Skandal im nordrhein-westfälischen Landtag: Beim Ramadan-Fastenbrechen wurde den Gästen „Haram“-Fleisch serviert. Muslimische Gäste, darunter auch Serap Güler (CDU), äußerten sich empört. Auch islamische Medien reagierten mit Unverständnis. Eine Sprecherin von Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) bestätigte den „bedauerlichen Fehler“ und gelobte Besserung.

Skandal im Düsseldorfer Landtag (Bild): Muslimischen Gästen wurde „Haram"-Fleisch serviert (Bild: metropolico.org)
Skandal im Düsseldorfer Landtag (Bild): Muslimischen Gästen wurde „Haram“-Fleisch serviert (Bild: metropolico.org)

Ein Fehler im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf sorgte Anfang dieser Woche für große Aufregung im bevölkerungsreichsten Bundesland: Beim gemeinsamen Fastenbrechen in der Landtagskantine, zu dem Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) am 24. Juni eingeladen hatte, wurde den etwa 250 Gästen, darunter zahlreiche Muslime, Fleisch serviert, das nicht den islamischen „Halal“-Vorschriften entsprach.

Das stellte der Vorstandssekretär der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) Bekir Alboga auf Nachfrage an dem Abend fest. „Ich war davon ausgegangen, dass die Gastgeberin weiß, wie die Vorschriften für Muslime sind“, so Albogas Kommentar. „Halal“ bedeutet, dass das Fleisch nach islamischen Regeln geschächtet wird. Ist dies nicht der Fall, so handelt es sich um „Haram“-Fleisch. Mit dem Adjektiv „Haram“ wird im Islam alles bezeichnet, was nach der Scharia als „verboten, unverletzlich, heilig, geheiligt, verflucht oder fluchbeladen“ gilt.

Die türkischstämmige Landtagsabgeordnete Serap Güler (CDU) kritisierte den Vorfall: „Das wäre nicht passiert, wenn man das Fleisch bei einem muslimischen Metzger bestellt hätte. Das alles hätte man besser machen können, wenn die muslimischen Abgeordneten mit in die Organisation einbezogen worden wären. Schließlich handelt es sich offiziell um eine Einladung des Landtags. Es ist bedauerlich, dass dies auch diesmal nicht passiert ist. Deshalb bleibt das Ganze für mich eine Einladung der Landtagspräsidentin mit SPD-Parteibuch.“ Güler verwies auch darauf, dass nicht Carina Gödecke das Fastenbrechen in den Landtag gebracht hätte, sondern deren Vorgängerin Regina van Dinther (CDU). Diese habe dazu das erste Mal eingeladen. Der Düsseldorfer Verein Rumi Forum am Rhein e.V. hatte in Kooperation mit der ehemaligen Landtagspräsidentin Regina von Dinther bereits 2008 ein gemeinsames Fastenbrechen im Landtag organisiert.

„Es ist ein bedauerlicher Fehler“

Ihr Landtagskollege Ali Bas (Grüne) übte ebenfalls scharfe Kritik an dem Vorfall der vergangenen Woche: „Ich finde den Vorfall schon ziemlich ärgerlich, zumal im vergangenen Jahr besonders darauf geachtet wurde, dass das Essen auch den religiösen Speiseregeln für Muslime entspricht.“ Auch islamische Medien hielten sich nicht mit Kritik zurück, so bezeichnete das Deutsch-Türkische Journal am Montag das Fastenbrechen im Landtag als eine „gut gemeinte Veranstaltung für den interkulturellen Dialog, der aber die interkulturelle Kompetenz abhanden geht“. Das Internet-Portal Islam.q sprach am Dienstag davon, dass die „fehlende Kenntnis über muslimische Speisevorschriften besonders blamabel“ sei.

Inzwischen wurden die Vorwürfe von Landtagspräsidentin Gödecke bestätigt und die Kritik angenommen: „Leider ist diese Information richtig. Es ist ein bedauerlicher Fehler. Die Veranstaltung hat für uns einen sehr großen Stellenwert. Letztes Jahr handelte es sich um Halal-Fleisch. Wir werden es beim nächsten Mal wieder besser machen“, so die Stellungnahme ihrer Pressesprecherin. (PH)