Das Simon-Wiesenthal-Center in New York veröffentlichte am Montag die jährliche Listung von judenfeindlichen und antiisraelischen Vorfällen. In der Rubrik „Unehrenhafte Erwähnung“ teilen sich die Stadt München und Jakob Augstein die beschämende „Ehrung“.

Dieter Reiter (SPD), OB der Stadt München, mitverantwortlich für die "Unehrenhafte Erwähnung" (Bild: metropolico.org)
Dieter Reiter (SPD), OB der Stadt München, mitverantwortlich für die „Unehrenhafte Erwähnung“ (Bild: metropolico.org)

Seit 2010 veröffentlicht das Simon-Wiesenthal-Center (SWZ), das seinen Hauptsitz in Los Angeles hat, jedes Jahr seine Top-Ten-Liste antisemitischer und antiisraelischer Ausfälle. Das SWZ listet vor allem Texte auf, durch die „Antisemitismus massenkompatibel“ werde, so der stellvertretende SWZ-Direktor und Ersteller der Liste,  Rabbi Abraham Cooper, in einem Interview mit der Zeit.

Augstein dieses Mal nicht unter den Top-Ten-Antisemiten

Konnten 2014 deutsche Politiker der Linkspartei noch Platz vier auf der beschämenden Liste sichern (metropolico berichtete), so reichte es bei den beiden deutschen antisemitischen und antiisraelischen Agitatoren diese Jahr nur für einen Platz unter der Rubrik „Unehrenhafte Erwähnung“.

Jakob Augstein, der 2012 bereits zum zweiten Mal unter den Top-Ten der Antisemiten rangierte, muss sich 2015 mit dem „Trostpreis“ einer „unehrenhafte Erwähnung“ zufrieden geben. Augstein habe in seiner Spiegel Online-Kolumne „Im Zweifel links“ vom 7. Dezember mit der Überschrift: „Der Faschismus ist kein Phänomen der Vergangenheit“ politisch Andersdenkende mal eben schnell zu Faschisten erklärt und dabei Parallelen zwischen der Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dem französischen Front National und der deutschen Alternative für Deutschland (AfD) gezogen, so das SWZ und verweist auf den Satz Augsteins: „So rechts wie die deutschen Rechtspopulisten ist die Regierung von Benjamin Netanyahu allemal.“

Dank OB Dieter Reiter (SPD): München erhält „Unehrenhafte Erwähnung“

Neben Jakob Augstein ergatterte die Stadt München unter ihrem Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eine „Unehrenhafte Erwähnung“.  Die Stadt München, die Betreiberin des Münchner Kultur- und Bildungszentrum Gasteig, stellte im November dort Räumlichkeiten für einen Vortrag des israelfeindlichen Boykottprojekts BDS zur Verfügung (metropolico berichtete). Trotz der offensichtlich israelfeindlichen Ausrichtung des BDS sowie nach massiven Protesten an die Adresse des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD), auch durch die Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, rechtfertigte das Kulturreferat der Stadt München die Veranstaltung mit dem Verweis darauf, dass durch „die Fülle und Varietät der Veranstaltungen, die vom Kulturreferat gefördert werden, die Meinungsvielfalt gewährleistet“ sei, die sich aus der grundgesetzlich verbrieften Meinungsfreiheit ableite.

Charlotte Knobloch, zugleich Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayerns, bezeichnete das BDS-Projekt als antisemitisch, da der BDS (dt. Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen, kurz BDS) das sozial nicht adäquate „Kauft nicht bei Juden“ als modernisierte Form in der Forderung „Kauft nicht beim jüdischen Staat“ transportiere.

Das SWZ kritisiert zudem, dass die Münchner Stadtführung in höchst unsensibler Weise das historisch brisante Datum der anit-israelischen BDS Veranstaltung ignorierte. Am 9. November, der Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, wurden vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich verübt. (BS)