AfD-Chef Bernd Lucke hat am Freitag in einer e-Mail an Förderer und Mitglieder seiner Partei gefordert, sich von den gewalttätigen Krawallen der „Hooligans gegen Salafisten“ am Sonntag in Köln zu distanzieren. Offenbar ist die Parteiführung aufgeschreckt, weil auch AfD-Mitglieder mit den Krawallmachern sympathisieren.

Sieht seine Partei von Querulanten bedroht: AfD-Chef Bernd Lucke (Bild: metropolico.org)
AfD-Chef Bernd Lucke (Bild: metropolico.org)

In seiner Mail räumt Lucke ein, dass der politische Islamismus eine verfassungsfeindliche Bedrohung sei, „gegen die wir entschieden vorgehen müssen“. Aber ebenso entschieden müsse Stellung bezogen werden gegen Rechtsextremisten und gewaltbereite Hooligans, „die die berechtigten Sorgen der Bevölkerung dazu nutzen, den Staat anzugreifen“.

In der regelmäßigen Telefonkonferenz der Bundes- und Landessprecher der Alternative für Deutschland (AfD) am Freitag wurde deswegen folgende gemeinsame Stellungnahme beschlossen: „Die AfD verurteilt die Ausschreitungen von Hooligans und Rechtsradikalen im Rahmen der anti-salafistischen Demonstrationen in Köln. Die AfD distanziert sich entschieden von den sogenannten HoGeSa-Initiativen, die den Schulterschluss mit Rechtsradikalen suchen und auch vor Gewalt gegen die Polizei nicht zurückschrecken. Eine Teilnahme von AfD-Mitgliedern an derartigen Demonstrationen, deren Unterstützung oder Billigung wäre ein schwerer Verstoß gegen Ordnung und Grundsätze der AfD und würde zur Einleitung von Parteiordnungsmaßnahmen bis hin zum Parteiausschluss führen.“ Zum Ende seiner metropolico vorliegenden Mail bittet Bernd Lucke die Förderer und Mitglieder seiner Partei darum, auch in deren privaten Umfeld darauf hinzuweisen, „dass die AfD immer an der Seite des Rechtsstaats steht“.

AfD-Mitglied Festerling zieht ihren Hut vor den Hooligans

Offenbar ist die Parteiführung aufgeschreckt, weil auch AfD-Mitglieder mit den Krawallmachern sympathisieren. So hat beispielsweise das Hamburger AfD-Mitglied Tatjana Festerling die Hooligans in einem Beitrag für die Internet-Seite Journalistenwatch nach ihren Angriffen auf Polizisten und Journalisten gelobt: „Heute Abend ziehe ich meinen Hut vor den Hools“, schrieb sie in dem Artikel, der „Die Wahrheit über die HoGeSa-Demo“ heißt. Darin heißt es unter anderem: „Eure Parolen waren nicht originell, aber schnell zu merken und in keinster Weise rassistisch, rechtsextrem oder gewaltauffordernd.“ Die massiven Gewaltausbrüche, die von allen Medienvertretern einschließlich des von metropolico bestätigt wurden, wurden von ihr als „Ausnahmen“ abgetan, die „von eigenen Leuten schnell wieder eingefangen und beruhigt“ wurden. Festerling bekam dafür auf Facebook 20.000 sogenannte Likes. Wie Jörn Kruse, Sprecher der Hamburger AfD, metropolico am Sonntag mitgeteilt hat, findet am Montagabend eine Landesvorstandssitzung statt, auf der ein Parteiausschlussverfahren gegen Festerling beraten und beschlossen werden soll. (PH)

Der Artikel wurde am 02.11.14 um 14 Uhr 00 um die Stellungnahme von Jörn Kruse ergänzt.