Die Angst vor Anschlägen auf koptische Weihnachtsfeiern am 7. Januar führt in Ägypten zu weiteren Schutzmaßnahmen der Christen. Die Postierung von Wachen in der Nähe von Kirchen ist vorgesehen. Teilweise soll um die christliche Gotteshäuser herum der Verkehr gesperrt werden. 

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Kopten auf dem Tahrir-Platz in Kairo (Bild: Aschevogel, Quelle: flickr, Rechte: CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz, Original: Siehe Link)

Das Jahr 2014 war für die orientalischen Christen ein schreckliches Jahr. Litten die Christen im muslimischen Orient immer schon unter Verfolgung und Einschränkung ihrer Bürgerrechte, wurde das Leben der Christen in Syrien und dem Irak unter dem Vorstoß der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) zum wahren Horror. Allein in der irakischen Stadt Mossul mussten nach UN-Angaben 300.000 Christen vor den strenggläubigen Dschihadisten der IS-Truppen fliehen.

Vor dem Jahr 2003 lebten noch rund 1,2 Millionen Christen im Irak. Zuletzt wurde ihre Zahl auf 500.000 geschätzt, die tatsächliche Zahl dürfte aber noch deutlich weiter gesunken sein. Der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako, sprach von einer menschlichen, kulturellen und historischen Katastrophe.

Ägyptische Regierung will Kopten schützen

Sicherer schien es für die Kopten, die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten, die ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurückführen, nachdem der heutige Präsident  Ägyptens, Abdel Fattah al-Sisi, den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 abgesetzt hatte. In der aktuellen Verfassung Ägyptens sind die Rechte der Christen wieder stärker verankert.

Seit dem sogenannten „Arabischen Frühling“ im Jahr 2011 gab es regelmäßig religiös motivierte Übergriffe auf koptische Christen. So kamen vor drei Jahren bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Alexandrien an Neujahr 23 Menschen ums Leben, weitere 100 wurden verletzt. Über hundert Kirchen wurden seit 2011 laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) niedergebrannt, Koptenmädchen wurden vergewaltigt, entführt oder zwangsislamisiert, koptische Siedlungen angegriffen sowie vermögende Kopten erpresst.

Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen

Am 7. Januar nun feiern die ägyptischen Christen das koptische Weihnachtsfest. Ägyptens Innenminister Mohammed Ibrahim hat dafür erhöhte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Bei einem Treffen mit Sicherheitsverantwortlichen am Sonntag gab Ibrahim bekannt, die Polizeipräsenz vor öffentlichen Einrichtungen werde verstärkt. Nach Angaben von kath.net sind weiterhin Wachen in der Nähe von Kirchen vorgesehen. Teilweise soll um die christlichen Gotteshäuser herum der Verkehr gesperrt werden.

Etwa fünf bis acht Millionen der rund 83 Millionen Ägypter sind Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Ihr Name geht auf eine Verkürzung des griechischen Wortes „aigyptios” zurück. Damit wurden im Altertum die christlichen Nachfahren der Ägypter bezeichnet. Die koptische Sprache ist die letzte Sprachstufe des indigenen Ägyptischen. Das christliche Mönchtum entstand ebenfalls aus der koptischen Kirche heraus.

Die urchristliche Gemeinde der Kopten bildet die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Weltweit wird die Zahl der Kopten auf etwa zehn bis 15 Millionen geschätzt. Der Evangelist Markus soll vor rund 2.000 Jahren die Kirche in Ägypten gegründet haben. Das Oberhaupt der Kopten ist bis heute der Patriarch von Alexandria. Im Zuge der ungehemmten Ausbreitung des Islam konvertierten ab 640 viele Kopten, meist unter Zwang, zum Islam. (DB)