Mönchengladbach: Ausgerechnet in dem Teil der Stadt, in dem auch islamistische Gruppierungen beheimatet sind, störten muslimische Jugendliche am Heiligen Abend mit Rufen wie „Scheiß Christen“ eine Krippenfeier. In den darauffolgenden Tagen gab es in der örtlichen Presse aber nur noch beruhigende Nachrichten zu diesem Thema.

Kirche im verschneiten Mönchengladbach (hier: die City-Kirche am Alten Markt) (Bild: metropolico.org)
Kirche im verschneiten Mönchengladbach (hier: die City-Kirche am Alten Markt) (Bild: metropolico.org)

Wie metropolico berichtete, haben muslimische Kinder und Jugendliche am Heiligen Abend während einer Krippenfeier in der Pfarrkirche St. Marien im Stadtteil Rheydt randaliert und Gemeindemitglieder als „Scheiß Christen“ beleidigt. Der Küster konnte zwei der insgesamt fünf Randalierer festhalten. In der örtlichen Presse ist dieser Vorfall noch immer ein dominierendes Thema. Insbesondere die Rheinische Post berichtet seit Donnerstag nahezu täglich über die Aktivitäten des betroffenen Pfarrers Manfred Riethdorf. Zuletzt wurde am Montag darüber berichtet, dass Riethdorf am Samstag gleich zweimal bei der Familie jener beiden Randalierer war, die der Küster nach dem Vorfall festhalten konnte. Beim ersten Mal war die Mutter nicht da, beim zweiten Besuch waren Verwandte aus Istanbul anwesend. „Sie haben mich zu einer Linsensuppe eingeladen. Es war eine gute Gesprächsatmosphäre“, so Manfred Riethdorf.

Zum Respekt anderer Religionen erzogen?

Der Wille, den Vorfall aufzuarbeiten, sei bei der Mutter erkennbar gewesen. „Sie hat mir deutlich gemacht, dass sie ihren Kindern beigebracht hat, andere Religionen zu respektieren und Gotteshäuser zu achten“, sagte der Pfarrer. Ein weiteres Gespräch mit der alleinerziehenden Mutter, an dem auch die beiden Randalierer, zwei Brüder im Alter von 13 und 14 Jahren, teilnehmen sollen, sei bereits vereinbart. Riethdorf: „Ich will die Namen der anderen wissen. Und ich will wissen, wer sie dazu angestachelt hat.“ Gegenüber der Rheinischen Post äußerte er sich zufrieden über die Reaktion der muslimischen Mutter: „Sie hat mir sehr deutlich gemacht, dass sie das Verhalten ihrer Kinder in keiner Weise toleriert. Sie hat mir ihre Erziehungsprinzipien dargelegt. Davon war ich recht angetan.“ Ferner behauptet die Rheinische Post, dass die Mutter über das Verhalten ihrer Söhne „entsetzt“ gewesen sein soll.

Nachdem die Salafisten 2011 von zwei Bürgerinitiativen aus dem Stadtteil Eicken vertrieben wurden und nach Rheydt umgezogen sind, sind alle islamistischen Gruppierungen der Stadt, darunter auch die vom Verfassungsschutz als antisemitisch und antidemokratisch eingestufte Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), in diesem Teil der Stadt beheimatet. Aufgrund seines hohen muslimischen Bevölkerungsanteils wird Rheydt von vielen Menschen in Mönchengladbach spöttisch als „Klein-Istanbul“ bezeichnet. Auch vor diesem Hintergrund sorgte die Nachricht von der Randale in einem christlichen Weihnachtsgottesdienst bei vielen Menschen der Stadt für Irritation und Empörung.

Redakteur hat bereits ähnlich schwierige Situationen gemeistert

Aber zumindest bei Teilen der Mönchengladbacher Öffentlichkeit hat die Berichterstattung der Rheinischen Post in den letzten Tagen wieder für Beruhigung gesorgt. Auffällig ist jedoch, dass dafür inzwischen nicht mehr der Redakteur zuständig ist, der den Vorfall vom Heiligen Abend öffentlich gemacht hat. Seit dem Wochenende ist bei diesem Thema vielmehr Dieter Weber für weitere Berichterstattung zuständig. Weber ist Redakteur für Politik in der Mönchengladbacher Lokalredaktion der Rheinischen Post. Nach eigenen Angaben wurden er und seine Kollegen in der Vergangenheit von Salafisten bedroht. Nachdem sich Salafisten um Pierre Vogel und Sven Lau im August 2010 aggressiv im Stadtteil Eicken breitgemacht hatten, berichtete die Rheinische Post anfänglich kritisch. Später jedoch wurde die Berichterstattung der wichtigsten Zeitung am Ort zunehmend verharmlosend. Nachdem radikale Muslime im März 2011 in Frankfurt sowie im März 2012 in Toulouse unschuldige Menschen ermordeten, wurden beispielsweise deren Kontakte zu den Mönchengladbacher Salafisten den Lesern verschwiegen.

Sein journalistisches Meisterstück gelang Dieter Weber im August, als er eine antisemitische Hasskundgebung, bei der etwa vierhundert Muslime „Allahu akbar“-brüllend durch Mönchengladbach gezogen sind, in der Rheinischen Post als „Friedens-Demonstration“ dargestellt hat. Wie metropolico berichtete, haben an dieser Demonstration auch radikal-islamische Kräfte teilgenommen, wie etwa türkisch-rechtsextremistische „Graue Wölfe“. Auch waren auf dieser Kundgebung antisemitische Stereotype zu vernehmen, so wurde beispielsweise in einer Rede beklagt, dass israelische Soldaten das Blut muslimischer Kinder trinken würden. Als in der Nähe des Hauptbahnhofs in einem Hausfenster eine deutsche Flagge entrollt wurde, kam es zu Flaschenwürfen. Als kurz darauf ein junger Mann vom Straßenrand aus „Schalom“ (deutsch: Frieden) rief, rannte eine ältere Muslimin im schwarzen Schador auf ihn zu, erhob ihren Zeigefinger direkt vor seinem Gesicht und herrschte ihn an: „Pass bloß auf, was du sagst!“

Kein Wort dazu, wer die Demonstranten waren

Dass es sich bei den Kundgebungs-Teilnehmern überwiegend um Muslime gehandelt hatte, verschwieg Weber den Lesern der Rheinischen Post jedoch ebenso wie die vielen Flaggen der Terror-Organisation Hamas, die bei dieser Kundgebung zu sehen waren. Auch das mehr als hundertfache „Takbir“- und „Allahu akbar“-Gebrüll, mit dem die Demonstranten am 2. August in aggressiver Manier die Hindenburgstraße heruntergezogen sind, wurde von ihm mit keinem einzigen Wort erwähnt. Das „Gebet für die gefallenen Märtyrer“, mit dem die Kundgebung auf dem Platz der Republik wieder beendet wurde und das mit erneutem „Allahu akbar“-Geschrei endete, wurde von ihm kreativ zu einem „Friedensgebet“ umgedeutet. Im Gegensatz zu metropolico verzichtete Weber bei seinem Artikel auch auf Fotos der Demonstration. Aufgrund dieser Kompetenz im Umgang mit brisanten sowie den Islam betreffenden Situationen dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass er von der Rheinischen Post mit der weiteren Berichterstattung zur Randale vom Heiligen Abend betraut wurde. (PH)