Schlaglicht: Es fehlt uns Deutschen das Bewusstsein. Selbstverständlich sind wir die Guten. Und zwar radikal gut. Wir waschen so weiß wie der weiße Riese. Weißer geht’s nicht. Wir helfen teutonisch effizient, bis wir nicht mehr können. Bis zum letzten Atemzug!  

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Die Super-Deutschen (Bild: flickr; Foto:
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Der Umwelt, dem sterbenden Wald in den 80gern, wir steigen wegen Tsunamis in Japan bei uns aus der Atomkraft aus, legen Stromleitungen neuerdings unter die Erde (Warum eigentlich nicht schon früher?) und erfinden Kohlendioxidzertitfikate für arme Länder, die sie dann wieder teuer über Geschäftemacher an uns verkaufen.  

Ein Volk von Dosenjürgens und Co. Und jetzt fühlen wir uns ganz wie die Amerikaner in den 50gern mit ihrem Rassentrennungsprogramm. Alles heimliche Martin Luther Kings. Wie Woddy Allen in „Zelig“ schlüpfen wir Superopportunisten überbürokratisiert, überakademisiert, überaltert und überzertifiziert in jede Rolle, ziehen uns jeden Schuh an. Hauptsache wir bleiben die radikal Guten.  

Der Spiegel verlangt uns die Frage wieder einmal radikal ab: Dunkles oder helles Deutschland? Polarisiert die Flüchtlingswelle unsere Gesellschaft? Undifferenziert sehen wir nur Bilder von weinenden Kindern in Natodrahtzäunen, Kinder hinter Gittern, große, fragende Kinderaugen. Wie vor Weihnachten beim Misereor-Stand in der Fußgängerzone. Niemand scheint mehr zu differenzieren, zu hinterfragen. Flüchtling – egal aus welchem Land, Grund oder Anlass – ist gut.

Der Deutsche ist, wenn er nicht zahlt, schlecht. Brennende Häuser, alte deutsche Frakturschriftzeichen oder Luftballons und jubelnde Sigmar Gabriels, die mit dümmlich, glücklich-runden Gesichtern alle andere für Nazis halten, die nicht ihrer Meinung sind.  

Nazis. Das waren genauso verblendete Figuren, die Deutschlands Infrastruktur erst ein paar Autobahnen schenkten und dann das Land in Schutt und Asche legten. Ähnliches lässt sich auch mit anderen Mitteln erreichen. In dem man etwa unsere Infrastruktur gezielt überfordert. Dann bleibt vom reichen Deutschland auch eines Tages nicht mehr viel übrig. Nazis waren radikale Weltverbesserer, die der Meinung waren, Andersdenkende ausgrenzen, „ausmerzen“ zu dürfen. Vorsicht vor dieser teutonischen Effizienz, die schon wieder durch die Köpfe schleicht. Zum Selbstverständnis dieses Landes brauchen wir keine schwarzweiß malenden Spiegelein.  

Wir müssen differenzieren und selbstbewusst handeln. Konsequentes Handel gehört auch dazu. Wie etwa Nein sagen zu Abkassierern. Nassauer abschieben mit Bussen, Bahnen und Flugzeugen, zur Not mir THW und Bundeswehrfahrzeugen. Es fehlt das wirklich harte Urteil über Schleuser. Oder wurde schon einer von ihnen wegen Mordes verurteilt? Es fehlt der Aufbau von Anlaufstellen schon in den Krisenländern. Uno-Truppen mit einer klaren Friedensmission gegen den IS. Es fehlt dem deutschen Selbstverständnis das Bewusstsein konsequenten Handelns mit unseren europäischen Partnern, die oft nur Rosinen aus der Partnerschaft picken, sich aber vor den Pflichten drücken.  

Selbstbewusstsein setzt einen klaren Kopf und Blick voraus. Und dieser scheint uns gerade propagandabedingt mal wieder zu fehlen. Schwarzweißmalen ist einfacher. Nachdenken ist so schrecklich kompliziert.