Leitartikel: Der Parteitag der CDU ist vorbei. Er war das Spiegelbild des CSU-Parteitages in München vor wenigen Wochen. Alles war seitenverkehrt. Angela Merkel wurde in einer Manier gefeiert, die einen erschauern lässt. Nur CSU-Chef Seehofer störte die autistische Selbstzuwendung.

Was bei der CDU umjubelt und überhöht wurde, war bei der CSU auf Kritik gestoßen: Eine inhaltsleere Rede der Kanzlerin. (Bild: metropolico)
Was bei der CDU umjubelt und überhöht wurde, war bei der CSU auf Kritik gestoßen: Eine inhaltsleere Rede der Kanzlerin. (Bild: metropolico)

Vor dem Parteitag des Merkel-Clubs war viel von Aufstand, Unruhe und Widerstand die Rede. Doch schon am Vorabend war klar, was sich die Kanzler-Partei selbst verordnete hatte: Harmonie. Daraus wurde dann sogar Harmoniesucht.

Realitätsferne als große Politik gefeiert

Angela Merkel wurde mit Jubel bedacht, der selbst für die Erfindung eines Heilmittels für Krebs übertrieben gewirkt hätte. Dabei hatte Merkel gesagt, was sie in der Asylkrise immer sagt: Nichts!

Das war genau das, was die Politiker der Union und die Delegierten der Partei hören wollen: Nichts! Nichts von der ohnehin gescheiterten Integration der letzten 50 Jahre, die nun aber, da ein Vielfaches an Migranten kommt, zu schaffen sein wird. Nichts von den Konflikten, die die Migranten aus ihren Heimatländern direkt in unsere Städte tragen – zusammen mit dem in der muslimischen Welt weit verbreitetem Antisemitismus. Auch von der nicht vorhandenen Qualifikation vieler Migranten wollte der Parteitag nichts mehr hören.

Die SED lässt grüßen

Dankbar, derart hermetisch von der Realität abgeschottet worden zu sein, ergingen sie sich in Jubel, den nicht nur die Autorin Vera Lengsfeld an die Hochzeit des Stalinismus erinnerte. Den Beobachtern des Schauspiels wurde angesichts dieser im wahrsten Sinne des Wortes bewusstlosen Jubelbilder vor Augen geführt, wo die politischen Wurzeln Kanzlerin angelegt wurden: In der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz SED.

Erneut war es Seehofer der als Störenfried empfunden wurde, da er aussprach was die autistische CDU sich selbst nicht mehr anhören will: Es kann so nicht weitergehen. Es muss eine Grenze her – in jedem Sinn des Wortes.

Seehofer als Hoffnung der Realisten

Zustimmung erhält Seehofer durch die Konservativen in der eigenen Partei. David Bendels, stellvertretender Sprecher des Konservativen Aufbruchs, der Basisbewegung innerhalb der CSU, unterstützt gegenüber metropolico den eigenen Partei-Chef: „Horst Seehofer hat in seiner Rede genau die richtigen Worte gefunden. Ohne eine effektive Begrenzung des Flüchtlings- und Migrationsstroms wird es nicht gelingen, das Problem klug und menschenwürdig zu lösen.“

Letztlich war die Situation nicht anders als auf dem Parteitag der CSU in München. Seehofer besaß aus Sicht der Kanzlerin erneut die Frechheit, ihr die Kurzsichtigkeit der eigenen Politik, die Überforderung dieses Landes, die Erwartungen der Bevölkerung, die Gefahr einer aufstrebenden AfD und die daraus erwachsenden Probleme für die Union aufzuzeigen. Was in vielen Medien als Signale der Versöhnung bei Seehofer entdeckt haben wollten, war so schon in München zu hören gewesen.

Die Worte hör´ ich wohl…

Nur wird auch die CSU liefern müssen. Dem Mut zu klaren Worten muss die Courage für klare Taten folgen. Das findet auch der Konservative Aufbruch: „Als Konservativer Aufbruch wünschen wir uns, dass die Mitglieder der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag die heute von Horst Seehofer gegenüber den Delegierten des CDU-Parteitags klar geäußerte Position zur Begrenzung des ungesteuerten und rechtswidrigen Zuzugs nach Deutschland, ebenso offensiv in der CDU/CSU Fraktion vertreten“ erklärt Bendels. Wie man allerdings weiß, ist es schwer in die Welt von Autisten einzudringen. (CJ)