie die Kameras nicht einmal von ihm weggedreht und die Anhängerschaft gezeigt hätten.

Als sich daraufhin die Kameras unter dem Jubel der Menge dann doch drehten, rief Trump von der Bühne herab: „Schaut, nun drehen sie sich!“ Es könnte sein, dass sich nicht nur die Blickwinkel der Medienkameras in nächster Zeit drehen. Sowohl in den USA wie auch in Europa.