Frank-Furter Schnauze: Yo Hooligans, am 18. März 2015 schon was vor? | Juhuu, das Blockupy-Bündnis ist zurück in der Stadt! Und zwar gleich mit einem „Festival“. Endlich kommen diese unglaublich kompetenten Koryphäen der Volkswirtschaftslehre wieder und erklären uns, wie eine bessere Welt funktioniert. Allerdings fehlt wohl noch das „Salz in der Suppe“. Doch keine Sorge, Rettung naht! Eine Glosse.

Die "Alternative" laut Blockupy: Kommunismus (Bild: metropolico)
Die „Alternative“ laut Blockupy: Kommunismus (Bild: metropolico)

Jetzt ist er endlich fertig, der neue Büroturm der Europäischen Zentralbank im Ostend – wenn man so will, die Frankfurter „Geldphilharmonie“. Der Rohbau hatte noch längst nicht die komplette Höhe erreicht, da kündigte das Blockupy-Bündnis bei seinem letzten Gastspiel am Main schon vollmundig an, zur Eröffnung des Palastes wieder zu kommen, um zu seinen Füßen da weiter zu machen, wo man anno 2013 aufgehört hatte: mit „Randale, Bambule, Frankfurter Schule“, wie die Linke in dieser Stadt zu sagen pflegt.

„Kapitalismuskritiker stürmen EZB-Gelände“

Anderthalb Jahre später ist nicht viel übrig von der großangekündigten Blockade der EZB-Eröffnung. Nur 2.000 Linksextreme nahmen am „Umzug“ zum EZB-Neubau teil. Gut 100 von ihnen machten, was sie am besten können: Stress. Dieselben Medien, die andernorts den Niedergang der Demokratie skizzieren, kaum dass sich 46 Polizisten mit dem eigenen Pfefferspray verletzten, huldigen in gewohnter Manier dem linksextremen Treiben durch unterschwellige Beschönigung: „Kapitalismuskritiker stürmen EZB-Gelände“, titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). „Kapitalismuskritiker“. Das ist, als würde man Hooligans als Sitzplatz-Fans bezeichnen. Aber das kennt man ja schon.

Das linksextreme Blockupy-Bündnis scheint derweil deutlich an Attraktivität zu verlieren, was angesichts seiner bisherigen Inhaltlosigkeit nicht wundert. Hinter dem, was die Medien beschönigend als „Kapitalismuskritik“ vermarkten, steckt nichts weiter als das Wiederkäuen alter, dummer, längst gescheiterter Ideologien – Sozialismus, Marxismus, Maoismus, Kommunismus. So falsch vieles ist, was Banken, Politiker, EU und EZB in den vergangenen Jahren angestellt haben, so fest steht, dass die linksextreme „Alternative“ á la Blockupy noch um ein Vielfaches falscher ist. Gegen Sozialismus und Kommunismus wäre selbst der krasseste Hardcore-Kapitalismus noch eine echte Blütezeit. Häschtäck-Nordkorea.

Ein „Festival“ der Verfassungsfeinde

Übrigens: „Umzug“ ist nicht das einzige neue Wort, mit dem Blockupy offenbar versucht, das eigene Treiben medienaffin zu restaurieren. „Festival“ haben sie ihr diesjähriges Gastspiel in Frankfurt getauft, das seit Donnerstag stattfindet und aufgrund überschaubarer Teilnehmerzahlen bislang eher geräuschlos abging. Na, da hat die Stadt aber drauf gewartet: Ein linksradikales Festival. Um nicht zu sagen: ein „Festival“ der Verfassungsfeinde.

Klingt polemisch? Ist es aber nicht. Es genügt ein Blick auf die Gruppen, die an Blockupy beteiligt sind. Die Linkspartei, nach wie vor aus guten Gründen ein Thema bei Verfassungshütern, zählt da noch eher zu den gemäßigteren. Ferner beteiligt am Bündnis sind Organisationen wie der „Revolutionäre Sozialistische Bund“, die „Interventionistische Linke“, die „Autonome Antifa Frankfurt“, die kommunistische Plattform „Ums Ganze“ oder die linksextreme Partei Syriza aus Griechenland. Feine Klientel. Musterdemokraten!

Bescheiden, wie man in diesen Kreisen ist, wollen die aus halb Europa zusammengetrommelten „Festival“-Teilnehmer in „Workshops“ nicht weniger als die „Perspektive eines widerständigen Europas“ entwickeln. So berichtet zumindest Hanning Voigts in der Frankfurter Rundschau. Und der muss es wissen. Er gehört ja quasi dazu.

Ein „Programm“ wie eine Naturkatastrophe

Wer wissen will, wie genau sich Blockupy das „widerständigere Europa“ vorstellt, braucht nur einen Blick in das „Festival-Programm“ zu werfen. Da wird es spätestens unfreiwillig komisch, da ist wirklich Fremdschämen angesagt.

Ein paar Auszüge: Den Auftakt machte man bereits am Donnerstag – natürlich im Frankfurter DGB-Haus. Geladen war unter anderem die gescheiterte Perspektive eines widerständigeren Hessens, jene Andrea mit dem unvergesslichen Nachnamen Ypsilanti. Für noch mehr unfreiwillige Komik sorgte am Donnerstag die hessische Landesvorsitzende der Linkspartei, eine Heidemarie mit dem revolutionären Nachnamen Scheuch-Paschkewitz , die gegenüber Voigts betonte: „Die wachsende Armut in Europa und Deutschland ist nicht durch Naturkatastrophen verursacht, sondern durch konkrete politische Entscheidungen.“ Linkspartei? SED? Wachsende Armut? War da nicht was? Häschtäck-DDR, und so? Egal. War bestimmt eine Naturkatastrophe.

