Düsseldorf: Im Stadtteil Ludenberg soll eine Unterkunft für Asylbewerber unmittelbar gegenüber eines Altenheimes errichtet werden. Dass das Seniorenheim nach 17 Uhr von jedem ohne Kontrolle betreten werden kann, führte zu Anwohnerprotesten gegen die Unterkunft. Für neue Empörung in Ludenberg sorgte die Aussage eines FDP-Bezirksvertreters, der Anwohnern „unglaubliche Kaltherzigkeit“ vorwarf.

Unmittelbar gegenüber einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber: das Seniorenheim auf der Blanckertzstraße in Düsseldorf-Ludenberg (Bild: metropolico.org)
Unmittelbar gegenüber einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber: das Seniorenheim auf der Blanckertzstraße in Düsseldorf-Ludenberg (Bild: metropolico.org)

Keine andere geplante Unterkunft für Asylbewerber sorgt in Düsseldorf für so viel Anwohnerproteste wie die in Container-Bauweise geplante Anlage auf der Blanckertzstraße im Stadtteil Ludenberg. Unmittelbar gegenüber einem Altenheim gelegen, in dem sich auch Demenzkranke befinden, soll die Unterkunft Anfang August von 160 Asylbewerbern bezogen werden. Mitte Juni musste metropolico bei einem unangekündigten Besuch vor Ort feststellen, dass die Darstellung der Anwohner, dass es in dem Seniorenheim nach 17 Uhr keinen Pförtnerdienst mehr gibt und damit jeder das Haus ungehindert und ohne Kontrolle betreten kann, der Wahrheit entspricht.

Bislang aber zeigte die Düsseldorfer Politik keine Reaktion auf die Ängste und Sorgen der Nachbarschaft. 380 gesammelte Unterschriften, die Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) laut der Initiatorin einer Ludenberger Nachbarschaftsinitiative übergeben wurden, blieben folgenlos. Auch wird von Seiten dieser Initiative beklagt, dass das an die Stadt gerichtete Angebot, den Asylbewerbern Wohnungen zu suchen, keine Resonanz gefunden habe. Und die bei einem Bürgerforum am 4. Mai im benachbarten Stadtteil Gerresheim an die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Grüne) gerichtete Frage, ob bei der Planung der Unterkunft auf der Blanckertzstraße auch an die Sicherheit der Altenheimbewohner gedacht worden sei, etwa in Form eines Sicherheitsdienstes, brachte den Anwohnern ebenfalls keine Beruhigung.

Schutz eines Altenheimes „absurd“?

Im Gegenteil: Wie metropolico berichtete, bezeichnete es die 48-jährige Grüne in ihrer Antwort als „absurd“, dass ein Altenheim vor Flüchtlingen geschützt werden soll. Eine Aussage, die den sofortigen Protest von Rainer Klöpper, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bezirk 7, hervorrief: „Das sind Sorgen, die hier vorgetragen werden, da können Sie nicht mit umgehen.“ Klöpper bezeichnete Kochs Umgang mit den Anwohnern als „Publikumsbeschimpfung“ und sprach erneut die Bewohner des Altenheims an: „Diese Leute haben Angst!“ Rainer Klöppers deutliche Kritik an der grünen Flüchtlingsbeauftragten auf dem Bürgerforum im Mai rief ein geteiltes Echo hervor; ein Teil der Anwohner applaudierte, andere warfen ihm vor, er würde „Ängste schüren“. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sönke Willms-Heyng kritisierte Klöpper dafür, sich bei der Abstimmung in der Bezirksvertretung über die geplante Flüchtlingsunterkunft enthalten zu haben.

Jetzt sorgte Sönke Willms-Heyng, der bei dieser Abstimmung für die Unterkunft auf der Blanckertzstraße gestimmt hatte, für neue Empörung in Ludenberg. In einem Interview in der Juni-Ausgabe der Gerresheimer Gazette sagte er: „Die Menschen in Gerresheim-Süd beispielsweise sind hilfsbereit und neugierig auf die Flüchtlinge. Dagegen müssen wir in Ludenberg teilweise eine unglaubliche Kaltherzigkeit erleben. In Gesprächen dort meinte jemand doch wirklich, dass sobald die Unterkünfte eingerichtet sind, die Schlepperbanden nach Ludenberg kommen und die Flüchtlinge direkt vor der Haustür abliefern. Das muss man sich mal vorstellen! Da werden völlig irrationale Ängste und Vorurteile geschürt.“

Wer ist „unglaublich kaltherzig“?

metropolico fragte Sönke Willms-Heyng Anfang der letzten Woche, ob er der Meinung wäre, dass es eine Form „unglaublicher Kaltherzigkeit“ sei, wenn Menschen nicht wollen, dass Altenheimbewohner auf engstem Raum schutzlos einer Gruppe von Menschen ausgeliefert sind, die nach allen bisherigen Erfahrungen zu überdurchschnittlicher Kriminalität neigt. Ebenso wurde der FDP-Bezirksvertreter danach befragt, mit welchen Worten er dann die Reaktion von lokalen Politikern beschreiben würde, die auf die Sorgen und Ängste der Anwohner bislang mit Gleichgültigkeit reagiert haben. Auch wollte metropolico wissen, wie Willms-Heyng zu der Aussage gekommen sei, dass in Gesprächen in Ludenberg jemand gemeint habe, dass „die Schlepperbanden nach Ludenberg kommen und die Flüchtlinge direkt vor der Haustür abliefern“ und wer dieser „jemand“ gewesen sein soll. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass die Initiatorin der Ludenberger Initiative diese Aussage gegenüber metropolico bestritten hat.

Willms-Heyng antwortete prompt und kritisierte den Fragesteller: „Ihre Frage suggeriert, dass Flüchtlinge überdurchschnittlich kriminell wären. Das ist falsch. Nach Aussagen der Polizei gibt es im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften keine gesteigerte Kriminalität. Ich erwarte eigentlich von Journalisten, die sich mit dem Thema beschäftigen, eine bessere Recherche.“ Und: „Als kaltherzig bezeichne ich eine Haltung von Menschen, die keine Empathie für traumatisierte Menschen zeigen, die bei uns Schutz suchen. Gemeint sind natürlich nicht alle Ludenberger. Wer sich davon angesprochen fühlt, weiß warum.“ Wer der „jemand“ gewesen sei, der nach seiner Aussage davon gesprochen haben soll, dass Schlepperbanden die Flüchtlinge vor der Haustür in Ludenberg abliefern würden, wollte Sönke Willms-Heyng jedoch nicht sagen. (PH)

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