Der französische Telekom-Konzern Orange hat sich nach einer Kontroverse über angebliche Boykottpläne zum Standort Israel bekannt. Orange „habe und werde niemals irgendeine Art von Boykott Israels unterstützen“. Die Vergangenheit zeigt jedoch anderes auf und macht die Reaktion der israelischen Regierung erklärbar.

Orange France (Bild: Orange France; Quelle: flickr, Rechte: CC BY 2.0-Lizenz, Original: siehe Link, Teilausschnitt des Bildes)
Orange France – Stephan Richard bei einer Präsentation  (Bild: Orange France; Quelle: flickr, Rechte: CC BY 2.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Vorausgegangen war die geplante Beendigung der Partnerschaft des französischen Telekomkonzern Orange in Israel. Orange-Chef Stephane Richard hatte erklärt, sein Ziel sei es, den Lizenzvertrag mit dem israelischen Unternehmen Partner „so bald wie möglich“ zu beenden. „Wenn ich könnte, würde ich morgen alle Geschäftsbeziehungen mit Israel abbrechen“, so die Aussage Richards laut Israelnetz auf einer Presskonferenz in Kairo.

Unterstützung des Israel-Boykotts durch Orange?

Daraufhin waren Boykott-Vermutungen laut geworden, die seit Jahren, wie metropolico berichtete, von internationalen Nichtregierungsorganisationen gegen Israel gefahren werden, unter welchen Israel wirtschaftlich bislang jedoch so gut wie nicht zu leiden hatte.

Die BDS-Bewegungen rufen weltweit zum Boykott jeglicher israelischer Waren auf und beschränken sich hierbei nicht, wie oft behauptet, auf die umstrittenen Gebiete. Eine Initiative der Europäischen Union, wonach Produkte aus jüdischen Siedlungen in Judäa und Samaria nicht mehr als „Made in Israel“ gekennzeichnet werden dürfen, runden das Agieren gegen Israel ab. Die EU gefällt sich in der Begründung, dass es sich hier um eine Neuregelung zum verbesserten Verbraucherschutz gehe und deshalb eine klare Kennzeichnung des Herkunftsortes notwendig sei. In Israel hält man diese Begründung für vorgeschoben, denn für zahlreiche andere umstrittene Gebiete wie Nordzypern, Gibraltar, die Falkland-Inseln, die Westsahara, Tibet, Berg-Karabach oder den Kosovo gebe es keine entsprechende Regelung.

Der Vorstandsvorsitzende Richard habe den Rückzug seines Unternehmens lediglich als „Geschäftsstrategie“ benannt, so dessen Bemühungen um Schadensbegrenzung. Seine Worte seien falsch interpretiert worden.

Äußerungen Teil „einer orchestrierten globalen Kampagne“

In Jerusalem begnügte man sich nicht mit der Erklärung des französischen Außenministers Laurent Fabius, der bekräftigte, dass Frankreich, das ein Viertel der Geschäftsanteile an dem Telekomkonzern hält, Israel-Boykotte entschieden ablehne.

Der israelische Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zeigte sich mit der Erklärung unzufrieden. Richards Äußerungen zeugten von einer feindlichen Gesinnung und seien Teil „einer orchestrierten globalen Kampagne, Israel zu delegitimieren“, so Netanjahu auf einer Konferenz am Wochenende vor zwei Wochen. Der Regierungschef soll zudem dem israelischen Botschafter in Paris untersagt haben, Richards Ersuchen um ein Treffen zu akzeptieren. Wenn Richard sich erklären wolle, so Netanjahu, dann könne er nach Israel kommen und dies dort tun. Israelische Regierungsmitglieder forderten, so die FAZ, Richard wegen seiner „antisemitischen“ Äußerungen zu entlassen. Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin verlangten von der französischen Regierung, sich von Richard distanzieren.

Orange-Chef Richard war nun am Freitag nach einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nach Israel gereist . In einer anschließenden Erklärung zeigte sich Richard „tief und persönlich betroffen“ von den Folgen des Missverständnisses und die Verzerrung seiner jüngsten Äußerungen. Richard betonte nochmals, dass das Unternehmen Orange kein Interesse habe, sich in politische Debatten einzumischen. Orange „habe und werde niemals irgendeine Art von Boykott Israels unterstützen“. Das Unternehmen sei glücklich, in Israel zu sein und dort zu investieren.

Orange positionierte sich schon öfters gegen Israel

Wie Israelnetz weiter berichtet, heiße die israelische Firma in Wirklichkeit „Partner Communications Ltd.“, deren eigentlicher Besitzer der amerikanisch-israelische Geschäftsmann Haim Saban sei. „Partner“ nutze  lediglich das Logo von Orange und Vorgaben für die Kundenbeziehungen sowie für das Geschäftsgebaren. Der Vertrag sei schon 1998 unterschrieben worden, als Orange noch britisch war und der in Hongkong registrierten Hutchison Group gehörte, ehe die Firma von der französischen Telecom übernommen worden war.

Der zuständige Leiter von „Partner“ erklärte, dass die Franzosen keinerlei Mitspracherecht hätten. Die Erklärung von Richard sei einfach nur geschäftsschädigend und man vermute einen Alleingang des Franzosen. Nachdem „Partner“ für  die Verwendung des Markenzeichens von Orange Hunderte Millionen bezahle, überlege man sich rechtliche und „andere“ Schritte.

Das es sich bei der Aussage des Orange-Chef Stephane Richard nicht um eine Fehlinterpretation handeln könnte, wird durch die Tatsache untermauert, dass bei einer öffentlichen Präsentation in Paris vor einem Jahr die weltweiten Geschäftsverbindungen von Orange aufgezeigt wurden. Alle Geschäftsverbindungen wurden aufgezeigt, allein Israel fehlte. Der Chef von Orange in Frankreich entschuldigte sich dafür. Auch damals hieß es, dass es sich um ein Versehen handle.

Israelische Korrespondenten indes bestätigten jedoch, dass die Firma Orange sich schon öfters mit anti-israelischen Aktivitäten hervorgetan habe, was die harsche Reaktion der israelischen Regierung auf den letzten Vorfall erklärbar mache. (BS)