Wegen neuer Probleme mit dem Militärtransporter Airbus A.400M erwägt Frankreich den Kauf von Flugzeugen des Typs C-130 Hercules in den USA. Der als Pannen-Flieger in die Schlagzeilen geratene A.400M soll bei der Bundeswehr die veraltete C-160 Transall ersetzen. Diese wurde vor etwa einem halben Jahrhundert zusammen mit Frankreich entwickelt, weil die damalige deutsche Regierung im Gegensatz zum Rest der westlichen Welt aus Prestigegründen keine C-130 kaufen wollte.

Das zweite A.400M-Testflugzeug (Bild: MilborneOne, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: Siehe Link)
Das zweite A.400M-Testflugzeug (Bild: MilborneOne, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: siehe Link)

Wie metropolico berichtete, dürfte der neue Militärtransporter Airbus A.400M bis jetzt für den Einsatz in Konfliktregionen kaum brauchbar sein: Den ersten Flugzeugen, die die Airbus-Tochter Airbus Defence & Space an die Bundeswehr ausliefern wird, fehlt das bei Militärtransportern heutzutage übliche Raketen-Abwehrsystem. Airbus verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass dies vertraglich so nicht vereinbart gewesen sei. Die Bundeswehr habe diese Fähigkeit nicht als oberste Priorität genannt, somit handele es sich nicht um eine Minderleistung des Herstellers. Auch das sogenannte Absetzen aus der Luft, bei dem Fallschirmjäger und Material am Schirm aus dem Flugzeug zu Boden gelassen werden, ist vorerst nicht möglich. Erst Mitte 2015 sollen die dafür erforderlichen Flugtests absolviert und die entsprechenden Genehmigungen erteilt werden.

Der A.400M soll bei der Bundesluftwaffe die C-160 Transall ersetzen. Diese ist ein Resultat des deutschen Prestigedenkens: Weil das Bundesverteidigungsministerium im Gegensatz zu fast allen anderen westlichen Militärs nicht die von der US-Firma Lockheed gebaute C-130 Hercules kaufen und stattdessen ein mit deutscher Beteiligung entwickeltes Transportflugzeug haben wollte, wurde die C-160 vor rund einem halben Jahrhundert von einem deutsch-französischen Konsortium entwickelt und gebaut. Die schon seit vielen Jahren technisch veraltete C-160 ist bis heute bei der Luftwaffe im Einsatz. Der ist aber immer häufiger von Pannen gekennzeichnet; so waren beispielsweise im zweiten Quartal 2014 nur 32 von insgesamt 57 Transall einsatzfähig. Die Bundeswehr hat insgesamt 53 A.400M bestellt. 40 davon sollen bis Ende 2018 in Dienst gestellt werden, 13 sollen direkt weiterverkauft werden.

Selbst Frankreich will wieder in den USA kaufen

Einem Bericht des französischen Fachmagazins Aero et Cosmos zufolge erwägt Frankreich wegen neuer Probleme mit dem A.400M nunmehr den Kauf von C-130-Transportern in den USA. Im Gespräch sei die Anschaffung von Flugzeugen der modernisierten Variante C-130J Super Hercules. Demnach könnte es bereits in den kommenden Wochen eine Einigung zwischen den Regierungen in Paris und Washington geben. Die französische Luftwaffe verfügt bereits über ältere Hercules-Flugzeuge vom Typ C-130H. Hintergrund dieses Abrücken vom A.400M ist dessen fehlende Fähigkeit zur Luftbetankung von Hubschraubern. Die durch die Propeller des Transportfliegers ausgelösten Turbulenzen würden diesen Vorgang zu gefährlich machen. Airbus hingegen erklärte, an der Zertifizierung für die Luftbetankung von Hubschraubern „werde gearbeitet“.

Zumindest von dieser Panne ist die Bundeswehr nicht betroffen, da für deren Hubschrauber keine Luftbetankung vorgesehen ist. Die Luftwaffe will den A.400M nur selbst betanken lassen oder möglicherweise als Tanker für Starrflügler einsetzen. Wünsche nach einem luftbetankungsfähigen Hubschrauber gebe es bei der Bundeswehr derzeit nicht, so ein Militärexperte am Wochenende gegenüber metropolico. (PH)