Frank-Furter Schnauze: Falsch war falsch ist falsch bleibt falsch

Die Hooligans werfen ein Polizeifahrzeug um und greifen erneut die Polizisten an (Bild: metropolico.org)
Ein friedlicher Protest sieht anders aus: „Hogesa“ am Sonntag in Köln (Bild: metropolico.org)

Der Sonntag in Köln gab einen Vorgeschmack auf das, was uns blüht, sollten wir die wachsenden Probleme in unserer Gesellschaft nicht auf demokratischem Wege lösen: die Renaissance Weimarer Verhältnisse. Das ist keine frohe Kunde, sondern ein Warnschuss, den leider niemand hören will. Ein Kommentar.

Es war ein erschreckendes Bild, das sich am Sonntag in Köln bot. Teilweise ging es zu, wie wenn Linksextreme in Hamburg vor der Roten Flora randalieren. Oder am 1. Mai in Berlin. Oder bei Blockupy in Frankfurt. Doch dieses Mal waren es keine Linksextremen, sondern Hooligans. Auch einige Rechtsradikale mischten sich offenbar darunter. Ein metropolico-Redakteur war vor Ort, berichtete aus erster Hand, dass heftig randaliert wurde, dass Parolen wie „Ausländer raus“ skandiert und rechtsextreme Symbole gezeigt wurden. So berichteten nicht nur alle großen Medien, so berichteten auch wir. Weil es so war. Leider.

Um das Wichtigste vorweg zu nehmen: Wer linksextreme Krawalle kritisiert, aber dieselben Gewaltausbrüche bejubelt, bloß weil es vermeintlich gegen Salafisten geht, macht sich völlig unglaubwürdig. Wer Muslimen vorwirft, sich nicht hinreichend von radikalen und extremistischen Strömungen im Islam zu distanzieren, gleichsam aber mit erkennbar Rechtsextremen Seit an Seit marschiert, hat jede moralische Legitimation verspielt. Und wer meint, bürgerlich-liberale Werte, gar Freiheit und Demokratie, mit Gewaltorgien und braunen Parolen verteidigen zu müssen, hat schlicht und ergreifend nicht mehr alle Tassen im Schrank. Falsch war falsch ist falsch bleibt falsch, egal wohin oder wogegen sich das Falsche richtet.

So weit ist es also schon gekommen

Geradezu absurd mutet an, was man nun in manchen Blogs, Foren und Kommentarbereichen – auch dem unseren – lesen muss. Da wird so getan, als seien Hooligans und Neonazis brave Spießbürger, die sich durch ein völlig entspanntes Verhältnis zur Polizei auszeichnen und am Sonntag in Köln nur „friedlich demonstrieren“ wollten. Ausschreitungen? Schuld der Polizei. Hooligans? Friedliche Demonstranten. Rechtsextreme? Vom Staat geschickt. Kritische Berichterstattung? Erstunken und erlogen. Randale? Und wenn schon, war ja für die „gute Sache“…

Das klingt alles nur allzu vertraut. Dieselbe Unlogik, denselben Unsinn, dasselbe sektenhafte Gebaren findet man sonst in Antifa-Foren, wenn tags zuvor Linksextreme gewütet haben. So weit ist es also schon gekommen.

Ja, so weit ist es gekommen. In einem Gastbeitrag auf metropolico versucht sich Vincenzo Di Torro an der Frage, warum es so weit kommen konnte. Kurzgefasst: Zahlreiche Jugendliche begehren auf gegen eine Politik, als deren Opfer sie sich fühlen. Das mag zutreffend sein. Zutreffend ist allerdings auch, dass sich diese Protestkultur nicht etwa aus der seriösen Islamkritik rekrutiert, sondern aus einem Milieu, das teilweise mehr als nur besorgniserregend erscheint.

