metropolico im Interview mit Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland und Mitautor des Sachbuch-Bestsellers „Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen.“

Andreas Marquart
Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig-Mises-Instituts Deutschland, Mises-Konferenz 2014 in München (Bild: metropolico.org)

„Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen.“ Wer sich diese Frage als Fachfremder im Thema staatliches Papiergeldsystem beantworten lassen möchte, dem sei das Buch von Andreas Marquart und Philipp Bagus mit gleichlautendem Titel anempfohlen. Die beiden Autoren – beide Vertreter der Österreichischen Schule – veranschaulicht umfassend und dennoch kompakt, wie stark die Investitions- und Sparentscheidungen einzelner Bürger vom ungedeckten Geldsystem betroffen sind und zeigen auf wie die Geldschöpfung aus dem Nichts unsere Gesellschaft nachhaltig und in beängstigender Weise verändert. Am Beispiel einer kleinen imaginären Stadt wird dem Leser verdeutlicht, wie eine Umverteilung von Vermögen stattfindet, dass Erstempfänger wie der Staat immer die Gewinner dabei sind und wie das staatliche Geldmonopol schlussendlich dafür verantwortlich sein kann, dass der Friede in Europa auf dem Spiel stehen könnte.

Andreas Marquart und Philipp Bagus haben es mit ihrem Sachbuch hervorragend geschafft, sich in vereinfachter Form dem komplexen Thema des Finanzsystems zu nähern und aufzuzeigen, welchen Schaden „schlechtes Geld“ anrichten kann. In humoriger und eingängiger Art schaffen sie es, den jungen wie den erfahrenen Leser einzufangen und zum Nachdenken über unser staatlich monopolisiertes ungedecktes  Papiergeldsystem zu animieren. Denn wer versteht, wie dieses funktioniert, versteht das Fazit der Autoren: „Schlechtes Geld macht die Menschen zunehmend abhängig, unmündig, unselbstständig, sozial isoliert, entwurzelt, unvorsichtig, rücksichtslos, egoistisch, materialistisch, oberflächlich, gestresst und depressiv.“

metropolico:  Hallo, Herr Marquart. Gleich zu Anfang die Frage: Weshalb schreibt man solch ein Buch? Was war Ihre Intention? Was möchten Sie bewirken? Wen versuchen Sie zu erreichen?

Unser Buch ist in der Sprache sehr einfach und verständlich gehalten. Das war natürlich Absicht, denn Philipp Bagus‘ und mein Ziel war und ist es, den Bürger zu erreichen, der sich bisher noch nicht mit Themen wie Geldsystem und Volkswirtschaft beschäftigt hat, weil es ihm bisher zu kompliziert war. Ich denke die Zeit ist gut für unser Buch, denn viele Menschen spüren, dass in unserem Geld- und Wirtschaftssystem vieles nicht in Ordnung ist. Und viele geben sich mit herkömmlichen Erklärungen nicht mehr zufrieden. Bewirken wollen wir natürlich, dass immer mehr Menschen verstehen, dass zuviel Staat kontraproduktiv ist. Wir wollen die Menschen von ihrer Staatsgläubigkeit befreien.

Sie zeigen auf, dass es gute Gründe gibt, unseren Politikern zu misstrauen. Woran liegt es, dass die Mehrheit der Bürger trotzdem den Beteuerungen der Regierenden Glauben schenken, nur das Beste zu wollen? 

Die Mehrheit der Bürger glaubt, dass unser Wirtschaftssystem kapitalistisch ist. Das ist es aber nicht, denn es gibt kaum ein Gebiet, wo der Staat in Form von Regulierungen nicht seine Finger im Spiel hat. Die elementarste und schwerwiegendste Intervention überhaupt ist das Geldwesen. Die aus den Regulierungen und Interventionen resultierenden Missstände schieben die Politiker aber geschickt den angeblich freien Märkten zu und machen den Bürgern glauben, es würde alles nur noch schlimmer, wenn nicht eingegriffen wird. Die Menschen glauben sicher nicht, dass die Regierenden nur das Beste wollen, so naiv sind sie nicht. Aber sie glauben, dass alles noch schlimmer wäre, wenn man die freien Märkte machen lässt.

