Düsseldorf/Wuppertal: Gegen den mutmaßlichen Bonner Bombenleger Marco G. soll „strenge Isolationshaft“ verhängt worden sein. Dem seien „permanente anti-islamische Provokationen seitens der Schließer“ vorausgegangen, so der Islamist Bernhard Falk. Marco G.s bisheriges Verhalten vor Gericht lässt jedoch ganz andere Gründe für eine solche Disziplinarmaßnahme vermuten.

Marco G.s derzeitiger Wohnsitz: die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Vohwinkel (Bild: Frank Vincentz, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: siehe Link)
Marco G.s derzeitiger Wohnsitz: die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Vohwinkel (Bild: Frank Vincentz, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: siehe Link)

„Geehrte Geschwister, zeigt dem gefangenen Bruder Marco G. eure Solidarität, bi idhni-llah! Wie seine Mutter gestern den Bruder Falk benachrichtigte, befindet sich Bruder Marco G. zurzeit aufgrund einer ‚Disziplinarmaßnahme‘ der JVA Wuppertal in strenger Isolationshaft; vorangegangen waren in der JVA permanente anti-islamische Provokationen seitens der Schließer“, so Bernhard Falk am späten Donnerstagabend auf einer seiner Facebook-Seiten. Der ehemalige Linksterrorist Bernhard Falk konvertierte im Gefängnis zum Islam und betreibt jetzt eine „Gefangenenhilfe“ zur Betreuung inhaftierter muslimischer Häftlinge. Bei den von ihm betreuten Personen, darunter auch Marco G., handelt es sich zumeist um bereits verurteilte Terroristen oder Terrorverdächtige. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, mit seinen Aktivitäten zur Radikalisierung von Häftlingen beizutragen. Da Falks Aktivitäten jedoch keinerlei strafrechtliche Relevanz haben, müssen sich die Behörden auf seine Beobachtung beschränken.

Gegen den 28-Jährigen Marco René G. wird seit September 2014 vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen versuchten Mordes und versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verhandelt, weil er am 10. Dezember 2012 versucht haben soll, auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofes eine selbstgebaute Rohrbombe zur Explosion zu bringen, um hierdurch möglichst viele Menschen zu töten. Darüber hinaus wird G. vorgeworfen, gemeinsam seinen drei Mitangeklagten in Deutschland Attentate geplant zu haben, darunter ein Mordanschlag im März 2013 auf Markus Beisicht, den Vorsitzenden der Partei Pro NRW. Die Angeklagten sollen damit einem Aufruf deutscher Islamisten aus Pakistan gefolgt sein, Mitglieder von Pro NRW wegen des Zeigens von Mohammed-Karikaturen im Landtagswahlkampf 2012 zu ermorden. Das Attentat auf Beisicht scheiterte, die vier Salafisten wurden am 13. März 2013 verhaftet. Nach nur wenigen Tagen in der Justizvollzugsanstalt Dortmund wurde Marco G. nach Wuppertal gebracht, wo er bis heute inhaftiert ist.

Verhalten vor Gericht lässt anderes vermuten

Marco G.s bisheriges Verhalten vor Gericht lässt jedoch ganz andere Gründe für eine solche Disziplinarmaßnahme vermuten: In den ersten neun Monaten des Prozesses hat G. unzählige Ordnungsstrafen wegen Missachtung des Gerichts gesammelt. Im September musste er von vermummten Polizisten und an den Händen gefesselt zur Anklagebank zurückgebracht werden, weil er sich geweigert hatte, sein Gebet wegen der Fortsetzung der Verhandlung vorzeitig zu beenden. Dabei leistete er Widerstand, danach beschimpfte er das Gericht sowie anwesende Journalisten. Auch an die Vertreter der Bundesanwaltschaft richtete er kurz darauf sein Wort: „Ihr Juden“. Den Polizeibeamten drohte er: „Man sieht sich immer zweimal, ihr Pisser!“

Im Januar wurde in der JVA Wuppertal ein Brief von ihm einbehalten, in dem er die islamistischen Terror-Anschläge in Paris als „die gesegneten Anschläge von Paris“ bezeichnet hatte. Im Februar beschimpfte Marco G. den Vorsitzenden Richter Frank Schreiber als „dreckigen Kafir“. In den letzten Wochen zeigte er regelmäßig durch demonstratives Blättern im Koran sein Desinteresse an dem Verfahren – für seine Verhältnisse bereits eine Form von zivilisiertem Verhalten. Zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen hat Marco G. jedoch bislang nichts gesagt. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt, ein Ende des Verfahrens ist derzeit nicht in Sicht. (PH)

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