Im September beschloss die EU, die durch hohe deutsche Geldversprechungen losgetretene Völkerwanderung ins gelobte Germany gemeinsam zu schultern. So versprachen unsere lieben Nachbarn, denen wir so oft schon aus Finanz- und Wirtschaftskrisen halfen, Solidarität. Die sei ja, nach so mancher Polit-Floskel, keine Einbahnstraße. 160 000 sollten verteilt werden. Erleichterung.
Die EU ist nur wenig mehr als eine Seifenblase (Bild: metropolico.org)
Die EU ist nur wenig mehr als eine Seifenblase (Bild: metropolico.org)

Muttis Mundwinkel hingen für eine Zehntelsekunde nicht vollständig nach unten. Dann kam die Ernüchterung. Das ist das, was man als Bundespolitiker erlebt, wenn man von den eigenen Sofa-Reden und wohlfeilen Forderungen gelangweilt ist, vor die Tür geht und einem eine Wand in Form von tausenden von berucksackten Menschen auf der Straße entgegenläuft. Kein Volkswandertag.

Völkerwandertag! Viele von ihnen warten auf irgendwas. Meist Geld. Ne Wohnung, nen guten Job, nen Kaffee, Hartz IV, Kindergeld, Einrichtungsbeihilfen, Taschengeld. 57 Tage lang vor dem Berliner LaGeSo etwa. Aber das kann man vom Regierungsviertel nicht sehen. Und da sei ja alles auch in Ordnung, wie der Behördenleiter im milde nachfragenden Staatsfernsehen beteuert. Alles in Ordnung. Genauso, wie bei dem Solidaritätsversprechen unserer europäischen Hausbewohner.
Offensichtlich haben wir nur die Einbahnstraßenschilder dieses Versprechens übersehen. Das Menschentauschgeschäft innerhalb Europas funktioniert irgendwie nicht so richtig. Bilanz bisher: 86 wurden von Italien nach Finnland (48) und Schweden (38) umgesiedelt. Für insgesamt 854 gibt es Aufnahme-Zusagen. Dafür haben wir noch zehn mehr aufnehmen müssen. Zu den rund 1,2 Millionen in diesem Jahr. Danke Europa. Solidarität ist eine Einbahnstraße. Geben wir Vollgas. Weiter so!