Professor Hans-Werner Sinn, Chef des ifo-Instituts, warnt erneut vor dem bevorstehenden Zusammenbruch der Rentenkassen. Auch bei einer Migration von 32 Millionen Menschen werde das Problem nicht gelöst. Hilf dir selbst, so der Vorschlag des Ökonomen. Auf Hilfe von der Politik dürfe man nicht setzen.

Professor Hans-Werner Sinn zum Thema Renten bei einem Vortrag in der Evangelischen Akademie Tutzing, 2013 (Bild: metropolico.org)
Professor Hans-Werner Sinn 2013 in der Evangelischen Akademie Tutzing bei einem Vortrag zum Thema Rentensystem (Bild: metropolico.org)

Der Ökonom Hans-Werner Sinn warnt zum wiederholten Male vor dem Zusammenbruch der deutschen Rentenkassen. Treten die sogenannten Babyboomer im Laufe der nächsten 20 Jahre in die Phase des Ruhestandes ein, dann werde das Rentensystem endgültig kollabieren, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts in einem Focus Online-Interview.

Deutschland werde dann siebeneinhalb Millionen mehr Rentner haben und achteinhalb Millionen weniger Personen im erwerbsfähigen Alter, so der Ökonom.

32 Millionen Migranten

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung suggeriert in einer Meldung zum Thema, Sinn sei der Meinung, dass Einwanderung eine Hilfe beim Rentenproblem sei, jedoch keine Lösung darstelle. Das Handelsblatt schlägt in die selbe Kerbe und titelt: „Rentenkassen brechen ohne Migranten zusammen“. Genau diese Ansicht, dass massenhafte Zuwanderung einen positiven Effekt erzielen würde, vertritt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler nicht, wenn er laut dem Focus sagt, dass selbst qualifiziere Zuwanderung auch keine Lösung in dem Sinne sei, dass es uns dann so gut gehen würde wie heute. Um dies durch Migration aufzufangen, müssten 32 Millionen Menschen zuwandern. „Das kann man sich gar nicht vorstellen“, so die korrekte Aussage des ifo-Chefs.

Konkretisiert man diese durch frühere Aussagen Sinns zum gleichen Thema, bedeutete dies, dass sich das Rentenproblem durch Zuwanderung prinzipiell nicht lösen lassen werde, da, so Sinn in einem Vortrag in der Evangelischen Akademie Tutzing 2013, entweder nur Menschen, die nicht altern oder aber nur Kinder nach Deutschland einwandern müssten, um einen positiven Effekt zu erhalten. Um solche einen Effekt auf das Rentensystem durch Zuwanderung unter den heutigen Verhältnissen erzielen zu können, müsste der Altersquotient der Bevölkerung – also das Verhältnis von Alten zu Jungen – konstant bleiben. Unterstellt man fiktiv, dass alle Zuwanderer jung bleiben und dem Rentensystem dauerhaft als Beitragszahler zur Verfügung stehen, wäre eine Nettoeinwanderung von über 40 Millionen Menschen notwendig, um den Rentenbeitragssatz und das Rentenniveau von heute zu erhalten. Nachdem jedoch auch die Zuwanderer nicht frei von demographischen Problemen sind, also auch älter werden und irgendwann in Rente gehen, ohne dass sie durch eigenen Nachkommen für den vollen Ersatz sorgen können, bleibt das Problem erhalten.

Hilf dir selbst, der Staat kann es nicht

Sinn forderte die Deutschen deshalb dazu auf, sich selbst aktiv um die Alterssicherung zu kümmern. Auf Hilfe von der Politik dürfe man nicht setzen. Die Alterssicherung sei nicht die alleinige Aufgabe des Staates. Darum müsse sich jeder selbst kümmern. Des Weiteren empfiehl der Ökonom eine längere und nicht, wie von der Regierung als Lösung suggeriert, eine kürzere Lebensarbeitszeit. Sinn macht sich für die totale Abschaffung des gesetzliche Rentenalters stark. (DB)