Als Sven Lau 2014 wegen Terror-Verdachts in der JVA Mannheim einsaß, verkündeten die Salafisten, dass er sich dort erfolgreich der Missionierung anderer Häftlinge zum Islam widmen würde. Inzwischen spricht aber alles dafür, dass Lau im Gefängnis an christlichen Gottesdiensten teilgenommen und die Pfarrer „penetrant“ zu seiner Seelsorge beansprucht hat.

Sven Lau (Bild: metropolico.org)
Sven Lau (Bild: metropolico.org)

Am 24. Februar 2014 wurde der Salafisten-Prediger Sven Lau in seiner Heimatstadt Mönchengladbach verhaftet, danach wurde er in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim eingeliefert. Vorgeworfen wurde ihm die Rekrutierung von Jihadisten sowie das Überbringen von Geld und Ausrüstung für in Syrien aktive Terror-Gruppen veranlasst zu haben. Von der nordrhein-westfälischen Justiz hatte Lau nie etwas zu befürchten, aber wegen einer Verhaftung zweier Salafisten auf dem Weg nach Syrien auf einer baden-württembergischen Autobahnraststätte im November 2013 war plötzlich die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zuständig, die ihn schnell als Hintermann ermittelte und auch einen Haftbefehl gegen ihn erwirkte. Bereits kurz nach Laus Verhaftung riefen so prominente Salafisten wie Pierre Vogel zu dessen „Befreiung“ auf, auch der im Gefängnis zum Islam konvertierte ehemalige Linksterrorist Bernhard Falk bekundete seine Solidarität. Auch fand in Mannheim eine von der Salafisten-Prominenz organisierte und besuchte Kundgebung statt, auf der die Freilassung Sven Laus gefordert wurde.

Die kam auch kurz darauf, allerdings aus ganz anderen Gründen: Am 8. Mai 2014 wurde vom Bundesgerichtshof (BGH) ein Urteil gegen einen salafistischen Bombenbauer aufgehoben und dabei festgelegt, dass eine Verurteilung nach dem Antiterror-Paragraphen 89a StGB nur noch dann erfolgen darf, wenn dem Täter nachgewiesen wurde, dass er „fest entschlossen“ war, eine schwere staatsgefährdende Straftat zu begehen. Dieser vom BGH nunmehr geforderte Nachweis ist faktisch aber nur durch Anschlagspläne im Endstadium oder den vollendeten Anschlag zu erbringen, womit die Stuttgarter Staatsanwaltschaft trotz ihrer erfolgreichen Ermittlungen gezwungen war, die Anklage gegen Lau wieder zurückzunehmen. Am 22. Mai 2014 musste er wieder aus der Haft entlassen werden. Sven Lau ging nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sofort nach Wuppertal, wo er Anfang September zusammen mit Glaubensbrüdern für kurze Zeit als selbsternannter „Scharia-Polizist“ aktiv war.

Salafisten-Propaganda erzählt von Islam-Missionierung im Gefängnis

In seiner rund dreimonatigen Haftzeit in der JVA Mannheim soll Sven Lau Häftlinge zum Islam bekehrt haben; so erklärte sein Anwalt Mutlu Günal am 28. März 2014 auf Nachfrage der Salafisten-Seite DAWA-NEWS, dass „Abu Adam“ alias Sven Lau die Haft „mit Stolz und Würde ertrage“ und es ihm gut gehe. Er nutze die Zeit im Gefängnis, um den Koran weiter zu studieren. Seine Haftzeit betrachte er als „Prüfung Gottes“. Auch berichtete Günal darüber, dass sich viele muslimische und auch nicht-muslimische Insassen der JVA an Sven Lau gewandt hätten, um sich von ihm den Islam und das Gebet „erklären zu lassen“. Mit der „Erlaubnis Allahs“ seien nach Gesprächen mit Sven Lau bereits drei christliche Gefangene zum Islam konvertiert. Eine Darstellung, die DAWA-NEWS mit den Worten „alhamdulillah, Allahu Akbar!“ kommentierte.

