70 ehrenamtliche Experten der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) sollen die  Lutherbibel modernisieren und dem Wort Gottes so eine gendergerechte Sprache verpassen. Die „geschlechtergerechte“ und  somit „weiblichere“ Ausgabe der Lutherbibel erscheint im Oktober 2016 – rechtzeitig zum Start des 500. Reformationsjubiläums.

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Die erste vollständige Bibelübersetzung von Martin Luther 1534 (Bild: gemeinfrei)

Die Lutherbibel vor knapp 500 Jahren vom Reformator Luther, in der damalig gängigen Sprache verfasst, soll eine moderne Lesart bekommen. Die theologische und kulturhistorische Kostbarkeit, die von rund 23,4 Millionen Deutschen in der evangelischen Kirche genutzt wird, soll – wie das Hamburger Abendblatt berichtet– von 70 ehrenamtlichen Experten aus den Bereichen Liturgie, Exegese und Germanistik in eine moderne Form gegossen werden.

„Bei aller Begeisterung für die schöne Sprache der Luther-Übersetzung ist es notwendig, jetzt zu überprüfen, ob durch den gewandelten Sprachgebrauch manche Sätze unverständlich geworden sind“, so die mitverantwortliche evangelische Theologin der Universität Hamburg, Frau Prof. Christine Gerber.

Erscheinen soll der theologische Neuguß am 31. Oktober 2016 – zum 500. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg. Welche Bestandteile und wie stark die Lutherbibel geändert werden sei noch unklar.

Eliminieren von Verstärkungen unsachgemäßer patriarchalischer Muster

Der deutschen Sprache Luthers solle keine Gewalt angetan werden, immerhin habe der Reformator mit seinem „geschliffenen Ausdruck und einem reichen Wortschatz“ die Deutsche Sprache und Literatur tiefgreifend geprägt, so einer der Verantwortlichen. Die neue Bibel solle jedoch gendergerechter werden. So wird beispielsweise aus „Brüder“ -„Brüder und Schwestern“. Die Bezeichnung „Weib“ soll weitgehend durch „Frau“ ersetzt werden.

Man werde sehr genau bewerten, wo im Text „patriarchalische Muster unsachgemäß verstärkt“ werden“. Der Jahrtausende Jahre alte Text sei damit im 21. Jahrhundert angekommen und solle auch für heutige Generationen lesbar bleiben, so Altbischof Professor Christoph Kähler, der den vom Rat der EKD eingesetzten Lenkungsausschuss leitet.

Bekannte Stellen sollen ungegendert bleiben

Sehr bekannte Stellen der Bibel, wie die Weihnachtsgeschichte oder das Vaterunser, werden nur sehr behutsam oder gar nicht gegendert. Besonders beliebte Passagen wie etwa Psalm 23 – Der Herr ist mein Hirte –  dürften nicht einfach geändert werden, da sie oft auswendig gelernt wurden und einen zentralen Stellenwert in den Gemeinden einnehmen würden, so der Professor beruhigend.

Die Anpassung geschehe, da aus feministischen Kreisen die  Forderung nach einer gendergerechteren Sprache seit längerem schon bestehe. Zum anderen sei die Fassung aus dem Jahr 1984 nicht befriedigend. Die Experten stützen sich nun verstärkt auf die letzte 1545 von Luther verbesserte Bibel-Übersetzung sowie auf die originalen griechischen und hebräischen Texte. Die Apokryphen seien in den bisherigen Überarbeitungen vernachlässigt worden und müssten in Teilen komplett neu übersetzt werden“, sagt Prof. Kähler.

Katholischer Genderversuch fiel durch

Die katholische Kirche unterzog die biblischen Schriften ebenfalls einer sprachlichen Modernisierung. Die „Bibel in gerechter Sprache“ erschien 2006 und wurde von 40 weiblichen und 12 männlichen Bibelwissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet. Das Ergebnis wurde insbesondere vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kritisiert.

Die Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen Martin Luthers und seiner Mitarbeiter zwischen 1521 und 1545. Die Übersetzung des Neuen Testaments erschien im September des Jahres 1522. In den Folgejahren wurden weitere biblische Bücher übersetzt. Im Jahr 1534 erschien die erste Gesamtausgabe. Die letzte von Luther selbst durchgesehene Gesamtausgabe der Bibel ist datiert auf das Jahr 1545.  Die Lutherbibel ist eine Übersetzung des Alten und Neuen Testaments der Bibel aus der althebräischen, der aramäischen beziehungsweise der altgriechischen Sprache in die frühneuhochdeutsche Sprache. (BS)