München: Vom 16. bis 18. Oktober findet im städtischen Theater „Kammerspiele“ in München eine Schlepper- Tagung statt. Recherchen von metropolico ergeben: Die Deutsche Kulturstiftung des Bundes förderte das Projekt mit 200.000 Euro. Die Hintergründe der Veranstaltung führen in die linksextreme Szene.

Ergebnis der deutschen Kulturförderung: Eine Schlepper- und Schleuer-Tagung in München (Bild: ISS 2015)
Ergebnis der deutschen Kulturförderung: Eine Schlepper- und Schleuer-Tagung in München (Bild: ISS 2015)

Die Maximilianstraße der Bayerischen Landeshauptstadt ist nicht nur die Edel-Shopping-Meile Münchens, sondern führt weiter zum Bayerischen Landtag. Doch auch das Theater der Stadt, die Kammerspiele, befindet sich in Münchens teuerster Straße.

Riesige Budgets für viel Unsinn

Teuer wird die dort ausgerichtete Schlepper-Tagung aber auch für den Steuerzahler. Nicht nur das Kulturreferat der Stadt München beteiligt sich an den Kosten. Auch der über EU Mittel finanzierte Verein „Menschenrechte ohne Grenzen e.V.“ unterstützt mit einem „niedrigen vierstelligen Betrag“ die Schlepper- und Schleuser-Tagung. Das Geld stammt ursprünglich aus dem EU-Fonds „Europa für Bürgerinnen und Bürger“. Doch direkt will man mit der Förderung des Veranstaltung bei der EU nichts zu tun haben, wie Reinhard Hönighaus gegenüber metropolico erklärt: „Die Europäische Kommission unterstützt die Veranstaltung nicht personell und finanziell indirekt.“

Der niedrige vierstellige Betrag nimmt sich freilich lächerlich gegenüber dem Betrag aus, den die Kulturstiftung des Bundes dem fragwürdigen Projekt zukommen lässt. 200.000 Euro fließen von den Geldbeuteln der Steuerzahler in das hochsubventionierte städtische Theater in Münchens Maximilianstraße. Die Kultur Stiftung des Bundes erhielt laut dem aktuellsten Bericht aus dem Jahr 2012 (sic !) Mittel in Höhe von 29,8 Millionen Euro – nur für 2012.

Schlepper- und Schleuser-Tagung „förderungswürdig“

Aus dem umfangreichen Budget versorgten sich auch die Münchener Kammerspiele. Diese stellten bei der Kulturstiftung des Bundes einen Antrag für das Projekt „Munich Welcome Theatre“. Da alle Fördervoraussetzungen erfüllt waren, erhielt das Theater für sein Vorhaben, das die „Internationale Schleuser und Schlepper-Tagung“ und auch den „Open Border Kongress“ umfasst, das Geld. Die Jury der Kulturstiftung hielt „das Projekt für förderungswürdig“, wie die Pressesprecherin der Kulturstiftung, Friederike Tappe-Hornbostel, metropolico erklärte.

Ebenfalls mit dabei: Das Goethe-Instituts. Das gleichfalls üppig mit öffentlichen Geldern ausgestattete Institut ist Partner, wie Jörg Schumacher, Pressesprecher des Instituts bereits am 24. September bestätigte und später ergänzte: „Das Goethe-Institut ist Partner der Münchener Kammerspiele und trägt zum „Munich Welcome Theatre“ vom 16.-18.10.2015 mit einer Podiumsdiskussion bei. Die Podiumsdiskussion zum Thema „Cultural Relief“ wird moderiert vom Leiter des Goethe-Instituts in Istanbul, Christian Lüffe. Es sprechen: der Tänzer und Choreograf Taigué Ahmed aus dem Tschad, die Vertreterin einer türkischen NGO Pinar Demirel, der Künstler Wolfgang Hauck und Maren Niemeyer aus dem Filmbereich des Goethe-Instituts. Eine finanzielle Beteiligung des Goethe-Instituts an der von Ihnen genannten „Schleppertagung“, die im Rahmen der dreitägigen Programms des „Munich Welcome Theatre“ stattfindet, besteht nicht.“ Wie Schumacher metropolico heute nochmals telefonisch bestätigte, bleibt es bei dieser Beteiligung.

