Düsseldorf: Wegen des Ansturmes von Asylbewerbern werden auch wieder Turnhallen belegt. Auch die der ehemalige Kartause-Hain-Schule im Stadtteil Unterrath füllt sich wieder. Dort wurden Frauen monatelang von Asylbewerbern belästigt. Die vor mehr als drei Wochen von metropolico gestellte Frage, ob Maßnahmen ergriffen wurden, solche Belästigungen zukünftig zu verhindern, ist bislang unbeantwortet.

Die ehemalige Kartause-Hain-Schule im Stadtteil Unterrath dient jetzt als Flüchtlingsunterkunft (Bild: metropolico.org)
Die ehemalige Kartause-Hain-Schule im Stadtteil Unterrath dient jetzt als Unterkunft für Asylbewerber (Bild: metropolico.org)

Vor dem Hintergrund der aktuell hohen Zuweisungszahlen sind die Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen und anderen Asylbewerbern in der Landeshauptstadt derzeit ausgeschöpft. Wie die Stadt am Mittwoch mitgeteilt hat, müssen als „kurzfristige Notlösung“ wieder Asylsuchende in einer weiteren Turnhalle untergebracht werden.

Seit Donnerstag werden in der Turnhalle der Fritz-Henkel-Schule im Stadtteil Garath Asylbewerber vorübergehend untergebracht. Eine enge Zusammenarbeit des Amtes für soziale Sicherung und Integration, des Gebäudemanagements und des Schulamts soll die problemlose Inbetriebnahme dieser Turnhalle als Unterkunft für Asylbewerber ermöglichen. In der Turnhalle werden Pavillons aufgestellt, die ein Mindestmaß an Privatsphäre gewähren sollen. Das Deutsche Rote Kreuz wird die Erstversorgung und Betreuung der Asylsuchenden vor Ort sicherstellen.

Aber auch eine andere Turnhalle füllt sich wieder: die der ehemaligen Kartause-Hain-Schule in Düsseldorf-Unterrath. Diese Unterkunft für Asylbewerber kam ins Gerede, nachdem metropolico Mitte Mai darüber berichtet hatte, dass Anwohnerinnen monatelang durch junge Asylsuchende belästigt wurden. So erzählten sie, dass viele Frauen vom Bahnhof Unterrath aus mit der S-Bahn zur Arbeit und zurück fahren. Auf dem Weg zum S-Bahnhof haben die jungen Männer ihnen morgens wie auch nachmittags „aufgelauert“, um sie regelmäßig auf Englisch anzusprechen und zu fragen, ob sie die Männer „kennenlernen“ oder sich „mit ihnen treffen“ wollen.

Belästigungen begannen im Januar

Einige Frauen sind daraufhin nur noch mit anderen Verkehrsmitteln zur Arbeit gefahren, andere haben sich nur noch in Begleitung ihres Freundes oder Mannes auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Dieser Zustand hatte laut der Anwohnerinnen im Januar begonnen. Zur Polizei aber wollte keine der Frauen gehen. Als metropolico die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Grüne) im Vorfeld der Veröffentlichung mit diesen Schilderungen konfrontierte, wurden die Darstellungen der Anwohnerinnen nicht bestritten. Nach drei Monaten wurde die Situation durch die Verlegung der Belästiger in eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Benrath wieder beendet.

Aber nur wenige Wochen später erfuhr metropolico, dass die Turnhalle in der Kartause-Hain-Schule erneut mit 20 jungen und männlichen Asylbewerbern belegt worden sei. Am 7. Juni bat die Redaktion Koch um Auskunft, ob diese Information den Tatsachen entspricht und wenn ja, ob und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um zukünftige Belästigungen von Anwohnerinnen in Unterrath zu verhindern. Bis heute ist bei metropolico jedoch keine Antwort von Miriam Koch auf diese Fragen eingegangen. Etwas auskunftsfreudiger zeigte sich da schon ein Pressesprecher der Stadt, der metropolico am Donnerstag bestätigte, dass die Turnhalle der Kartause-Hain-Schule inzwischen mit 40 Asylbewerbern belegt sei. (PH)

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