Am Beispiel einer imaginären Stadt verdeutlichen Sie dem Leser, wie die Umverteilung von Vermögen stattfindet und was ein staatliches Geldmonopol so anrichten kann. Weshalb haben Sie sich für ein doch sehr einfaches Bild entschieden, um die Gefahren die von unserem Interventionsstaat ausgehen, aufzuzeigen? 

Die Arbeitsteilung heute ist sehr vielschichtig, Menschen und Unternehmen arbeiten weltweit zusammen. Staatliche Interventionen hier aufzeigen zu wollen, ist für den Laien – und den wollen  Philipp Bagus und ich ja ansprechen – sicher zu komplex. Mit unserer kleinen, imaginären Stadt ist es viel leichter zu verstehen, wie alles ineinandergreift. Die Volkswirtschaft wurde in den letzten Jahren sehr verkompliziert, wir wollten das wieder auf ein für jeden verständliches Niveau herunterbrechen.

Buch
Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: . . . Und Welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen. Amazon; Buchcover siehe Link.

„Unsere einzige Waffe gegen Lügen ist Wissen“ sagte der liberale Denker  Roland Baader. Welche Maßnahmen müssen wir Bürger ergreifen, um Lügen im Thema Geldsysteme als solche zu erkennen? Wie können unsere Kinder dagegen gewappnet werden? Wie muss die Bildung, wie muss die Schule und die universitäre Ausbildung hier agieren? Oder ist „Dummhalten“ mittlerweile Programm? 

Sie kennen doch sicher den Spruch, den man dem Autotycoon Henry Ford zuweist: „Wenn die Menschen wüssten, wie das Geldsystem funktioniert, gäbe es eine Revolution gäbe, noch bevor der nächste Morgen beginnt.“ Nachdem Regierende und von diesem Geldsystem Profitierende kein Interesse daran haben, ihren Status aufzugeben, muss man davon ausgehen, dass „Dummhalten“ wirklich Programm ist, wie Sie es formulieren. Die Maßnahmen, die wir ergreifen können und auch sollten, sind daher Aufklärung betreiben, immer und immer wieder. Von Schulen und bei der universitären Ausbildung erwarte ich mir wenig, wahrscheinlich ist das schon zu viel…

Was muss getan werden, um die Themen für die Sie streiten und die damit verbundene immense Wichtigkeit für das Wohl und die Freiheit jedes einzelnen von uns publik zu machen? Wer kann als Multiplikator dieser Ideen dienen? In welchen Bereichen können Sie Mitstreiter ausmachen? 

Wie ich es eben gesagt habe: Aufklärung, Aufklärung und noch mal Aufklärung. Und jeder, der verstanden hat, wie der Hase läuft, kann und sollte als Multiplikator agieren. Das Internet und soziale Netzwerke überhaupt sind dabei unschätzbar als Möglichkeit der Verbreitung der besseren Ideen.  Vor allem junge Menschen, die ja noch das ganze Leben haben, sollten sich mit diesen Themen beschäftigen. Sie sind es auch, auf die man vor allem die Hoffnung setzen sollte.

Warum scheitern Ihrer Meinung nach Papiergeldsysteme? Ist eine Goldpreisbindung die Lösung des Problems? Was sagen Sie jenen, die immer noch  an das jetzige Geldsystem glauben? Ist die Schweizer Goldinitiative ein richtiger Weg? 

