Das Simon-Wiesenthal-Center in New York veröffentlichte am Montag die jährliche Listung von judenfeindlichen und antiisraelischen Vorfällen. Der „Toilettengate“-Skandal der Linkspartei rund um die Verfolgungsjagd von Gregor Gysi landet auf Platz vier. 2014 sei ein Jahr, in dem judenfeindlicher und antiisraelischer Hass „explodierte“, so das Resümee der Nichtregierungsorganisation.

Hauptsitz des Simon-Wiesenthal-Centers in Los Angeles (Bild: Cbl62, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: Siehe Link, Bild wurde bearbeitet)
Hauptsitz des Simon-Wiesenthal-Centers in Los Angeles (Bild: Cbl62, Quelle: Wikipedia, Rechte: CC BY-SA 3.0-Lizenz, Original: Siehe Link, Bild wurde bearbeitet)

Seit 2010 veröffentlicht das Simon-Wiesenthal-Center, das seinen Hauptsitz in Los Angeles hat, jedes Jahr seine Top-Ten-Liste antisemitischer und antiisraelischer Vorfälle. Auf Platz vier der beschämenden Liste landen in diesem Jahr vier deutsche Politikerinnen der Linkspartei.

Einladung zum „Fachgespräch”

Der Auftritt zweier Israelfeinde auf einer Veranstaltung zum Gaza-Krieg löste im November eine neue Antisemitismusdebatte in der Linkspartei aus. Wie metropolico berichtete, hatten die Linke- Abgeordneten Inge HögerAnnette Groth, Claudia Haydt sowie Heike Hänsel zu einem „Fachgespräch“ mit dem amerikanischen Publizisten Max Blumenthal im Sitzungssaal der Linksfraktion im Bundestag geladen. Der anti-israelische Blumenthal, der Israel mit der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) und auch mit dem nationalsozialistischen Deutschland vergleicht, stand 2013 auf Platz neun der Liste des Simon-Wiesenthal-Centers.

Ebenfalls im Fraktionssaal der Linken geladen war als zweiter Redner David Sheen. Der beschuldige auf perfide Weise die israelische Politik und Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, Völkermord an den Palästinensern zu propagieren, so Jochen Feilcke, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft/Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam.

Bizarres „Toilettengate“

Die ursprünglich geplante israelfeindliche Veranstaltung auf der Berliner Volksbühe wurde von Gysi untersagt, ebenfalls verhinderte er die Nutzung des Sitzungssaals der Fraktion. Höger wich mit ihren Gästen daraufhin ins Paul-Löbe-Haus aus, in dem sich Abgeordnetenbüros befinden. Damit wollten sich Sheen und Blumenthal aber nicht begnügen und versuchten, Gysi „zur Rede“ zu stellen. So kam es zu den grotesken Szenen auf der Toilette, die Sheen selbst nicht nur filmte, sondern auch ins Internet stellte. Höger, Groth, ihre Abgeordneten-Kollegin Heike Hänsel sowie Parteivorstandsmitglied Claudia Haydt standen dabei Spalier.

Die beiden Genossinnen Höger und Groth befanden sich 2010 an Bord der türkischen „Hilfsflotte Mavi Marmara“, einer „Hilfsaktion“ für die im Gazastreifen herrschende Terror-Organisation Hamas. Ihre Partner: die türkische IHH, die in Deutschland inzwischen verboten ist, weil sie Terroristen wie die der Hamas und nach jüngsten Presseberichten auch den IS finanziert.

Die Linke-Abgeordneten entschuldigten sich einen Tag nach der Jagd auf Gysi auf Druck der Fraktion. Nur wenige Stunden vorher hatte Inge Höger eine ganz anders klingende Erklärung veröffentlicht, so der Tagesspiegel. Darin wurde die Kritik an den beiden Journalisten Blumenthal und Sheen als „völlig unverständlich und inakzeptabel“ bezeichnet, die Attacke auf Gysi jedoch mit keinem Wort erwähnt.

Das Wiesenthal-Center stellt nun ausdrücklich fest, dass Höger, Groth, Claudia Haydt und Heike Hänsel als Organisatoren eine wichtige Rolle dabei spielten, Hass gegen Israel zu schüren. Die Abgeordneten seien Teil einer bedeutenden Gruppe von „Hardcore-Israelfeinden“ in der Linkspartei.

Judenfeindlicher und antiisraelischer Hass explodiert 2014

Auf Platz eins wird die beschämende Liste des Wiesenthal-Centers 2014 von einem belgischen Arzt angeführt, der sich weigerte, eine 90-jährigen Jüdin zu helfen. Er begründete dies gegenüber dem Sohn der alten Dame mit den Worten: „Sende sie ein paar Stunden nach Gaza, dann wird sie ihren Schmerz schon los.“

Auf Platz zwei nennt das Wiesenthal-Center jordanische Parlamentarier, die eine Schweigeminute für zwei Terroristen abhielten, die im November in einer Synagoge in Westjerusalem unter „Allahu Akbar“-Rufen vier betende Rabbis töteten. Der jordanische Premierminister Abdullah Ensour sandte der Familie der Terroristen Kondolenzbriefe.

Das drittschlimmste Ereignis geschah nach Ansicht der Nichtregierungsorganisation in Frankreich. Im Dezember brachen muslimische Kriminelle im Pariser Vorort Creteil in die Wohnung einer jüdischen Familie ein, fesselten einen jungen Mann und vergewaltigten seine Freundin. „Sagt uns, wo das Geld liegt, ihr Juden habt immer Geld“, riefen die Angreifer.

Laut Simon-Wiesenthal-Center soll die jährliche Liste eine weltweite Momentaufnahme sein und zeigen, wo und wie Antisemitismus massenkompatibel wird. Nach Einschätzung der Nichtregierungsorganisation war 2014 ein Jahr, in dem judenfeindlicher und antiisraelischer Hass „explodierte“. (DB)