Die ATIB wirft dem ZDF „Kampagnen-Journalismus gegen seinen Verband“ vor. Das ZDF hatte am Dienstag eine spektakuläre Reportage über türkisch-rechtsextremistische Graue Wölfe in Deutschland gesendet. Am Freitag warf die ATIB, die darin ebenfalls Erwähnung fand, dem Sender „Generalverdacht gegen Muslime“ vor und kündigte rechtliche Schritte an.

Anhänger der Grauen Wölfe machen vor einem Marsch durch Düsseldorf Erinnerungsfotos (Bild: metropolico.org)
Anhänger der Grauen Wölfe machen vor einem Marsch durch Düsseldorf Erinnerungsfotos (Bild: metropolico.org)

„In den oben genannten Beiträgen wird seitens der Autoren tendenziös und realitätsfern pauschalisiert und diffamiert. Die Form der Berichterstattung bedient dumpfe Ressentiments, schürt Ängste in der Gesellschaft und bestätigt einmal mehr den Generalverdacht gegen die Muslime.“ Mit diesen Worten beschwerte sich die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine e.V. (ATIB) in einer Pressemitteilung über das ZDF. Die Überschrift der am Freitag von der Islamischen Zeitung abgedruckten Mitteilung lautete „Generalverdacht gegen die Muslime“.

Darin behauptet die ATIB, „dass die an vielen Stellen aufgeführten Zahlen und Statistiken, bestimmte Aussagen und Schlussfolgerungen weder der Realität entsprechen noch sich einer sachlichen Grundlage bedienen. Um einige aufzuzählen: Bereits sehr grundlegende Informationen, wie Gründungsort, Mitgliederzahl und Anzahl der Vereine entsprechen nicht der Realität. Die ATIB, gegründet 1987 in Mainz, als überparteilicher und in Deutschland verorteter Verband, hat weder Verbindungen zu einer Partei noch einer staatlichen Institution in der Türkei.“ Und: „Der Vorwurf des Faschismus und Rassismus ist fern von einem brüderlichen islamischen Verständnis der ATIB, deren Gründungsmitglieder von 1987 und heutiger Vorstand aus verschiedenen Ethnien besteht.“

Auch behauptet die ATIB von sich, „stets den gemäßigten ‚Weg der Mitte‘ im Islam“ zu gehen, „welcher sich gegen jeglichen Faschismus, Rassismus, Chauvinismus oder religiös motivierten Fundamentalismus ausspricht“. Der Verband verweist darauf, Gründungsmitglied des Zentralrat der Muslime zu sein und sich dort „stets für die Vielfalt im Islam“ einzusetzen. Abschließend kündigte die ATIB „rechtliche Schritte für eine Richtigstellung der Vorwürfe“ gegen „den unsachlichen und qualitativ schwachen Beitrag“ des ZDF an.

ATIB wurde schon vor der ZDF-Reportage den Grauen Wölfen zugerechnet

Das ZDF hatte am Dienstag darüber berichtet, dass sich Graue Wölfe und Salafisten in Deutschland vernetzen. Dabei wurde auch Marwan Abou-Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz zitiert, der die türkisch-rechtsextremistischen Graue Wölfe als „faschistische Organisation“ bezeichnet. Die von metropolico, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung bereits 2013 recherchierten Verbindungen der Grauen Wölfe zur nordrhein-westfälischen CDU fanden ebenfalls Erwähnung. Dass die ATIB den Grauen Wölfen zugerechnet wird, ist jedoch ein alter Hut und war bereits lange vor der spektakulären ZDF-Reportage bekannt.

Die Ideologie türkischer Rechtsextremisten ist der deutscher auffällig ähnlich: übersteigerter Nationalismus, Führer-Kult, die Überzeugung, dass die eigene Rasse überlegen sei und der Traum vom Großreich. Auch bei den Feindbildern gibt es Gemeinsamkeiten mit Neo-Nazis, deutsche und türkische Rechtsextremisten eint der Hass auf Juden und Homosexuelle. Lediglich das martialische „Allahu akbar“ ist islamtypisch und findet bei deutschen Neo-Nazis keine Verwendung. (PH)