In Nordrhein-Westfalen warnen Salafisten muslimische Asylbewerber vor „westlichen Werten“. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass auch Rekrutierungsversuche unternommen werden. Der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef Sven Lau wies die Vorwürfe sofort zurück. Rechtsradikale seien das Problem, so Lau.

Mönchengladbacher Salafisten beim Beten (Bild: Hemmelrath)
Mönchengladbacher Salafisten beim öffentlichen Beten (Bild: metropolico.org)

Salafisten betreiben ihre Propaganda jetzt auch gezielt im Umfeld von Asylbewerberunterkünften. Seit einiger Zeit beobachte der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz, dass muslimische Asylsuchende von Salafisten vor „westlichen Werten“ gewarnt und zur strikten Einhaltung islamischer Glaubensregeln angehalten würden, so übereinstimmende Medienberichte vom Mittwoch.

Mit den steigenden Asylantenzahlen habe die Missionierung der Salafisten in der Nähe von Asylunterkünften erkennbar zugenommen. Es sei davon auszugehen, dass die Islamisten verstärkt Kontakte zu muslimischen Flüchtlingen aufnähmen, um sie anzuwerben und zu rekrutieren, so ein Sprecher des Landes-Innenministeriums. Gegenwärtig kommen Asylbewerber täglich zu Tausenden in Nordrhein-Westfalen an. In der jüngeren Vergangenheit waren es überwiegend Männer im wehrfähigen Alter aus muslimischen Ländern.

Lau spricht vom „braunen Mob“

Der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef und kurzzeitige Chef der Wuppertaler Scharia-Polizei, Sven Lau, wies die Darstellung des Verfassungsschutzes am Mittwoch zurück und bezeichnete sie als „Dreistigkeit“. Lau behauptete, die Warnung vor den Salafisten diene nur dazu, von den „eigentlichen Problemen“ abzulenken. „Wer ist es denn, der im Jahr 2015 schon zig Flüchtlingsheime angezündet hat? Waren das Muslime, sogenannte Salafisten? Oder waren das nicht Rechtsradikale, der braune Mob, der gewaltbereit auf Flüchtlinge losgeht“, sagte er in einer Video-Botschaft auf seiner Facebook-Seite.

Sven Lau ist bekannt für „Nazi“-Vorwürfe: Als im März 2011 ein betrunkener Karnevalist in Mönchengladbach brutal von Salafisten zusammengeschlagen wurde, sprach er noch am gleichen Tag in einem Internet-Video davon, dass „Nazis“ einen „Anschlag“ auf ihn und seine Familie verüben wollten. Beim späteren Prozess stellte sich jedoch heraus, dass auch Lau an der Attacke auf den wehrlosen Karnevalisten beteiligt war. Auch beim Thema Brandanschläge gilt er als kompetent: Nach einer Brandstiftung in der Mönchengladbacher Salafisten-Moschee im Juni 2011 behauptete er sofort, diese sei von „Muslim-Hassern“ begangen worden. Später wurde gegen ihn selber ermittelt. Demnächst muss er sich zusammen mit Glaubensbrüdern vor dem Wuppertaler Landgericht für seinen Auftritt als „Scharia-Polizist“ im September 2014 verantworten. (PH)

Mehr zum Thema: Salafismus in Deutschland