Papiergeldsysteme scheitern, weil sie bereits den Keim ihrer Zerstörung in sich tragen … so hat es Ludwig von Mises einmal formuliert. Die Lösung des Problems ist free banking, ist Währungswettbewerb. Eine Goldpreisbindung wäre ein guter und wichtiger Schritt in diese Richtung. Auch die Schweizer Goldinitiative, ob sie nun Erfolg haben wird oder nicht, wird ein weiteres Zeichen setzen, in dem Sinn, dass ein Papiergeldsystem nicht alternativlos ist. Wenn jemand immer noch an das jetzige Geldsystem glaubt, sage ich, er soll unser Buch lesen…

Falls die Menschen sich nicht gegen das jetzige  Geldsystem stellen , wie wird es mit dem staatlichen Geldmonopol Ihrer Meinung nach weitergehen und enden? Wird Roland Baader recht behalten, wenn er von „Jahrzehnten der Armut“ spricht, sollten wir nicht umlenken?

Es wird enden, wie es immer geendet hat. Das Geld wird irgendwann als Tauschmittel nicht mehr dienen können, weil ihm die Menschen das Vertrauen entziehen. Insofern wird Roland Baader recht behalten, denn dann werden die Fehlinvestitionen ganzer Jahrzehnte aufgedeckt und Scheinwohlstand wird sich in Luft auflösen. Das wird ganze Generationen demoralisieren. Wenn es nicht so käme, dann wären unsere Notenbanker und Geldpolitiker ja richtige Zauberer, weil sie am Ende bewiesen hätten, dass man mit Geld aus dem Nichts Wohlstand schaffen kann. Und an Zauberei glaube ich nicht.

Sie und Dr. Bagus sind bekennende Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Sämtliche im Literaturverzeichnis aufgeführte Autoren gehören ebenfalls der Österreichischen Schule der Nationalökonomie an. Als Kritikpunkt an ihrem Buch wurde geäußert, dass hier die „Gefahr eines „Tunnelblicks“ lauere, da es nicht gut sein könne, wenn eine Meinung dogmatisch auf nur einer Lehre fuße. Was sagen Sie dazu? 

Wenn wir uns mit den Gegnern der Österreichischen Schule intensiver beschäftigt hätten, hätte das den Rahmen gesprengt, den wir geplant hatten. Dann hätte das Buch am Ende locker doppelt so viele Seiten gehabt und wir hätten dann gerade den Laien abgeschreckt. Und den wollten wir ja zuallererst erreichen. So kann jemand, der ein einigermaßen flotter Leser ist, das Buch in zweieinhalb Stunden durcharbeiten. Und er muss sich dabei nicht mal überanstrengen, weil ihm so gut wie keine Fachausdrücke begegnen. Große Teile des Buches lesen sich so leicht wie ein Roman.

In einem persönlichen Gespräch erwähnten Sie, dass Ihnen das Schreiben des Buches sehr viel Freude bereitet habe. Auf was dürfen wir als nächstes gespannt sein, Herr Marquart?  

Ich arbeite an einem neuen Buch. Es wird – natürlich – wieder um „Geld“ gehen. Das  wird aber noch ein bisschen dauern und mehr möchte ich auch noch nicht verraten.

Herr Marquart, vielen Dank für das Gespräch!

Über die Autoren (Buch-Autorenbeschreibung): 

Andreas Marquart ist Vorstand des Ludwig-Mises-Instituts Deutschland, Nach dem Abitur absolvierte er eine klassische Bankausbildung und machte sich 1998 nach 15 Jahren als Banker in der Finanzdienstleistung mit Schwerpunkt Vermögensanlage selbstständig. Er orientiert sich bei der Beratung an den Erkenntnissen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. 

Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Er veröffentlicht Beiträge in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Review und American Journal of Economics and Sociology. Seine Arbeiten wurden mit dem »O.P. Alford III Prize in Libertarian Scholarship«, dem »Sir John M. Templeton Fellowship«, dem »IREF Essay Preis« und dem »Ron Paul Liberty in Media Award« ausgezeichnet. Sein Buch Die Tragödie des Euro (FinanzBuch Verlag) wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Mit David Howden hat er außerdem das Buch Deep Freeze: Iceland’s Economic Collapse veröffentlicht.

Buch: Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: . . . Und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen. Taschenbuch. ISBN-10: 3898798577.