Düsseldorf: Am Mittwoch wurden im IS-Prozess mehrere bei der Hauptangeklagten Karolina R. abgehörte Telefonate abgespielt. In den Gesprächen mit ihrem Mann, dem IS-Terroristen Fared Saal, präsentierte sie sich als überzeugte Anhängerin Allahs. Auch bot sie dem in Syrien weilenden Gatten an, Geld zu schicken. Wegen des „Unterhaltsdings“ und weil die ARGE ihre Miete zahle, habe sie gerade genug davon.

Beim Prozessauftakt wendete die vollverschleierte Karolina R. den Fotografen den Rücken zu und blätterte im Koran (Bild: metropolico.org)
Beim Prozessauftakt wendete die vollverschleierte Karolina R. den Fotografen den Rücken zu und blätterte im Koran (Bild: metropolico.org)

Gegen Karolina R. wird seit dem 21. Januar vor dem sechsten Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts verhandelt. Laut Anklage soll die 26-Jährige, die seit mehr als einem Jahr mit ihrem knapp dreijährigen Sohn in Untersuchungshaft sitzt, im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein, um Fared Saal Kameras zur Produktion von Propaganda-Videos und mehr als 5.000 Euro Bargeld zu übergeben. Später soll sie ihm weitere rund 6.000 Euro zukommen haben lassen.

Fared Saal, der neben der algerischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hatte Bonn 2013 verlassen, um als Jihadist nach Syrien zu gehen. Später hatte er sich dort der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Gegenwärtig ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen möglicher Kriegverbrechen gegen ihn. Auf einem im Internet veröffentlichten IS-Propagandavideo posierte Saal vor Leichen, die er als „Schweine“, „Tiere“ und „dreckige Kuffar“ bezeichnete. Dabei trat er auch mit seinem Stiefel gegen die Köpfe von Leichen. Zusammen mit der 2011 zum Islam konvertierten Karolina R. ist in diesem Verfahren auch der 22-jährige Ahmed-Sadiq M. angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit seiner Frau 2.200 Euro für den IS gesammelt haben.

„Weil Facebook auch von Juden ist“

In den Anfang Februar 2014 abgehörten und aufgezeichneten Gesprächen präsentierte sich Karolina R. als überzeugte Anhängerin Allahs, die etwa von ihren Aktivitäten auf Facebook erzählte, aber nicht ohne gleichzeitig vor dem sozialen Netzwerk zu warnen: „Weil Facebook auch von Juden ist.“ Und: „Kuffar benutzen das auch.“ Unterschiedliche Meinungen hatten Karolina R. und ihr Mann nur, als sie ihm vom „muslimischen Frauenschwimmen“ in Köln erzählte, an dem sie gerne teilnehmen würde, weil das „gut für ihren Rücken wäre“. Saal aber war davon nicht überzeugt: „Dann geh in die Badewanne.“ Und er wollte wissen: „Sind da auch Ungläubige?“

Hauptsächlich ging es in diesen Gesprächen jedoch um Saals Zeit in der Gefangenschaft der Freien Syrischen Armee (FSA) und um seine weiteren Aktivitäten. Fared Saal war kurz zuvor im Rahmen eines Gefangenaustausches von der FSA freigelassen worden. Karolina R. wollte wissen, was er in der Gefangenschaft zu Essen bekommen hatte und wie er behandelt wurde: „Durftet ihr beten und so?“ Saal beklagte, dass ihm in der Gefangenschaft „alles genommen wurde“, hatte aber bereits klare Vorstellungen von seiner unmittelbaren Zukunft. Er sprach von „Dawla“ (arabisch für Staat, wird als interne Bezeichnung für den IS benutzt) und das auch schon in der ersten Person Plural: „Wir haben Fallujah eingenommen und Bagdad wird auch noch eingenommen.“ Vorbehalte gegen den IS waren bei Karolina R. nur sehr wenig herauszuhören; als sie ihn fragte, ob es stimme, dass „Dawla“ Frauen in Hosen mit schwarzer Farbe besprühe, gab Saal eine unverständliche und kurze Antwort, die bei ihr sofortige Zustimmung auslöste: „Voll cool.“

Dank Sozialleistungen genug Geld

Karolina R. bot ihm mehrfach an, Geld zu schicken: „Ich kann dir auch noch Geld schicken. Sag mir wie viel, ich hab genug Geld.“ Und etwas später: „Ich denk mal 1.100 erst mal. Oder ist das zu wenig?“ Auch erzählte sie ihm, warum sie gerade genug Geld hatte; vom „Unterhaltsdings“ habe sie einen Bescheid sowie eine Nachzahlung in Höhe von 800 Euro bekommen. Und nachdem ihre Wohnung gekündigt wurde, weil sie mit der Miete sechs Monate im Rückstand war, habe die ARGE die Miete für die nächsten drei Monate übernommen.

Der Prozess gegen Karolina R. wird bereits am Donnerstag fortgesetzt, vermutlich mit dem Abspielen weiterer Gespräche dieser Art. Ihr Mitangeklagter Ahmed-Sadiq M. wird dann auch die Anreise mit dem Auto erstattet bekommen, um trotz des Lokführer-Streiks pünktlich bei Gericht sein zu können. Das wurde vom Senat zum Ende der Verhandlung am Mittwoch auf Nachfrage seiner Anwältin entschieden. Die Möglichkeit, dass Ahmed-Sadiq M., der im Verdacht steht, am 5. Mai 2012 in Bonn zusammen mit Glaubensbrüdern Polizisten mit Steinen beworfen zu haben, am Donnerstag einfach mal früher aufsteht, stand dabei für das Gericht nicht zur Debatte. Die wenigen Medienvertreter, die am Mittwoch im Gericht waren, mussten wegen des Streiks zwar teilweise ungleich längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen, haben aber dennoch alle mit dem Zug ihr Ziel erreicht. (PH)

Hier alle Artikel zum bisherigen Verlauf dieses Prozesses