Da ist zum einen die Hooligan-Kultur, die sich dadurch auszeichnet, dass überwiegend junge Männer ihren Alltagsfrust zu kompensieren suchen, indem sie sich am Rande von Fußballspielen im Wortsinn gegenseitig die Birne einschlagen. Und da sind fraglos Rechtsextreme, die offenbar versuchen, einen an sich richtigen Protest für ihre falschen Ziele zu vereinnahmen – und damit bisher überaus erfolgreich waren, wie der Sonntag in Köln gezeigt hat.

Umso wichtiger wäre ein Korrektiv

Die Wahrheit über das, was am Sonntag geschah, liefert weder das „Schwarz“, das die Mainstream-Medien nun zeichnen, noch das „Weiß“, das die sympathisierende Bloggosphäre malt. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in den Graustufen dazwischen. Natürlich handelte es sich bei den etwa 5.000 Demonstrationsteilnehmern nicht ausnahmslos um Rechtsextreme und gewaltbereite Hooligans; ebenso wenig bildeten diese eine verschwindend kleine Minderheit am Rande eines überwiegend bürgerlichen Protests.

Umso wichtiger wäre es, dass sich gerade diejenigen Medien, die einen Einfluss auf den vernünftigen Teil der Demonstrationsteilnehmer haben, ihrer Verantwortung bewusst werden und eine Rolle als Korrektiv einnehmen. Wer jedoch leichtfertig ein „Wunder von Köln“ herbeifantasiert, wo in Wahrheit „Ausländer raus“ gebrüllt und massenhaft randaliert wurde, macht sich schlimmstenfalls mitschuldig, wenn diese Bewegung vollends auf die falsche Bahn gerät. Und er betätigt sich unfreiwillig als Totengräber einer an sich richtigen und wichtigen Sache. Denn: Ein Protest, der sich dezidiert gegen Salafismus richtet, hat – wie zahlreiche Umfragen zeigen – die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite. Ein Protest jedoch, der sich mit rechtsextremen Symbolen schmückt, stumpfe braune Parolen brüllt und Hooligan-typische Gewaltorgien zelebriert, wird ganz sicher nicht auf größere Unterstützung in der Bevölkerung stoßen. Zum Glück nicht. Zu Recht nicht. Denn damit ist niemandem geholfen. Es ist derselbe nutzlose Mist, wie wenn Linksextreme für „mehr Gerechtigkeit“ Hamburg, Frankfurt oder Berlin anzünden.

Die nahe Zukunft wird zeigen, ob „Hogesa“ schleunigst die Kurve kriegt und sich von denjenigen Elementen reinigt, die entweder wirklich rechtsextrem sind, oder nur einen weiteren Anlass für Randale und Gewaltexzesse suchen. Gelingt das nicht, und danach sieht es derzeit leider aus, ist unser Land allenfalls um eine weitere sinnlose Protestkultur reicher, die unsere Polizei davon abhält, ihrer ohnehin schon schwierigen Aufgabe nachzukommen.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Ein Grund zur Freude wäre das ganz sicher nicht, eher ein weiterer Grund zur Sorge. So würde sich wohl bewahrheiten, wovor ich schon vor Jahren öffentlich warnte: Wenn die demokratische Mehrheitsgesellschaft sich auch weiterhin einer sachlichen, lösungsorientierten Debatte um die wachsenden gesellschaftlichen Probleme verweigert, die insbesondere mit der Einwanderung aus dem islamischen Kulturkreis einhergehen, werden zunehmend viele Menschen das Vertrauen in die Demokratie verlieren und sich wieder radikalen Strömungen zuwenden. Und es ist kein Zufall, dass dieser Prozess, die Abkehr von der Demokratie, in der Unterschicht beginnt – bei jenen, die ihren Frust bislang noch unpolitisch am Rande von Fußballspielen zu bewältigen suchten.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Und sie haben viel Wind gesät, unsere scheinheiligen Eliten, da hat der „Alp Mar“ durchaus Recht. Der Sonntag führte uns eine erste Böe vor, einen ersten Hauch des Sturms, der da kommen könnte. Leider lassen die bisherigen Reaktionen auf den Kölner Protest keinerlei Einsicht erkennen; stattdessen pflegen Medien und Politik einmal mehr jenen unausgewogenen Umgang mit dem Thema, der keine Lösung ist, sondern Teil des Problems.

