Düsseldorf: Im Prozess gegen Karolina R. sagte am Donnerstag eine Freundin als Zeugin aus, in deren Wohnung die mutmaßliche IS-Unterstützerin geheiratet hatte. Die Gäste der islamischen Eheschließung wurden nach Geschlechtern getrennt. Internet-Einträge des Ehemannes aus dem Jahr 2014 offenbarten dessen religiös-terroristische Ideologie, ließen aber den Bezug zu den Vorwürfen gegen seine Frau vermissen.

Karolina R. beim Betreten des Gerichtssaals (Bild: metropolico.org)
Karolina R. beim Betreten des Gerichtssaals (Bild: metropolico.org)

Am Donnerstag sagte vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) eine Freundin von Karolina R. als Zeugin aus. Die Schwester der Zeugin wurde bereits vor zwei Wochen vernommen. Gegen Karolina R. und zwei Mitangeklagte wird seit dem 21. Januar vor dem sechsten Strafsenat des OLG verhandelt. Laut Anklage soll die 25-jährige Islam-Konvertitin, die seit etwa zehn Monaten mit ihrem zweijährigen Sohn in Untersuchungshaft sitzt, im Oktober 2013 nach Syrien gereist sein, um ihrem Ehemann Fared Saal Kameras zur Produktion von Propaganda-Videos und mehr als 5.000 Euro Bargeld zu übergeben. Später soll sie ihm weitere rund 6.000 Euro zukommen haben lassen. Der algerisch-deutsche Fared Saal hatte Bonn verlassen, um als Jihadist nach Syrien zu gehen. Später hatte er sich dort der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Gegenwärtig ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Saal wegen möglicher Kriegverbrechen.

Die Zeugin erschien im Tschador und mit einem Anwalt als Zeugenbeistand. Als Muslima freute sie sich über die Konvertierung von Karolina R.: „Für mich war es schön, dass sie konvertiert ist und dass sie sich bedeckt und so.“ Als Karolina R. und Fared Saal in ihrer Wohnung nach islamischem Ritus miteinender verheiratet wurden, gab es auch bei den Hochzeitsgästen die Trennung nach Geschlechtern. Karolina R. wurde im Flur gefragt, ob sie Fared Saals Frau werden will, der Ehemann war in diesem Augenblick nicht dabei. „So eine Eheschließung findet ja getrennt statt“, so die Zeugin. „Hauptsache, die Zeugen hören ihr ‚Ja‘ – und das war’s.“

Das gemeinsame Baby darf nicht in die Wohnung der Großeltern

Später verbot Fared Saal seiner Frau den Kontakt zu der Zeugin. Hintergrund war ein Streit zwischen Saal und ihr; er hatte seiner Frau verboten, das gemeinsame Baby mit in die Wohnung ihrer Eltern zu nehmen, weil dort Alkohol aufbewahrt werde. Daraufhin bezeichnete die Zeugin ihn als „A…loch“. Aber zu der Syrien-Reise von Karolina R. und Fared Saal konnte sie nur wenig erzählen, auch nicht dazu, woher das islamische Ehepaar das Geld dazu hatte. Als sie aus den Medien von der Verhaftung ihrer Freundin erfahren hatte, sei sie „geschockt“ und „traurig“ gewesen.

Nach der Vernehmung der Zeugin wurde der Gerichtssaal verdunkelt, um unzählige Einträge auf der Instagram-Seite von „abu_luqmaan_al_almani“ mit Hilfe einer Leinwand in Augenschein zu nehmen. Hinter diesem Kampfnamen verbirgt sich Fared Saal. Viele der Fotos und Kurzvideos in diesen Einträgen zeigen ihn und seinen „Bruder“ Denis Cuspert, den zum Islam konvertierten Ex-Rapper Deso Dogg, im syrischen Bürgerkrieg. Ein Bild zeigt den lachenden Cuspert mit einem Schnellfeuergewehr, in anderen Internet-Einträgen schwärmt Saal von seiner Waffe und macht Sprüche wie „Bereit für den Tod“ oder „Der Jihad braucht Männer, aber Männer brauchen auch den Jihad“.

„Das ist ja ein Ruf, den man ab und zu vernimmt“

Ein anderes Bild auf Fared Saals Instagram-Seite zeigte eine aus dem Wasser ragende Hand, darunter war folgender Spruch zu lesen: „Wenn Du einen Zionisten siehst ertrinken, wink ihm zu und lass‘ ihn sinken.“ Saals eigener Kommentar dazu lautete „Wahre Worte“, die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza jedoch war entsetzt: „Großer Gott!“ Havliza ließ es sich nicht nehmen, das sich häufig wiederholende „Allahu akbar“ der Islamisten ihrerseits zu kommentieren: „Das ist ja ein Ruf, den man ab und zu vernimmt.“ Insbesondere über die Schreibweise der Kommentierungen machte sie mehrfach ironische Bemerkungen: „Ohne Interpunktion zu schreiben, ist wirklich nicht schön zu lesen.“ Dass ihr Verständnis für Islamisten begrenzt ist, zeigte sich auch, als sie den im Gefängnis zum Islam konvertierten ehemaligen Linksterroristen Bernhard Falk, der die Verhandlung mit einem Begleiter im Zuschauerraum sitzend verfolgte, ermahnte, sich zukünftig weniger laut zu unterhalten – sonst würde er „wie in der Schule vor die Tür gesetzt“.

Den ausführlich gezeigten Internet-Einträgen von Fared Saals Instagram-Konto konnte deutlich entnommen werden, dass es sich bei ihm wie auch bei Denis Cuspert um Terroristen aus religiöser Überzeugung handelt. Unter rechtsstaatlichen Aspekten betrachtet bleibt die Vorführung der Bilder und Kurzvideos dennoch mit einem „Gschmäckle“ behaftet, denn die Instagram-Einträge wurden von Fared Saal erst Monate nach Karolina R.s Verhaftung am 31. März 2014 veröffentlicht und lassen damit keinerlei Rückschlüsse auf ihr Wissen oder ihre Absichten zum Zeitpunkt der ihr zu Last gelegten Taten zu. „Das war reine Stimmungsmache, mit den Vorwürfen gegen meine Mandantin hatte das nichts zu tun“, so Karolina R.s Verteidiger Carsten Rubarth nach Sitzungsende gegenüber metropolico. Rubarth wies bereits zu Prozessbeginn darauf hin, dass es in Deutschland keine Sippenhaft gebe. Der Prozess gegen die drei mutmaßlichen IS-Unterstützer wird am nächsten Mittwoch fortgesetzt. (PH)

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