Zu helle „hautfarbene“ Creme ist rassistisch

Allerdings treten nicht nur Tänzer auf, die reden statt tanzen, sondern auch Mitwirkende, die auch innerhalb ihres künstlerischen Rahmens tatsächlich etwas zu Schlepper-Tagung beitragen. Da ist zum Beispiel i;slam. Poetry Slam mit islamischen Hintergrund. Muslimische Künstler drücken im Rahmen dieser ihre Überzeugungen aus.

Die Regeln von i;slam sind dabei ganz klar: Laut Internetauftritt von i;slam gilt: „verbale Attacken jeglicher Art sind zu unterlassen – der islamische Rahmen muss hier gewahrt bleiben.“ Islamischer Rahmen? Etwa die Scharia?

Was offensichtlich keine verbale Attacke darstellt, ist, eine Apothekerin als Rassistin zu beschimpfen, die eine hautfarbene Herpes-Creme anbietet, deren Tönung für die Kundin aber leider zu hell ist.

Vom Initiator zum „Künstler“

Das städtische Theater in München Edel-Meile: Die Kammerspiele (Bild: metropolico.org)
Das städtische Theater in Münchens Edel-Meile: Die Kammerspiele (Bild: metropolico.org)

Die Mitglieder von i;slam sind nicht die einzigen Künstler, die im Rahmen der Veranstaltungen auftreten. Allerdings: Nachdem die Veranstaltung in die Kritik geraten ist, ergeben sich eigenartige Wandlungen vom Fluchthelfer-Aktivisten zum Künstler.

Zunächst wurden beim Internetauftritt der Kammerspiele überhaupt keine Künstler benannt. metropolico liegt der Inhalt des Internetauftritts in Bezug auf diese Veranstaltung vom 23. September vor (siehe Link). Dort hieß es zum Beispiel: „Podium 2: Praxis; Fluchthilfe konkret: Praktiken, Preise, Personal, Qualifizierung und Qualitätsmanagement“. Dieser Eintrag ist nicht mehr zu finden. Ebenso der Hinweis zu „Podium 3: Kriminalisierung; Fluchthelfer in Haft: Die Prozesse von Essen, Italien, Griechenland und Österreich.“ Der letzte Eintrag reduzierte sich auf „Kriminalisierung von Fluchthilfe“.

Geändert oder „ergänzt“? Der Internetauftritt wandelt sich

Denn mittlerweile hat die Pressesprecherin der Kammerspiele den Internetauftritt geändert (siehe Link, Stand 01.10.2015). Nun heißt es dort unter anderem: „Die performative Inszenierung als Tagung dient als Mittel der Zuspitzung im Kontext des politischen und gesellschaftlichen Diskurses.“ Was war der Grund, die künstlerische Note nun stärker zu betonen? „Da der ursprüngliche Ankündigungstext missverständlich war, wurde er ergänzt“, erklärt Katrin Dode, Pressesprecherin der Kammerspiele, gegenüber metropolico.

Allerdings wurde nicht nur „ergänzt“: Es wurde unter anderem folgender Text gestrichen: „Gala: Die Verleihung de Goldenen Lisa 2015 im Rahmen der ISS 2015“ (Internationale Schlepper und Schleuser Tagung, Anm. der Red.). Ebenso ist nicht mehr ersichtlich, dass Till Nassif, Moderator des Morgenmagazins, als Moderator der „Gala“ auftritt.

Die Antifa ist mit dabei

Dafür wird nun ein anderer Name, und zwar als „Künstler“ aufgeführt. Matthias Weinzierl ist durch die Änderung des „missverständlichen“ Textes in diese Liga aufgestiegen. Jedoch: In der gedruckten Ausgabe des Programmheftes, das zumindest am 23. September noch im Foyer der Kammerspiele auslag, wird Weinzierl unter der Rubrik „Initiative & Kampagne“ geführt.

