Nach jahrzehntelanger Geheimhaltung veröffentlichte die New York Times erschreckende Details zu den Attentaten 1972 in München. Angehörigen der bei der Olympiade 1972 getöteten Geiseln sprechen erstmalig darüber, welches Leid den israelischen Sportler angetan wurde. Die Gefangenen wurden von den palästinensischen Terroristen geschlagen, ihre Knochen wurden gebrochen. Einer Geisel wurden die Genitalien abgeschnitten.

sdf (Bild: Olympisches Dorf, Marco Fieber, Rechte: CC BY NC ND 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)
Olympisches Dorf München – Aufgang zu den Wohnquartieren der israelischen Mannschaft bei den Spielen 1972 (Bild: Olympisches Dorf, Marco Fieber, Rechte: CC BY NC ND 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Bei der Geiselnahme von München am 5. September 1972 stürmten acht bewaffnete Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September während der Olympischen Sommerspiele in München das Wohnquartier der israelischen Mannschaft und nahmen elf Mannschaftsmitglieder als Geiseln. Mehrere Spitzensportler, ein Polizist und fünf Terroristen starben.

Der Öffentlichkeit bekannt ist, dass die Terrororganisation Schwarzer September am 5. September 1972 elf israelische Geiseln im Olympischen Dorf genommen hatte und zwei von ihnen sofort getötet wurden. Beim missglückten Zugriff der Polizei wurden zwei weitere Israelis von den Terroristen getötet. Unter den verbleibenden neun Geiseln befanden sich der Fechttrainer André Spitzer und Gewichtheber Josef Romano.

An Grausamkeit kaum zu überbieten

Wie die New York Times berichtet, hatte der deutsche Staat versucht, alle Informationen darüber geheim zuhalten, was die palästinensischen Terroristen ihren israelischen Opfern während der Geiselnahme angetan hatten. Die Witwen versuchten über die Jahre hinweg vergebens mehr Details über das Sterben ihrer Männer zu erfahren. Erst 1992 sei nach einem Interview mit einem deutschen Fernsehsender ein Mann auf die Witwen zugekommen und habe Regierungsdokumente und Polizeiakten an diese übergeben. Mit diesem Material konnten die beiden Frauen und ein beauftragter Anwalt die deutschen Behörden zur Herausgabe der kompletten Akten inklusive des Bildmaterials bewegen. Daraufhin konnten sich die Witwen dann selbst von der Folter, die ihre Männer erleiden mussten, überzeugen. Die beiden Frauen hatten dann erstmalig die Gelegenheit, das Bildmaterial einzusehen, die an Grausamkeit kaum zu überbieten gewesen seien.

So sollen bislang unter Verschluss gehaltene Videoaufnahmen zeigen, wie die israelischen Sportler schwer geschlagen wurden und dabei sogar ihre Knochen brachen. Die schlimmsten Verletzungen wurden scheinbar dem Gewichtsheber Romano zugefügt: Die Palästinenser schnitten ihm die Geschlechtsteile ab und missbrauchten ihn“. Ob das Opfer noch am Leben war, als ihm dies angetan wurde, ist ungeklärt. Dem unmenschlichen Treiben und Foltern ihrer Kollegen mussten die anderen Geiseln zusehen, so die „New York Times“.

Um die eignen Familien zu schützen, hatten die Witwen sich darauf verständigt, öffentlich nicht über das Gesehene zu sprechen. Die New York Times habe die Bilder einsehen können, sich jedoch wegen des grausamen Inhalts gegen eine Veröffentlichung entschieden. Nach Erhalt der Akten verklagten Angehörigen der Opfer die deutsche Regierung, sowie die bayerische Landesregierung und die Stadt München wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen. Die Klage wurde jedoch aus Verjährungsgründen abgewiesen.

Mit einem Mythos aufräumen

Die Witwe des Fechttrainers Andre Spitzer, stellt mit ihrem Statement in der New York Times die bisherige Vorstellung, die Palästinenser hätten die Terroraktion allein deshalb gestartet, um deutsche und einen japanischen Terroristen freizupressen, in Frage. Die Terroristen hätten immer behauptet, sie seien nicht gekommen, um irgendjemanden umzubringen, sie wollten nur ihre Freunde aus Gefängnissen in Israel befreien, so Ankie Spitzer. „Sie sagten, die restlichen Geiseln seien nur getötet worden wegen des verbockten Befreiungsversuches auf dem Flughafen, aber das ist nicht wahr. Sie kamen, um Leuten weh zu tun. Sie kamen, um zu morden.“ (BS)