Düsseldorf: Briefe der Angeklagten Marco G. und Enea B. aus ihrer Haft, die in dieser Woche im Salafisten-Prozess verlesen wurden, offenbarten tiefe Einblicke in das Denken der radikalen Muslime. So sieht sich Marco G. als „von Allah auserwählt“, das Grundgesetz beschrieb er als „menschengemachten Dreck“. Enea B. bat Allah, „Juden und Christen zu vernichten“.

Die Briefe an die Bundesanwaltschaft offenbarten die Ideologie der radikalen Muslime (Bild: Deutsche Post AG, Quelle: Wikipedia, Rechte: Gemeinfrei, Original: siehe Link)
Die Briefe an die Bundesanwaltschaft offenbarten viel von der Ideologie der radikalen Muslime (Bild: Deutsche Post AG, Quelle: Wikipedia, Rechte: Gemeinfrei, Original: siehe Link)

Am Montag wurden im Salafisten-Prozess Briefe verlesen, die Marco G. und Enea B. in ihrer Haft geschrieben hatten. Gegen den 28-Jährigen Marco René G. wird seit September 2014 vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen versuchten Mordes und versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verhandelt, weil er am 10. Dezember 2012 versucht haben soll, auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofes eine selbstgebaute Rohrbombe zur Explosion zu bringen, um hierdurch möglichst viele Menschen zu töten.

Darüber hinaus wird G. vorgeworfen, gemeinsam mit Enea B. und zwei weiteren mitangeklagten Salafisten in Deutschland Attentate geplant zu haben, darunter ein Mordanschlag im März 2013 auf Markus Beisicht, den Vorsitzenden der Partei Pro NRW. Die Angeklagten sollen damit einem Aufruf deutscher Islamisten aus Pakistan gefolgt sein, Mitglieder von Pro NRW wegen des Zeigens von Mohammed-Karikaturen im Landtagswahlkampf 2012 zu ermorden. Das Attentat auf Beisicht scheiterte, die vier Salafisten wurden am 13. März 2013 verhaftet.

Einige der verlesenen Briefe Marco G.s waren an seine Mutter gerichtet. Einen Monat nach seiner Verhaftung schrieb er ihr aus dem Gefängnis: „Deshalb danke ich Allah und seinen Gesandten, an diesem Ort sein zu dürfen.“ Im September 2014, kurz nach Prozessbeginn, beklagte er jedoch „in die dreckigen Hände der Kreuzzügler gefallen“ zu sein, die einen „zionistischen Kreuzzug gegen den Islam“ führen würden. Im selben Schreiben bezeichnete er das deutsche Grundgesetz als „menschengemachten Dreck.“

Briefe an Bernhard Falk

Die meisten seiner Briefe aber waren an Bernhard Falk gerichtet. Der ehemalige Linksterrorist Falk konvertierte im Gefängnis zum Islam und betreibt jetzt eine „Gefangenenhilfe“ zur Betreuung inhaftierter muslimischer Häftlinge. Im Mai 2014 sprach Marco G. ihm gegenüber davon, „die verantwortlichen Kuffar-Regenten zugrunde gehen zu lassen.“ Und wie er sich selbst sieht, offenbarte er auch: „Da ich von Allah auserwählt und die große Ehre habe, in Gefangenschaft zu sein.“

Deutlicher wurde er im Oktober 2014, als er seinem Glaubensbruder erklärte, dass die „gesegneten Anschläge vom 11. September 2001″ nötig waren, „um diesen zionistischen Kreuzzug abzuwehren und die Ummah zu verteidigen.“ Auch die Anschläge 2004 in Madrid und 2005 in London bezeichnete er als „gesegnete Angriffe“. Damit aber waren seine Wünsche noch nicht befriedigt: „So Allah es will, wird es schon morgen Berlin oder Frankfurt treffen.“

Euphorisch war Marco G. offenbar nach den Terror-Anschlägen in Paris, die er als „das Attentat auf Frankreich“ bezeichnete. Im Januar sprach er in einem weiteren Brief an Bernhard Falk von „Rache und Lektion“ für die Dinge, die der Westen „im Namen von Meinungs- und Pressefreiheit“ erlaube. „Das ist erst der Anfang.“ Und: „Ein Wind der Angst weht durch die Städte Europas.“ Seine Wünsche an seine Glaubensbrüder in dem Schreiben waren eindeutig: „Möge Allah euch zum Erfolg verhelfen und eure Schüsse trefflich sein.“