Eine Darstellung, die Sven Lau viel Popularität bei den Salafisten eingebracht hat, aber offensichtlich nicht der Wahrheit entspricht: Bei einer Veranstaltung des bayerischen Justizministeriums am 2. März in München hielt auch Thomas Weber, der Leiter der JVA Mannheim, eine Rede. Weber berichtete in anonymisierter Form über einen muslimischen Häftling, der im Februar 2014 in die JVA eingeliefert wurde. Der Häftling galt „als eine der Führungspersonen der salafistischen Szene in Deutschland“, ihm wurde vorgeworfen, Gesinnungsgenossen für den Jihad angeworben und diese beauftragt zu haben, Geld und Ausrüstungsgegenstände in den syrischen Bürgerkrieg zu bringen. Bei diesem Häftling habe es nach dessen Einlieferung Solidaritäts-Bekundungen aus der Salafisten-Szene und auch eine Solidaritäts-Kundgebung für ihn in Mannheim gegeben. In diesem Zusammenhang fallen auch die Namen Pierre Vogel und Bernhard Falk. Und obwohl Thomas Weber – die Vorschriften des Datenschutzes strikt beachtend – den muslimischen Häftling kein einziges Mal beim Namen nennt, dürfte jedem im Raum klar gewesen sein, dass er von Sven Lau redet. (Im unten folgenden Video von metropolico-TV sind Webers Ausführungen ab Minute 11:35 zu sehen)

In Wahrheit christliche Gottesdienste besucht und Pfarrer beansprucht?

Aber was der Leiter der Mannheimer JVA dann erzählte, verblüffte alle: Aufgrund der Besonderheiten des Tatvorwurfs wurde bei dem muslimischen Häftling ein sogenannter Beobachtungsbogen geführt, aufgrund dessen der Vollzugsverlauf als „auffällig unauffällig“ bezeichnet wurde. So ging der Häftling in einem Unternehmerbetrieb arbeiten, nahm regelmäßig das Sport- und Freizeitangebot der Anstalt wahr und suchte von Anfang an die Nähe zu anderen muslimischen Häftlingen. „Ein besonderer missionarischer Eifer seinerseits war dabei aber nicht zu erkennen“, so Weber. Im Gegenteil, der Häftling suchte von Anfang an die Nähe zu den christlichen Anstalts-Seelsorgern, teilweise „täglich penetrant“, wie ein Eintrag im Beobachtungsbogen dokumentierte. Er „wandte sich in seelsorgerlichen Fragen wie selbstverständlich an die Pfarrer, besuchte regelmäßig die von diesen geleiteten Untersuchungshaft-Gesprächsgruppen und nahm, neben dem Gebet für die Muslime, auch am christlichen Gottesdienst teil, so zum Beispiel während des Osterfestes“, so Thomas Weber weiter. Dass drei Mitinsassen seinetwegen zum Islam konvertiert seien, ließ sich nicht belegen und wurde von ihm auch „ausdrücklich bestritten“.

Die Haftzeit endete Ende Mai 2014, als der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wurde. „Einen Gesinnungswandel hat die Zeit in der JVA Mannheim nicht bewirkt, bereits im September 2014 sorgte er durch eine medienwirksame Aktion für bundesweites Aufsehen“, so die abschließende Aussage des Gefängnisleiters Weber zu dem namentlich nicht genannten muslimischem Häftling. Mit der „medienwirksamen Aktion“ im September 2014 dürfte sein Auftritt als „Scharia-Polizist“ gemeint sein, womit keinerlei Zweifel mehr daran bestehen dürften, dass der JVA-Leiter trotz seiner anonymisierten Darstellung nicht weniger gemacht hat, als Sven Laus Verhalten in der Haft detailliert zu schildern.

Damit spricht alles dafür, dass einer der bekanntesten Salafisten Deutschlands, der am Samstag in Wuppertal eine Solidaritäts-Kundgebung für „muslimische Gefangene weltweit“ abhalten will und erst vor wenigen Wochen in einem seiner unzähligen Propaganda-Videos davon gesprochen hat, dass Muslime den „Kuffar“, den „Ungläubigen“, weder glauben noch trauen sollen, während seiner dreimonatigen Haftzeit nicht für den Islam missioniert, sondern stattdessen christliche Gottesdienste besucht und die christlichen Gefängnis-Seelsorger bei jeder Gelegenheit in Anspruch genommen hat. Sven Laus Anwalt Mutlu Günal war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (CJ/PH)

Hier das Video zur Fachtagung zu Salafisten in Haft:

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