Düsseldorf: Obwohl über eine Klage von Anwohnern noch gar nicht entschieden ist, werden die Bauarbeiten für eine Asylbewerberunterkunft im Stadtteil Ludenberg mit Hochdruck vorangetrieben. Anwohner beklagen, in dieser Woche wäre auch nachts gearbeitet worden. Unterdessen wurden in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Roßstraße bei einem Kind Windpocken festgestellt.

Die Bauarbeiten an der Blanckertzstraße wurden in dieser Woche mit Hochdruck vorangetrieben (Bild: metropolico.org)
Die Bauarbeiten an der Blanckertzstraße wurden in dieser Woche mit Hochdruck vorangetrieben (Bild: metropolico.org)

Der Bau einer Unterkunft für Asylbewerber an der Blanckertzstraße in Düsseldorf-Ludenberg ist auch in dieser Woche mit Hochdruck vorangetrieben worden. Inzwischen wurde von einer damit beauftragten holländischen Firma eine Grube ausgehoben, um das Fundament für die in Container-Bauweise geplanten Unterkunft für rund 160 Asylbewerber zu schaffen. Bislang diente das Gelände den Bewohnern eines unmittelbar anschließenden Seniorenheims als Spazierfläche.

Am Montagabend wurde im Zuge der Bauarbeiten eine Wasserleitung angerissen. Die beschädigte Leitung wurde vorsorglich abgesperrt. Das Altenheim erhielt innerhalb von 1-2 Stunden eine Notwasserversorgung. Die defekte Wasserleitung wurde am nächsten Morgen durch die Stadtwerke Düsseldorf repariert. Unterschiedliche Darstellungen gibt es darüber, wie lange in der Nacht gearbeitet wurde: Anwohner beklagten, dass die Bauarbeiten auch während der Nacht zum Dienstag fortgeführt wurden. Die Stadt wiederum teilte am Donnerstag auf Nachfrage mit, dass „nicht die ganze Nacht gearbeitet“ wurde. Am gleichen Tag beschwerte sich eine Anwohnerin darüber, dass gegenwärtig etwa 14 Stunden pro Tag gearbeitet werde und die Altenheimbewohner deswegen immer weniger Ruhe fänden.

Höchst umstrittener Standort

Keine andere Unterkunft für Asylbewerber ist in Düsseldorf so umstritten wie die geplante Container-Anlage an der Blanckertzstraße. Grund dafür ist das Seniorenheim, das sich unmittelbar gegenüber des geplanten Standortes befindet. Da das Altenheim nach 17 Uhr keinen Pförtnerdienst mehr hat und dann von jedem betreten werden kann, haben Heimbewohner Angst davor, dass in der Asylbewerberunterkunft alleinreisende junge Männer untergebracht werden. Auch liegt die Abteilung für die demenzkranken Senioren nur wenige Meter von der geplanten Asylunterkunft entfernt. Mehrere Nachfragen von metropolico bei der Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch (Grüne) brachten in den letzten Monaten jedoch nur hervor, dass bislang kein Sicherheitsdienst zum Schutz der Altenheimbewohner vorgesehen ist.

Die Empörung der Anwohner führte dazu, dass diese Spenden gesammelt haben, um eine Klage gegen die Befreiung vom Bebauungsplan finanzieren zu können. Obwohl das Düsseldorfer Verwaltungsgericht noch gar nicht über die Klage entschieden hat, begann die Stadt Anfang August mit den Bauarbeiten. Auch in der örtlichen CDU ist das Vorhaben höchst umstritten: Einige Bezirksvertreter der CDU hatten offensichtlich keine Bedenken, Asylbewerber direkt neben Demenzkranken unterzubringen und stimmten mit der FDP sowie den linken Parteien für das Projekt. Andere sahen den Standort kritisch und enthielten sich bei der Abstimmung über die Befreiung vom Bebauungsplan.

Windpocken in Erstaufnahmeeinrichtung

Unterdessen wurden in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber im ehemaligen Finanzamt an der Roßstraße bei einem Kind Windpocken festgestellt. Am Freitag war das Gesundheitsamt vor Ort, um 14 Kontaktpersonen zu impfen. Darüber hinaus wurde geprüft, ob auch andere Bewohner der in der Innenstadt gelegenen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes über keinen Impfschutz verfügen, um diese dann ebenfalls zu impfen.

Bei Windpocken handelt es sich um eine hochansteckende Krankheit. Wird diese festgestellt, so ist unverzüglich das Gesundheitsamt darüber zu informieren. Die sogenannten Varizellen können zwischen acht und 28 Tagen ansteckend sein. Bei Kindern verläuft die Erkrankung im Allgemeinen gutartig. Bei Neugeborenen oder Personen mit geschwächter Immunabwehr hingegen können sich schwere Krankheitsverläufe beispielsweise durch Lungenentzündungen, Hirnhaut- und Gehirnentzündungen oder innere Blutungen ergeben, die dann auch tödlich sein können. (PH)

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