Die Kapitalflucht aus Griechenland hat sich im Januar dramatisch beschleunigt. Pro Werktag hat das Eurosystem Griechenland mehr als eine Milliarde Euro an neuen Überziehungskrediten gewährt. Die Haftung des deutschen Steuerzahlers gegenüber Griechenland stieg durch diese Entwicklung erneut erheblich an. 

Professor Hans-Werner Sinn bedauert die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum ESM (Bild: metropolico.org)
Professor Hans-Werner Sinn – Chef des Ifo-Instituts München  (Bild: metropolico.org)

Die Kapitalflucht aus Griechenland hat sich im Januar dramatisch beschleunigt. Das ifo- Institut teilt in einer aktuellen Pressemitteilung mit, dass die griechische Notenbank die anderen Notenbanken der Eurozone sowie die EZB-Zentrale bat, zu ihren Lasten netto knapp 27 Milliarden Euro auf ausländischen Konten gutzuschreiben.  

Auf diese Weise hat das Eurosystem Griechenland pro Werktag mehr als eine Milliarde Euro an neuen Überziehungskrediten gewährt. Das gehe aus neuesten Zahlen der griechischen Zentralbank hervor, wie das ifo Institut am Freitag in München berichtete. „Die EZB sollte die griechische Regierung durch den Stopp neuer Notkredite zwingen, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen, damit nicht wieder dasselbe passiert wie 2012 in Zypern“ verlangte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.  

Target-Kredite Griechenlands auf 76 Milliarden Euro angestiegen

In Zypern hatte das Zentralbankensystem 11 Milliarden Euro oder nahezu 60 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung an Target-Krediten gewährt, bevor die Kapitalverkehrskontrollen eingeführt wurden. Diese Kredite habe das Fluchtkapital vor Vermögensverlusten geschützt und die Parlamente der Euroländer sowie den Internationalen Währungsfonds (IWF) anschließend gezwungen, Zypern als Ersatz für die EZB-Kredite 10 Milliarden Euro an fiskalischen Krediten der Rettungssysteme zu gewähren. 

Durch die Kapitalflucht im Januar stieg die Gesamtsumme der Target-Kredite Griechenlands auf 76 Milliarden Euro oder 41 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Summe der fiskalischen und quasi-fiskalischen Rettungskredite für Griechenland stieg damit von 264 Milliarden Euro Ende Dezember auf 290 Milliarden Euro Ende Januar, wobei schon berücksichtigt ist, dass Griechenland im Januar etwa eine halbe Milliarde Euro an den IWF zurückgezahlt hat. Das sind 158 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.  

Die Haftung des deutschen Steuerzahlers gegenüber Griechenland stieg durch diese Entwicklung erneut erheblich an. Im Falle eines Konkurses des griechischen Staates und der Banken läge der Verlust des deutschen Staates uns somit des Steuerzahlern nun bei maximal 86 Milliarden Euro. Im Falle eines Konkurses des griechischen Staates und der Notenbank sowie eines Austritts aus dem Euro läge er bei maximal 84 Milliarden Euro, so das ifo-Institut. (BS)