Der Staatsanwältin wünscht Marco G. „ewiges Verderben“

Aber auch Staatsanwältin Duscha Gmel bekam Post von Marco G. In einem Brief vom 15. Juli 2014 beschwerte er sich bei ihr über deutsche Waffenlieferungen an Kurden und gezielte Tötungen deutscher Jihadisten durch die USA, bezeichnete sie als „Götzenanbeterin vom Generalbundesanwalt“ und prophezeite ihr „ewiges Verderben“. Aber er hatte noch mehr Vorwürfe an die Staatsanwältin: „Eure Verbrechen und eure uneingeschränkte Solidarität mit euren Herren in Washington und Tel Aviv.“ Sich und seine Brüder bezeichnete er in diesem Schreiben als „Diener Allahs und Beamte des islamischen Staates“. Und seine Botschaft an die Vertreterin des Rechtsstaates war klar und eindeutig: „Ihr rüstet auf, wir rüsten doppelt auf.“

Enea B. schrieb ebenfalls Briefe aus der Haft an seine Familie. Am 24. März 2013, also elf Tage nach seiner Verhaftung, teilte er dieser mit, dass er „wegen einer religiösen Angelegenheit in Deutschland im Gefängnis sitze“. Danach wurde Enea B. deutlicher und beschrieb Markus Beisicht als Feind seiner Religion, gab jedoch nur die gegen ihn gerichtete Anklage zu, aber nicht die Tat. Er betonte, dass er in der Haft gut behandelt werde und das Essen auch gut sei: „Hier ist es wie in einem Hotel.“ Seinen Dank dafür richtete er aber nicht an den deutschen Staat: „Ich danke Allah, dass ich die Ehre habe, für die Verteidigung des Propheten im Gefängnis sitzen zu können“. Im November 2014 jedoch hielt er seiner Mutter vor: „Ihr seid Kuffar.“ Und: „Werdet Muslime, dann werdet ihr mich auch verstehen.“ Auch dazu, wer dafür sorgen sollte, hatte er klare Vorstellungen: „Ich bitte Allah, er möge die Feinde des Islam vernichten und meiner Familie den Islam geben.“

„Möget ihr in ewigem Feuer verenden!“

Auch Enea B. richtete sein Wort „im Namen Allahs“ an die Bundesanwaltschaft, die er wenig freundlich als „Diener des Teufels“ anredete. Offenbar war er erbost darüber, dass auch seine Briefe gelesen wurden: „Ihr steckt eure Nasen in meine Briefe.“ Daran, welche Strafe die Bundesanwälte dafür erwarten sollte, ließ er keinen Zweifel: „Ihr werdet zusammen mit ihnen ins ewige Feuer gehen.“ Mit „ihnen“ waren die „Feinde des Islam“ gemeint, westliche Regierungschefs wie George W. Bush, Barack Obama, Angela Merkel und Tony Blair wurden von ihm aufgezählt. Und auch dazu, wie sich Bundesanwälte gegenüber seiner Religion zu verhalten haben, offenbarte Enea B. korangerechte Vorstellungen: „Ihr seid es, die Steuern auf Allahs Erde zahlen müssen. Und das auf unterwürfige Art!“ Und: „Möget ihr in ewigem Feuer verenden! Oh Allah, vernichte die Juden und die Christen!“

Als die Briefe verlesen wurden, behielt Marco G. zum wiederholten Male sein Käppi während der Verhandlung auf. Der Vorsitzende Richter Frank Schreiber ahndete das mit drei weiteren Tagen Ordnungshaft. Wirkung hatte das nicht; als am Dienstagmorgen ein Ermittler der Polizei über Observierungen der Angeklagten im Februar 2013 berichtete, hatte G. sein Käppi erneut auf dem Kopf. Auch zeigte er am Dienstag erneut durch demonstratives Blättern im Koran sein Desinteresse an diesem Verfahren. Der Prozess gegen die vier Salafisten wird am nächsten Montag fortgesetzt. Auf Milderung ihrer Strafe dürften Enea B. und Marco G. nach dieser Woche nicht mehr hoffen können. (PH)

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