Wie kommt es dazu? Pressesprecherin Dod erklärt dies mit der Doppelrolle des Initiators: „Matthias Weinzierl gehört zu den Künstlern, die die Tagung initiieren. Gleichzeitig ist er aber auch in verschiedenen Initiativen tätig – z.B. im Bayerischen Flüchtlingsrat.“ Tatsächlich wird Weinzierl im Impressum des Internetauftritts des ISS genannt.

Das ist kein Wunder, ist der Bayerische Flüchtlingsrat, dessen („Viertel“-)Geschäftsführer Weinzierl ist, einer der Veranstalter und hat auch die Tagungsleitung inne. Welche Weltanschauung bei der Leitung der Schlepper- und Schleuser-Tagung angesichts einer solchen Leitung zu tage treten wird, dürfte als geklärt gelten.

Städtische Unterstützung für die Antifa-Szene

Die Vorsitzende des Trägervereins des Bayerischen Flüchtlingsrates, Irmgard Deschler, war jahrelang Vorsitzende des Trägervereins des Münchner Antifa-Treffs Kafe Marat. Dieser Autonomentreff, der alljährlich im Bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt wird und in dessen Räumlichkeiten gerne einmal Anschlaganleitungen ausliegen, wird durch die Stadt München finanziert. Aber auch der Flüchtlingsrat selbst erhält Fördergelder der Stadt München.

Aber nicht nur Deschler ist eine fragwürdige Person innerhalb und an der Spitze des Flüchtlingsrates. Zu den obskuren Gestalten dort gehört auch Weinzierl selbst. Dieser gehört, wie „seine Vorsitzende“ Deschler auch, dem Verein Netzwerk an. Dieser finanziert regelmäßig Vorhaben der Antifa. So wurde auch der Druck eines Flyers finanzielle durch den Verein unterstützt, in dem zum Schottern und damit zum Unterhöhlen von Zuggleisen aufgerufen wurde. Immerhin eine Straftat. Der Verein Netzwerk bezuschusste zudem den Antifa Actionday.

Gegen „pauschale Kriminalisierung von Schleusern“

Ist laut Programm ebenfalls bei der Schleuser-Tagung dabei: Heribert Prantl (Bild: metropolico.org)
Ist laut Programm ebenfalls bei der Schleuser-Tagung dabei: Heribert Prantl (Bild: metropolico.org)

Es spricht jedoch deutlich mehr als das gegen eine künstlerische Veranstaltung und für eine mehr oder minder reine Politshow im Sinne linksextremer Kreise und Überzeugungen. Der Zweck der Internationalen Schlepper- und Schleuser-Tagung, bei der laut Programmheft auch der Leiter des Innenressorts der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, teilnimmt, wird durch die Aussagen des Intendanten der Kammerspiele mehr als deutlich.

Michael Lilienthal erklärte gegenüber dem Spiegel: „Wir wollen eine ernsthafte politische Diskussion führen zu der Frage, wie unsere Gesellschaft mit Schleppern und Schleusen umgehen sollte.“ Weiter meinte er, die Schleuser und Schlepper würden pauschal kriminalisiert, dabei könnten Flüchtlinge ohne sie kaum nach Europa gelangen. Die Pressestelle der Kammerspiele bestätigte metropolico, dass Intendant Lilienthal damit korrekt wiedergegeben worden sei. Es sollte keine „Kunst“ mehr sein, den wahren Charakter der Veranstaltung einzuordnen, wie auch das Anliegen des ein oder anderen „Künstlers“.

Für die Deutsche Kulturstiftung ist diese Veranstaltung jedoch förderungswürdig. Die Würde der vielen Opfer der Schlepper-Mafia, die in LKWs ersticken und im Meer ersaufen, spielte bei dieser Entscheidung wohl keine Rolle. (CJ)