Baron Harries of Pentregarth, ehemaliger Bischof der anglikanischen Kirche, hat angeregt, dass bei der nächsten Krönungsfeier im Vereinigten Königreich Verse aus dem Koran zitiert werden sollen. Als Vorbild dafür nennt er einen Bürgergottesdienst im vergangenen Jahr in Bristol, der mit der Anfangspassage des Korans eröffnet wurde, bevor dann die christliche Liturgie folgte.

Koranverse zur Krönung? (Bild: "Tyle", Public Domain, Original siehe Link)
Koranverse zur Krönung?
(Bild: „Tyle“, Public Domain, Original siehe Link)

Wie Mail Online schreibt, sähe Harries in dieser Geste einen „kreativen Akt des Entgegenkommens“, damit sich Muslime in England als angenommen fühlen könnten. Im Oberhaus, dem Parlamentsteil, der sich aus dem Hochadel und Bischöfen der anglikanischen Church of England zusammensetzt, sagte er den Abgeordneten, die Staatskirche sollte vorausgehen und zeigen, wie man von einer historisch errungenen Position auf gastfreundliche Weise Gebrauch macht.

Charles, Prince of Wales, selbst hatte in der Vergangenheit gewünscht, als Monarch nicht, wie traditionell üblich, als „Defender of the faith“ sondern als „Defender of faith“ zu gelten, um auf diese Weise die Katholiken einzubeziehen. Harries geht mit der Einbeziehung der Muslime nur einen, aus seiner Sicht konsequenten, Schritt weiter, da wir heute in „ganz anderen Zeiten“ lebten.

Zu den Kritikern dieses Vorschlags gehört unter anderem Douglas Murray, Kolumnist und Mitherausgeber des britischen Magazins The Spectator. Er gab in einem Gespräch, das er im Radioprogramm der BBC mit Harries führte (verfügbar auf Audioboom oder auf Youtube), zu bedenken, ein solches Entgegenkommen dürfe nur auf Gegenseitigkeit beruhen. Nicht nur zu den christlichen und auch jüdischen Gottesdiensten im Lande müsste für die Königin gebetet werden sondern auch in den Moscheen. Eine angemessene Gegenleistung wäre, dass die Muslime für die britischen Streitkräfte beten sollten, ein Wunsch, den Muslime, mit denen er sprach, stets als provokativ bezeichneten.

Die Briten empfänden es sehr befremdlich, so Murray, dass selbst die Bischöfe keine Treue mehr zu ihrem eigenen Glauben empfänden. Käme es zu einer Krönungsfeier mit Koranzitaten, würde dies als demoralisierend wahrgenommen. Auch müsste man sich sehr sorgfältig überlegen, welche Koranverse bei dieser Gelegenheit vorgetragen werden sollten. Murray zitierte einige, etwa „Tötet die Ungläubigen“, was der ehemalige Bischof lachend mit den „nasty bits“ des Alten Testaments verglich.

Mit dem Argument der Vielfalt müssten, so Murray, zwingend auch Verse aus den Schriften des Hinduismus, des Sikhismus, des Buddhismus wie auch Argumente der am stärksten wachsenden Gruppe, der Nichtgläubigen, vorgetragen werden, um der Diversität der britischen Gesellschaft, wie sie Harries zutreffend beschrieb, Rechnung zu tragen.

Harries gilt unter den Vertretern der Church of England als liberal. So war er im Jahr 2002 gemeinsam mit dem britischen Evolutionsbiologen und Autor des Buches „Der Gottes-Wahn“, Richard Dawkins, gegen den Kreationismus als Lehrinhalt an britischen Schulen vorgegangen. (TF)