Verbarrikadiert hinter ideologischen Mauern sieht man dort ausschließlich rechtsextreme Hetzer und gewaltbereite Agitatoren am Werk, verkennt aber die eigentliche Dimension dieses Protests: Diejenigen, die am eigenen Leibe erfahren, was Multikulti wirklich bedeutet, die selbst schon auf Schulen mit hohem Ausländeranteil gingen und ihre Kinder auf Schulen mit noch höherem Ausländeranteil schicken sollen; diejenigen, die in Stadtteilen leben, wo Araber-Clans regieren, das Gesetz der Scharia sukzessive Einzug erhält und Salafisten Jugendliche für den Islamischen Staat rekrutieren; kurzum: diejenigen, die den Preis bezahlen für den ideologischen Aberglauben der Eliten, begehren auf. Ihre Botschaft lautet: Wenn es keine demokratische Lösung gibt, dann gibt es eben eine radikale.

Politische Vernunft hört nur auf einen Namen: Demokratie!

Auch hier fehlt das nötige Korrektiv, das in diesem Fall nur die großen Medien bilden könnten. Ein Korrektiv, das der Politik zu verstehen gibt: so einfach, wie Ihr Euch das jetzt machen wollt, ist es nicht. Es sind eben nicht nur rechtsextreme Hetze und Lust an der Gewalt; im Gegenteil, hier formulieren Menschen mitunter echte Ängste und reale Sorgen. Und wer das nicht ernst nimmt, treibt diese Menschen in die Hände radikaler Seelenfänger. So zu beobachten am Sonntag in Köln. Tragisch, aber wahr: Der „Kampf gegen Rechts“ droht auf diese Weise zum Steigbügelhalter eines wiedererstarkten Rechtsextremismus zu werden. Unter anderem auch deshalb, weil die „Kämpfer gegen Rechts“ nicht einmal zwischen rechtsdemokratisch und rechtsextrem zu differenzieren vermögen. Das fliegt uns nun um die Ohren – in Form von Jugendlichen, die diese Differenzierung ihrerseits nicht mehr vornehmen. Weil sie ihnen niemand beigebracht hat. Weil sie gelernt haben, dass Demokratie im Deutschland der Gegenwart kein gelebter Wert, sondern nur eine linke Floskel ist. Herzlichen Glückwunsch.

Exakt derselbe Vorwurf gilt aber auch jenen, die vor den wahrhaft extremistischen Facetten des Kölner Protests die Augen verschließen. Die einen Schwarz, die anderen Weiß – geeint sind sie in ihrem brachialen Irrtum. Zeit, allerhöchste Zeit, dass sich möglichst viele Menschen aller Lager endlich der politischen Vernunft besinnen. Diese hört nur auf einen Namen: Demokratie!

Andernfalls drohen Weimarer Verhältnisse, denen schlimmstenfalls noch größeres Übel folgt. Das ist die Botschaft, die am Sonntag von Köln aus ins Land ging: Ein Warnschuss, den niemand hören will. Weder die einen, noch die anderen. Man kann es an sich erfreulich finden, dass so massiv gegen die Politik der Eliten aufbegehrt wurde. Doch die Art und Weise, wie das geschah, ist weder unterstützungswert, noch nachahmungswürdig. Im Gegenteil, in dieser Form gilt leider auch für diesen Protest: Er ist ganz sicher keine Lösung, sondern allenfalls Teil eines noch größeren Problems. Denn auch hier gilt: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Mehr Sturm, als uns allen Recht sein kann.

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