Düsseldorf: Bei den weiteren Befragungen der IS-Unterstützerin Karolina R. zeigte Richterin Barbara Havliza deutlich, ihr deren Naivität nicht abzukaufen. Obwohl Karolina R. ihr Handeln bereits in der Vorwoche eingeräumt hatte, hatte sie am Mittwoch die Chuzpe, den Medien vorzuwerfen, sie mit dem IS in Verbindung zu bringen.

Die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza (Bild) griff am Mittwoch konsequent durch (Bild: metropolico.org)
Die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza (Bild) kaufte Karolina R. ihre Naivität nicht ab (Bild: metropolico.org)

Am Mittwoch wurde die in der letzten Woche begonnene Befragung von Karolina R. fortgesetzt. Gegen Karolina R. wird seit dem 21. Januar vor dem sechsten Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts verhandelt. Die in Bonn wohnhafte 26-Jährige, die seit mehr als einem Jahr mit ihrem knapp dreijährigen Sohn in Untersuchungshaft sitzt, reiste im Oktober 2013 nach Syrien, um ihrem Mann Fared Saal Kameras zur Produktion von Propaganda-Videos und mehr als 5.000 Euro Bargeld zu übergeben. Später hatte sie ihm weitere rund 6.000 Euro zukommen lassen.

Fared Saal, der neben der algerischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hatte Bonn 2013 verlassen, um als Jihadist nach Syrien zu gehen. Später hatte er sich dort der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Gegenwärtig ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen möglicher Kriegverbrechen gegen ihn. In der Vorwoche hatte Karolina R. eingeräumt, ihrem Mann das Geld in dem Wissen gegeben zu haben, dass es dem IS zugutekommen könnte.

Dreiste Antwort auf die Frage nach ihrer IS-Begeisterung vom Vorjahr

Wie erwartet wurde sie am Mittwoch auch zu den Skype-Protokollen vom 23. März 2014 befragt. In diesem bereits Ende Januar verlesenen Chat lobte Karolina R. nur eine Woche vor ihrer Verhaftung das Handeln der IS-Terroristen in Syrien: „Sie richten nach Allahs Gesetzen, sie töten diejenigen, die getötet werden müssen.“ Und: „Sie ziehen es wenigstens durch und richten nach der Scharia.“ Die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza wollte wissen, wie Karolina R. heute dazu steht: „Ist das heute eine Belastung für Sie?“ R.s Antwort offenbarte eine Chuzpe, die Prozessbeobachtern die Sprache verschlug: „Ich ärgere mich schon, dass ich in den Medien immer mit dem IS in Verbindung gebracht werde.“ Nachdem sie sich erneut naiv gab und erzählte, dass sie nur ihrem Mann helfen wollte, riss der Richterin der Geduldsfaden: „Diese Florence Nightingale-Geschichte und das kleine Naivchen kann ich Ihnen nicht abkaufen. Ich glaube, dass Sie ganz schön hart drauf waren.“

Auf die Frage, wie sie heute zur Scharia steht, sagte die 2011 zum Islam konvertierte Bonnerin: „Scharia bedeutet für mich ein friedliches Miteinander.“ Sie betonte jedoch, dass die islamische Gesetzgebung nur dann eingeführt werden dürfe, wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung dafür ausspricht. An dieser Stelle konnte sich Havliza die Bemerkung nicht verkneifen, dass dies in Deutschland nicht der Fall sei. Als Karolina R. erneut davon sprach, nach ihrer Zeit in Haft erzieherisch tätig zu werden, fragte Barbara Havliza, ob sie sich vorstellen könnte, ihre islamische Kleidung abzulegen. R. antwortete, sich nicht vorstellen zu können, auf ein Kopftuch zu verzichten. Der Prozess wird am nächsten Mittwoch fortgesetzt. Es ist möglich, dass das Urteil bereits am 24. Juni verkündet wird. Erwartet wird, dass Karolina R. wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wird, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. (PH)

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