Mönchengladbach: Nachdem sich der Verein Einladung zum Paradies 2011 nach Protesten zweier Bürgerinitiativen selbst aufgelöst hatte, wurde es still um die Salafisten am Niederrhein. Am Montag wurde jedoch bekannt, dass bekannte Mitglieder der Jihadisten-Szene Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren in einer Kampfsportart trainiert haben. Die Kampfsportschule wurde inzwischen geschlossen.

Salafisten (hier: in Mönchengladbach) lösen immer wieder Bürgerproteste aus (Bild: metropolico.org)
Salafisten in Mönchengladbach (Bild: metropolico.org)

Am Montag gaben Polizei und Stadt Mönchengladbach in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt, dass der Staatsschutz Hinweise erhalten hatte, dass in einer Halle auf der Giesenkirchener Straße regelmäßig Kinder und Jugendliche in einer Kampfsportart trainiert werden und es sich bei den verantwortlichen Übungsleitern um Personen aus der Jihadisten-Szene der Stadt handeln soll.

Die Ermittlungen ergaben, dass sich in dieser Halle tatsächlich regelmäßig eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen aufhielten. Auch wurden als Trainer und Verantwortliche der dort unter dem Namen „Time out“ geführten Kampfsportschule tatsächlich jahrelange Mitglieder der Jihadisten-Szene ermittelt. Zum Teil waren diese bereits im 2011 aufgelösten Salafisten-Verein Einladung zum Paradies (EZP) aktiv. Ein im Januar auf Anordnung der Bundesanwaltschaft festgenommener Syrien-Rückkehrer aus Rheydt hielt sich bis zu seiner Inhaftierung ebenfalls regelmäßig in den Aufenthalts- und Trainingsräumen der Kampfsportschule auf.

Die Stadtverwaltung führte entsprechende Überprüfungen der Räumlichkeiten durch. Dabei wurde festgestellt, dass die Betreiber verschiedene rechtliche Vorschriften zum Betrieb einer Sportschule nicht beachtet hatten. Die Betreiber schlossen daraufhin ihre Kampfsportschule.

Salafisten-Chef von Justiz geschützt?

2010 sorgten die Aktivitäten des Salafisten-Vereins EZP für große Empörung in Mönchengladbach. Der damalige Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) wie auch Landes-Innenminister Ralf Jäger (ebenfalls SPD) zeigten jedoch keine nennenswerten Reaktionen. Von der Landespolitik im Stich gelassen, organisierten sich die Menschen im betroffenen Stadtteil Eicken in Form zweier Bürgerinitiativen. Unterstützung bekamen diese dann von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der im Dezember 2010 ein Verbotsverfahren gegen EZP einleitete. Im Frühjahr 2011 kapitulierten die Salafisten und lösten ihren Verein selber wieder auf.

Letzter EZP-Vorsitzender war der ehemalige Feuerwehrmann Sven Lau. Nach 2011 war Lau mehrfach in Syrien, zuletzt machte er im September 2014 als kurzzeitiger „Scharia-Polizist“ in Wuppertal Schlagzeilen. Der gebürtige Mönchengladbacher genießt bis heute das Privileg, sich niemals vor Gericht verantworten zu müssen: Als er 2011 bei den Auseinandersetzungen mit den Bürgerinitiativen mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt kam, stellte eine Staatsschutz-Dezernentin der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft alle gegen Lau gerichteten Strafverfahren wieder ein. Seine Aktivitäten im syrischen Bürgerkrieg sowie sein Auftritt als „Scharia-Polizist“ hatten lediglich Ermittlungen, aber bislang keinerlei Anklage zur Folge. Auch Sven Lau soll sich häufig in der jetzt geschlossenen Kampfsportschule aufgehalten haben. (PH)

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