Eine TV-Debatte über die Gida-Bewegung hätte dieser Tage eigentlich ein spannendes Ereignis werden können, wenn nicht müssen. Aber wenn das eigentliche Thema gar nicht zur Sprache kommt und die ZDF-Moderatorin Maybrit Illner den Zuschauern nur ihre eigene Sicht der Dinge aufzuzwingen versucht, dann klappt’s auch nicht mit der Diskussion. Die Fernseh-Kritik.

Maybrit Illner bei ihrem kurzen Interview mit Frank Richter (Bild: Screenshot youtube - Maybritt Illner)
Maybrit Illner bei ihrem kurzen Interview mit Frank Richter (Bild: Screenshot youtube – Maybritt Illner)

„Aufstand für das Abendland – Wut auf die Politik oder Fremdhass?“ – so lautete das Thema der Fernseh-Diskussion mit Maybrit Illner am späten Donnerstagabend im ZDF. Und angekündigt war eine Debatte über die Kundgebungen der Dresdner Initiative Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida). Eingeladen waren der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, die sächsische AfD-Chefin Frauke Petry, Imran Ayata, der laut ZDF eine „Agentur für Kampagnen“ leitet, sowie der Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer. Wer aber eine spannende, gar kontroverse Diskussion über Islamisierung oder Salafisten erwartet hatte, der wurde bitter enttäuscht. Obwohl beides für viele Menschen der Hauptgrund ist, mit jenen zu sympathisieren, die da allmontaglich auf die Straße gehen, kamen diese Themen gar nicht erst zur Sprache. Der Einfluss der Islam-Verbände auf die deutsche Politik, auch eine der Motivationen vieler Gida-Demonstranten und Sympathisanten, war ebenso kein Thema. Und damit war diese Fernseh-Debatte bestenfalls nur noch halb so interessant wie vom ZDF angekündigt.

Stattdessen entwickelte sich eine lange Debatte über Asylpolitik. Aber auch die blieb platt und an der Oberfläche, Punkte wie der Münchener Hungerstreik oder die Frage danach, was die Aufnahme von Flüchtlingen für Kommunen und Nachbarn von Flüchtlingsheimen tatsächlich bedeutet, wurden – wenn überhaupt – immer nur kurz angedeutet. Fakten oder Hintergründe dazu hat der Zuschauer jedoch erst gar nicht erfahren. Also kam das, was die meisten Zuschauer vermutlich von Anfang an erwartet hatten: Eine Debatte, bei der nicht nur die Gida-Anhänger, sondern die Deutschen als solches als latent fremdenfeindlich und rassistisch dargestellt wurden. Frauke Petry gab sich offensiv, wagte es gar, Studien über die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen anzuzweifeln. Joachim Herrmann hingegen tat sich schwer in der Rolle des CSU-Politikers, vom dem man aufgrund seiner Parteizugehörigkeit traditionell Hardlinertum erwartet, aber dessen halbe Anhängerschaft aus Enttäuschung längst zur AfD übergelaufen ist.

Gibt es Extremismus nur rechts?

Der Rechtsextremismus-Experte Olaf Sundermeyer warnte zwar davor, die Gida-Anhänger pauschal als „Nazis“ zu diffamieren und räumte ein, dass diese Bezeichnung auf das Gros der Demonstranten gar nicht zutreffen würde, begrüßte es aber sofort, als Cem Özdemir verkündete, bei der nächsten Gegendemonstration in Dresden mitmachen zu wollen. Auch offenbarte Sundermeyer qualifiziertes Wissen zum Thema Rechtsextremismus, Wissen über linken oder islamischen Extremismus war bei ihm jedoch nicht einmal im Ansatz zu erkennen. Stattdessen setzte er Islam- und Menschenfeindlichkeit gleich, völlig ignorierend, dass es sich beim Islam um eine nicht unumstrittene religiöse und auch politische Ideologie handelt. Für einen Extremismus-Experten eine klägliche Fehlleistung.

Vertreter oder Anhänger der Gida-Bewegung kamen ohnehin nicht zu Wort. Lediglich Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Dresden, sorgte in einem Interview am Rande der eigentlichen Diskussion für nachdenkliche Töne und erinnerte daran, dass sich unter diesen auch „besorgte Bürger im guten Sinne des Wortes“ befänden und plädierte dafür, mit diesen zu reden und ihnen zuzuhören. Illner sprach ihn darauf an, dass viele der Demonstranten beklagen würden, dass die Politik zu viel für Ausländer und Flüchtlinge, aber zu wenig für Deutsche tue. Und plötzlich gab es den ersten jener Schlüsselmomente, in denen ZDF-Moderatorin Maybrit Illner ihre Voreingenommenheit offenbarte. Denn an dieser Stelle hätte sie ihren Gesprächspartner fragen müssen, warum viele Menschen einen solchen Eindruck haben und ob dieser zutreffend sei. Stattdessen aber fragte sie: „Wie argumentiert man dagegen?“ Damit war Richters Ansatz, den Demonstranten zuzuhören, unerwünscht und chancenlos.

Wieso dürfen Menschen nicht sagen, was sie am Islam problematisch finden?

Der nächste dieser Momente war eine Aussage Imran Ayatas, in der er eine „neue Form des Rassismus“ beklagte, die sich dadurch zeige, dass Menschen sagen, sie hätten nichts gegen Asylanten, aber dann auch sagen wollen, was sie „am Islam problematisch finden“. Hier wäre eine Nachfrage an Ayata, warum Menschen in einer freien Gesellschaft nicht sagen dürfen, was sie am Islam problematisch finden, für jeden objektiven Journalisten zwingend gewesen. Illner jedoch ging mit keinem Wort darauf ein. Stattdessen befragte sie Joachim Herrmann Minuten später provokant, ob er und seine Partei „für das, was auf deutschen Straßen passiert, auch ein bisschen den Boden bereitet“ hätten.

Den Vogel aber schoss Maybrit Illner ab, als sie dem staunenden Zuschauer kurz vor der Abblende das Fazit der Sendung präsentierte: „Wir haben gelernt, dass eine bunte Republik nicht Schlechtes ist und dass sie eigentlich nicht zu bunt sein kann.“ Aber haben wir das wirklich? Diese Aussage war so weit vom Thema und der Diskussion entfernt, dass es nicht vorstellbar ist, dass Illner erst während der Sendung beschlossen hat, was der Zuschauer angeblich gelernt haben soll. Hier hat sie unfreiwillig offenbart, dass sie das, was der Zuschauer zu lernen hat, vermutlich schon vor der Sendung beschlossen haben dürfte. Schade eigentlich, denn das Thema wäre eine kontroverse und ergebnisoffene Diskussion wert gewesen. Die jedoch scheiterte daran, dass das, was die Mehrheit der Gida-Anhänger auf die Straßen treibt, erst gar nicht angesprochen wurde. Und natürlich an einer Moderatorin, die außer ihrer eigenen Sicht der Dinge keine andere gelten lässt. (PH)