Düsseldorf: Gegendemonstrationen verhinderten am Mittwoch den Abendspaziergang von Pegida-NRW vor dem nordrhein-westfälischen Landtag. Gastredner Michael Stürzenberger aus München fiel zumeist durch drastische Wortwahl auf und warf den Linken vor, ebenso mit dem Islam zu paktieren wie früher die Nazis.

Michael Stürzenberger war am Mittwoch zu Gast bei Pegida-NRW (Bild: metropolico.org)
Michael Stürzenberger war am Mittwoch zu Gast bei Pegida-NRW (Bild: metropolico.org)

„Wir alle sind NRW.“ So lautete die in den Fenstern des Landtages angebrachte Botschaft, mit der die Pegida-Anhänger am Mittwochabend in Düsseldorf empfangen wurden. Unter diesem Spruch befanden sich ein Halbmond, ein Davidstern sowie ein christliches Kreuz. Michael Stürzenberger, Vorsitzender der Partei Die Freiheit und Gastredner auf der Kundgebung von Pegida-NRW, verortete die Grünen dahinter: „Die leben in einem Parallel-Universum, in dem alles wunderbar ist. Das ist wie im Taka-Tuka-Land“, so der umstrittene Islam-Kritiker aus München vor Kundgebungsbeginn gegenüber metropolico. Die linksextreme Antifa, die ebenfalls zu Protesten gegen Pegida-NRW vor Ort war, bezeichnete er als „Rotfaschisten“.

Gastgeber Marco Carta-Probach, Chef von Pegida-NRW, dem offiziellen Ableger des Dresdner Vereins Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida), richtete zu Beginn der Veranstaltung seine Worte direkt an die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin: „Frau Hannelore Kraft, können Sie mich hören? Ich habe Sie nach Duisburg eingeladen, Sie sind nicht gekommen, deswegen sind wir hier.“

„Koran Betriebsanleitung für IS-Terroristen“

Hauptredner am Mittwochabend war aber Michael Stürzenberger, der sich in seinen erschöpfenden Reden mit der Islamisierung Deutschlands auseinandersetzte. Fachkenntnisse dazu ließ er jedoch nur selten durchblicken, hierbei verwies er auf den ebenfalls anwesenden Islam-Kritiker Jürgen Grimm, den er als „wandelndes Lexikon“ dazu bezeichnete. Seine drastische Wortwahl brachte Stürzenberger immer wieder den lauten Beifall der laut Veranstalter etwa 100 Kundgebungsteilnehmer ein. Den Koran, den er bei seinen Reden vor sich liegen hatte, bezeichnete er als „Betriebsanleitung für IS-Terroristen“ sowie den Islam als faschistische Ideologie. Den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, nannte er einen „Heuchler, Lügner und Täuscher“. Die Grünen bezeichnete er als „Volksverräter“ und „Meinungsfaschisten“, die „mit ihrer linken Ideologie das Land vergiften“.

Auch ließ Stürzenberger in seinen Reden vor dem Düsseldorfer Landtag keinen Zweifel daran, dass er die heutigen Linksextremisten als Nachfolger der National-Sozialisten betrachtet. Den Linken warf er vor, sich ebenso mit dem Islam zu verbünden wie früher die Nazis. Aber nicht jeder griff seine Kritik am Islam auf; ein anderer Redner kritisierte das geplante Freihandelsabkommen mit den USA sowie die „Kriegshetze gegen Russland“. Die militärischen Aktivitäten der von Russland unterstützten ostukrainischen Separatisten wurden jedoch, wie immer auf Pegida-Kundgebungen, mit keinem Wort erwähnt.

Spaziergang entlang des Rheins wurde nicht erlaubt

Die Pegida-Anhänger waren mit sechs Gegendemonstrationen konfrontiert, an denen laut Polizei insgesamt etwa 700 Menschen teilgenommen haben. Vier der sechs Gegenkundgebungen fanden in unmittelbarer Nähe statt und kreisten die Pegida-Veranstaltung ein. Eine Gegenkundgebung wurde von den Grünen organisiert, auf einer anderen waren Vertreter der „Linkspartei“ zu sehen. Immer wieder versuchten die Gegendemonstranten die Pegida-Kundgebung mit Rufen wie „Haut ab“ oder „Nazis raus“ zu übertönen. Auch konnte der Abendspaziergang der Pegida-Anhänger entlang des Rheins nicht stattfinden; auf Nachfrage von metropolico, warum dieser nicht erlaubt wurde, erklärte ein Polizeisprecher, dass aufgrund der Gegendemonstranten „kein Durchkommen möglich“ gewesen wäre.

Dennoch zeigte sich Marco Carta-Probach gegenüber metropolico mit der Veranstaltung zufrieden: „Es war wunderbar, dass der Michael da war. Das ist ein weiterer Stich in die Ferse des Systems. Und Pegida-NRW macht jede Woche weiter.“ Auch bedankte sich Carta-Probach bei der Polizei für den Schutz der Pegida-Anhänger. Die nächste Kundgebung von Pegida-NRW findet am 2. März in Duisburg statt. (PH)