Wie eine Naturkatastrophe muten auch weitere Teile des „Festival-Programms“ an. Ein Höhepunkt war ganz sicher die Veranstaltung „Anketten und Blockieren“ – am Samstag, von 10 bis 13 Uhr, im Studierendenhaus am Uni Campus. Untertitel: „Über die Möglichkeit, der kapitalistischen Ausbeutungsmaschinerie nicht nur symbolisch, sondern direkt Sand ins Getriebe zu streuen“. Das geht auch genauer: „Anhand von Beispielen aus der Praxis werden verschiedene Techniken und Materialien vorgestellt, mit deren Hilfe Betriebe, Wege, Baustellen u.a. effektiv blockiert und besetzt werden können.“ Bitte noch genauer: „Mittels Bildern, Anekdoten und kurzen Videos wird euch ein Einblick in diese Aktionsform gegeben. Auch könnt ihr ausprobieren, wie es sich anfühlt, sich mit dem Arm oder Hals an einen anderen Gegenstand zu ketten.“ Na gut, einer geht noch: „Den Workshop wird ein Aktivist der ‚Kampagne gegen Tierfabriken – Niedersachsen‘ durchführen.“ Okay, das reicht. Wirklich witzig! Häschtäck-Weltverbesserung.

Von unten, für unten, nach unten, bleibt unten

Wer keine Lust auf linksextreme Fesselspiele hat, konnte und kann seine Zeit auch mit allerlei anderen Themen sinnvoll verschwenden. Zum Beispiel damit: „Wie man sich Gläubiger*innen widersetzen kann – Ein Workshop über Widerstände, die gegen das Schuldensystem organisiert werden.“ Wobei – pst! – der beste „Widerstand gegen das Schuldensystem“ wohl wäre, einfach keine linken Parteien mehr zu wählen. Anderswo wird der „transnationale Streik“ diskutiert: „Wir werden uns auf die Organisation von Kämpfen gegen Workfare und miese Jobs konzentrieren und Konzepte wie das europäische Sozialmodell, den europäischen Mindestlohn, das Grundeinkommen hinterfragen. Wir fokussieren auf neue Perspektiven der Mobilisierung, die davon ausgehen, dass Europa unser gemeinsames Kampffeld ist, und wollen die Idee eines transnationalen europäischen Streiks erörtern.“ Na, darauf hat die Welt aber gewartet. Europa als das „gemeinsame Kampffeld“ des Linksextremismus. Tolle Perspektive!

Dasselbe gilt fraglos für die „Charta für Europa“, unter der man – bescheiden, wie man ist – nicht weniger als „den Prototyp einer europäischen Verfassung von unten“ versteht. Immerhin ist man so realistisch, Ursprung und Richtung des eigenen politischen Handelns korrekt einzuordnen: unten. Von unten, für unten, nach unten, bleibt unten. Kurzgefasst: Häschtäck-Blockupy.

Und damit es da unten nicht langweilig wird, ist auch allerlei „Widerstand“ im Programm. Der darf schließlich nicht fehlen – was wäre die Linke ohne Widerstand gegen… irgendwas? Hauptsache gegen irgendwas. Dieses Jahr im Angebot: Widerstand gegen TTIP, Widerstand gegen die Expo in Mailand, Widerstand gegen den G7-Gipfel in Schloss Elmau, Widerstand gegen „militärische Kraftmeierei“ und Ausbeutung und Kapitalismus und Ungerechtigkeit und, und, und… und wer weiß, wogegen noch.

Yo Hooligans, am 18. März 2015 schon was vor?

Mit anderen Worten: Frankfurt erlebt ein weiteres weltbewegendes Blockupy-Wochenende, das garantiert den Grundstein für eine „bessere Welt“ legen wird. Ganz sicher. Nachdem diese Stadt vor lauter „Kapitalismus“ am Krückstock geht, kommen endlich all diese Koryphäen der Volkswirtschaftslehre aus Vorzeige-Ökonomien wie Griechenland und Vorzeige-Demokratien wie „Kurdistan“ nach Frankfurt zurück, um uns wieder einmal Kraft ihrer unermesslichen Kompetenz zu erklären, wie eine bessere Welt funktioniert. Oder, wie ein internationalistischer SED-Genosse mit Oxford-Studium sagen würde: Kömmünism is sie Änßer!

Das Schlusswort unter diesem vor Begeisterung nur so strotzenden Kommentar gebührt Jürgen Frömmrich, innenpolitischer Sprecher der hessischen Grünen-Fraktion, der sich am Donnerstag (natürlich laut Voigts) ganz, ganz doll auf das Bevorstehende freute: „Das Recht auf Demonstrationsfreiheit ist ein hohes Gut, die freie Meinungsäußerung ist das Salz in der Suppe der Demokratie.“ Da schau mal einer an!

Am 18. März 2015 will Blockupy zur EZB-Eröffnung wiederkommen. Fast wäre man geneigt, gewissen Kreisen zuzurufen: Yo Hooligans, am 18. März 2015 schon was vor? Grünen-Sprecher Frömmrich lädt Euch herzlichst ein. Gibt Freibier und Würstchen vor der EZB-Zentrale. Bringt Salz mit.