Konservative und Linke als Opfer islamischen Terrors, Konservative und Linke als Verteidiger der Täter. Und auch die Kirche hat eine eigene Meinung, nicht nur zur Demonstration in Köln, sondern auch zum Anschlag in Paris.

Rechts und Links gehen nicht immer getrennte Wege. (Bild: metropolico.org)
Rechts und Links gehen nicht immer getrennte Wege (Bild: metropolico.org)

Die alten Kategorien von links und rechts gälten heute nicht mehr. Das wird gleich einer Beschwörungsformel immer wieder behauptet. Sobald es dann opportun erscheint, wird diese Formel von allen wieder über Bord geworfen, sei es, um bei Mangel an Argumenten den Gegner als radikal oder extremistisch darzustellen, sei es, um in trotziger Machtlosigkeit sich selbst als radikal und extrem und somit als Speerspitze der Meinungsfreiheit hervorzutun.

Dass die Unterschiede zwischen Rechts und Links tatsächlich doch viel weniger bedeuten, als es bei solchen Meinungsschauläufen scheint, wird klar, wenn man die Beteiligten an der Aufarbeitung islamisch bedingter Anschläge auf die Meinungsfreiheit unter die Lupe nimmt. Zunächst fällt auf, dass die Opfer in ihrem Selbstverständnis und in der Außenwahrnehmung ganz unterschiedlichen Seiten des politischen Spektrums angehören. Während die dänische Jyllands-Posten, die im Jahr 2005 mit den dort veröffentlichten Mohammed-Karikaturen in das Schussfeld islamischer Angriffe geraten war, als konservativ bezeichnet werden kann, ist Charlie Hebdo ein linkes Blatt.

Islamkritik von links auch in den USA

Einige nicht nicht von Jihadisten unmittelbar angegriffene aber exponierte Islamkritiker sollen in diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnt werden. In den USA ist Islamkritik ein Thema, das in der Öffentlichkeit von Liberalen – also Linken – behandelt wird. Über die Talkshows von Bill Maher wurde hier bereits berichtet. Der britische Evolutionsbiologe und Islamkritiker Professor Richard Dawkins ist ebenfalls als Linker zu bezeichnen, während sein Landsmann, der Autor Douglas Murray (Neoconservatism: Why We Need It), konservativ ist und nie davor zurückschreckt, in seinen Kolumnen und Debattenbeiträgen westliche Werte dem Islam als radikal überlegen vorzuziehen. In Deutschland ist öffentliche Islamkritik fast ausschließlich auf konservativer Seite zu finden, etwa in der AfD und der Patriotenbewegung Pegida, was diese beiden fatalerweise besonders attraktiv für Radikale und Verschwörungstheoretiker macht.

Auf der Seite der Verteidiger der Anschläge sieht es nicht weniger bunt aus. Dass „radikale Muslime“ sich hierbei besonders hervortun, ist nicht überraschend. So schreibt Anjem Choudary, ein muslimischer Geistlicher in London und Scharia-Dozent, in USA today, es wäre nun an der Zeit, dass die Heiligkeit eines Propheten, den ein Viertel der Weltbevölkerung verehrt, geschützt wird.

Vorhersehbar war auch, dass Teile der Presse, etwa die Tagesschau, das Attentat auf infame Weise zu einem argumentativen Schlag gegen die AfD nutzen, wenn auch gesagt werden muss, dass die Tagesschau zutreffend beschreibt, wie Teile der AfD, etwa Alexander Gauland, noch am Tag des Anschlags diesen dazu instrumentalisierten, für Pegida zu werben, als ob die Zusammenhänge sich nicht ohne diesen Hinweis aufdrängten und in jedem Betrachter besser still hätten reifen und wirken können.

Auch Konservative als Verteidiger der Attentäter

An anderer Stelle tun sich Konservative wiederum als Fürsprecher des islamischen Zorns hervor. Entsprechend hat sich der Leiter der Catholic League for Religious and Civil Rights, Bill Donohue, zum Terroranschlag in Paris geäußert. Auf der Web-Präsenz der New Yorker Organisation legt er seine Meinung dar, dass Stephane Charbonnier vom Magazin Charlie Hebdo Opfer seines eigenen Narzissmus wurde.

Seinem Text mit der Überschrift „Die Muslime sind zu recht wütend“ schickt er voran, Mord dürfe niemals die Antwort auf eine Beleidigung sein, setzt aber dann fort, dass die Art von Intoleranz, die seiner Meinung nach die gewaltsame Reaktion hervorrief, niemals toleriert werden dürfe. „Diejenigen, die für diese Zeitung arbeiten, haben eine lange und ekelhafte Akte, die zeigt, wie sie das rechte Maß für die einfache Verhöhnung öffentlicher Personen überschritten haben.“

Donohue stellt sich in „totaler Übereinstimmung“ auf die Seite der Muslime, die sich dagegen wenden, über viele Jahre beleidigt worden zu sein. In Reaktion auf anti-katholische Künstler habe er selbst zahlreiche Demonstrationen angeführt aber niemals zu Gewalt aufgerufen. Dennoch sieht er durch solchen „Missbrauch von Freiheit“ die Freiheit ebenso in Gefahr, wie durch den Missbrauch der Macht.

Bischof Ackermann: Vibrierende religiöse Kraft des Islam

In dieser Schärfe ist das sicherlich nicht repräsentativ für die Meinung der christlichen Kirchenvertreter. Doch auch hierzulande ist man harten Strafen bei Verhöhnung des Islam nicht durchweg abgeneigt, wie eine zurückliegende Vortragsveranstaltung des Bistums Hildesheim deutlich macht. Aktuell warnt nun der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, davor, Muslime oder den Islam für den Terroranschlag von Paris verantwortlich zu machen. Die Attentäter hätten nicht im Namen des Islam gehandelt.

Wäre es eine Partei gewesen, hätten die Mörder etwa gerufen „PKK“ oder „IRA“ und nicht „Allah“, dann wäre niemandem eingefallen zu behaupten, die Attentäter hätten nicht im Namen der PKK oder der IRA gehandelt. Weil der Islam im Gewand einer Glaubensrichtung daherkommt und weil die christlichen Geistlichen sich in erster Linie selbst als Verteidiger des Glaubens sehen, sind sie gar nicht in der Lage, die schlechten Ideen, die den Islam ausmachen, aus ganzem Herzen zu kritisieren. Stattdessen findet man aus bischöflichem Mund Zitate wie dasjenige vom Islam als „vibrierende religiöse Kraft“ verbunden mit der Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit (Stephan Ackermann, Bischof von Trier).

Diese Frage wurde nun mit Macht erneut in den Raum gestellt. (TF)